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TV-Kritik: NDR – "Wie geht das?" über Tiny Houses Die Herstellung von Tiny Houses – ein Fest für Bürokraten

Tiny Houses, also kleine, teils mobile Häuschen mit nicht mehr als 50 Quadratmeter liegen im Trend. Sie eignen sich für Aussteiger, die "sich verkleinern" und inmitten der Natur aufs Minimale reduzieren wollen genauso wie als Ferienunterkunft. Doch wer baut die Dinger eigentlich, und wie aufwändig ist das? Dieser Fragen nahm sich eine Reportage des NDR an, und zeigte auf, dass natürlich auch bei den "Tiny Houses" in Deutschland nichts einfach mal so gehen kann.

Zugegeben, man muss es nicht mögen, in minimalistischen, eng anmutenden Häuschen zu wohnen, die Toilette in direkter Sichtweite der Küchenzeile, das Bett direkt neben oder eins mit der Couch. Aber es gibt ihn, den Trend zum Verkleinern, zum Leben außerhalb der Städte in jenen Mini-Häusern, die sich Tiny Home nennen. Und wenn es einen Trend gibt, gibt es auch Menschen, die mit ihm gutes Geld verdienen. In diesem Fall, das liegt nahe, sind auch Handwerker daran beteiligt, die Häuschen zu bauen - doch nicht nur. Denn der Bau, Transport und Aufstellung der Tiny Houses sind jeweils für sich alles andere als trivial, da ist vielmehr neben dem Handwerker der Architekt, der Verkehrsrechtsexperte und ein Baurechtler gefragt.

Verordnung über Verordnung - ein dickes Brett

Die Geschichte von Peter Pedersen aus Neumünster jedenfalls ist die einer Idee, die erst die Hürden der Bürokratie nehmen musste, ehe sie zu einem Erfolg wurde. Er stellte schnell fest, dass das Thema Tiny House nichts für den Heimwerker, auch "nichts für den kleinen Handwerker" ist, wie er sagt - sondern "das Komplizierteste, das es im Hausbau gibt". Man müsse die Straßenverkehrszulassungsverordnung und das Baurecht beachten, die sich wiederum widersprächen - ein ganz dickes Brett also. Ein mobiles, auf einem Hänger transportierbares Heim, wie es Pedersen bauen lässt, unterliegt nämlich strengen Regeln. Breite, Höhe, Gewicht - alles geregelt, wenn die Häuser als Wohnanhänger zugelassen werden und mittels der Sonderaufbauten über die Straße gezogen werden sollen. Das wiederum erfordert besondere Maßnahmen beim Bau. Ein spezieller Sattelauflieger beispielsweise ist nötig, um die Sicherheit beim Transport zu bieten, das Haus selbst wird dabei stark belastet - Statik, Stabilität, alles muss stimmen, ein Fest für Bürokraten.

Es geht um die Häuser, nicht um die Bürokratie

Doch Pedersen wirkt in der Reportage nicht wie jemand, der genervt ist, sondern wie ein Unternehmer, der die Herausforderungen angepackt und nicht nur das Beste, sondern etwas richtig Gutes daraus gemacht hat - genau wie die Brüder Glowatzki aus Ludwigslust in Mecklenburg-Vorpommern, die sich die nachhaltige Bauweise auf die Fahnen geschrieben haben. Bei ihnen ist es oft das Gewicht, das den Einbau etwa umweltschonender Dämm-Materialien etwa bei der Bodenplatte nicht hergibt. Dann schließen sie Kompromisse, bleiben aber unter dem Strich bei ihrer Philosophie, mit nachhaltigen Ressourcen zu arbeiten. Es gehe eben auch darum, sagt Zimmerer Finn Glowatzki, der mit seinem Bruder Benjamin die Firma leitet, und nicht nur um das klassische Downsizing, also das "sich Verkleinern". Auch die Bürokratie sei letztlich nicht entscheidend. "Egal, ob das ein Fahrzeug mir Sonderaufbau ist oder ein Haus mit Wohnanhänger-Zulassung - für uns bleibt’s ein Tiny House", skizziert Glowatzki, worum es geht - die "äußere Formgebung und das, was ich an Innenraum nutzen kann."

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Der Gedanke der Nachhaltigkeit ist indes auch wichtig bei der Ausgestaltung, denn wenn dann das Haus einmal irgendwo steht, muss es auch der Energieeinsparverordnung entsprechen - schließlich sind wir in Deutschland. Mit einer Pellet-Heizung will Pedersen das gewährleisten, doch einzelne Öfen dieser Art sind nicht in der Verordnung vorgesehen, nur Zentralheizungen mit Pellets. Dennoch hat der Unternehmer die Einhaltung der Verordnung geschafft - mit der Hilfe eines Energieberaters. Und apropos Aufbau: Dass man sein neues Tiny House nicht einfach beliebig auf eine öffentliche Fläche oder den Grund und Boden des benachbarten Bauern stellen darf, leuchtet noch ein. Doch auch auf dem eigenen Grundstück ist es nicht ohne Weiteres erlaubt, ein solches Häuschen aufstellen - vielmehr kommt das Bauamt mit einer entsprechenden Genehmigung ins Spiel. Bauantrag mit Architekten im Schlepptau, Anschluss ans öffentliche Wasser- und Abwassernetz, an das Stromnetz - alles ist dabei. Da rückt oft die handwerkliche Herausforderung, die Haustechnik und die benötigten Einrichtungen so platzsparend und praktisch wie möglich einzubauen, fast in den Hintergrund. Doch die Brüder Glowatzki haben sich, genau wie Peter Pedersen, mittlerweile so gut mit den behördlichen Vorgaben arrangiert und alles derart im Griff, dass sie großen Wert auf Qualität und Fertigung legen und sich darauf konzentrieren können. Ob natürliche Rohstoffe, hochwertige Geräte - alles ist möglich.

Kein Modell für die Städte

Und die Kunden? Die bekommen von dem Aufwand, den die Herstellung der kleinen Häuser macht, oft gar nichts mit, sondern leben darin entweder ein wenig aussteigertechnisch "auf der grünen Wiese" oder vermieten sie als Ferienhäuser in kleinen Siedlungen, wie zwei in der Reportage dargestellte Beispiele zeigten. Wenn das zum eigenen Lebensstil passt - warum nicht. Nachdem die Reportage dann noch in einem Schwenk auf aktuelle Themen erörtert hatte, ob Tiny Houses eine Lösung für die Wohn-Problematik in den Städten sein könnten, kam sie von diesem Luftschloss glücklicherweise schnell wieder ab: Zu wenig Platz sei in urbanen Gegenden für diese Häuschen. Ein Massenmarkt dürften die Häuschen zudem auch nicht werden, dafür sind sie doch ein wenig zu speziell. Für Idealisten wie Peter Pedersen und die Glowatzki-Brüder, die sich in dem Bereich gut eingerichtet haben, muss das indes gar nicht schlecht sein - ganz im Gegenteil.

>> Link zur Sendung <<

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