Damit Azubis langfristig motiviert sind bei ihrer Ausbildung, sollten Ausbilder mit der Gummibärchenmethode arbeiten und immer wieder kleine motivierende Anreize schaffen. Ausbildungsberater Peter Braune zeigt in seiner aktuellen Kolumne, wie das gelingen kann.

Bei kleinen Kindern wenden Eltern häufig die Gummibärchenmethode an, um ein Ziel zu erreichen oder etwas verständlich zu machen.
In einem Lehrbetrieb kommt es vor, dass die anfängliche Lernbereitschaft, nach und nach, in Langeweile, Monotonie und Leistungsabfall abrutscht. Manchmal liegt es daran, dass Lehrlinge nicht richtig unterwiesen wurden oder den ganzen Tag immer dieselben, kleinen Tätigkeiten erledigen müssen, bei denen sie keinen Bezug zu den Lernzielen aus dem betrieblichen Ausbildungsplan erkennen können.
Die Lehrlinge möchten einen Sinn in ihren Tätigkeiten sehen. Zudem sollten diese zur persönlichen Überzeugung passen. Empfinden sie eine Aufgabe als sinnlos oder widersprüchlich, wirkt dies demotivierend. Sie schalten ab.
Alle kennen das Prinzip der Belohnung. In der Lehrzeit spielen solche Belohnungen natürlich auch eine Rolle. Sie wirken in der Regel motivierend und regen zu besseren Leistungen an. Grund ist eine Hirnregion, die unter anderem für das Empfinden von Freude zuständig ist. Sie wird daher auch als "Belohnungszentrum" des Gehirns bezeichnet.
So können Belohnungen eingesetzt werden
In solchen Situationen funktioniert Sprache allein nicht mehr. Da helfen den Verantwortlichen aktivierende, erlebnisfördernde Methoden, jenseits der rein verstandsmäßigen Möglichkeiten. Sei es mit Stift und Papier oder mit einem anschaulichen Beispiel. Mit solchen "Gummibärchen" gelingt es meist, wieder Bewegung in den Ausbildungsverlauf zu bringen oder eine verblüffende Wendung zu erzielen.
Die Ausbilderinnen oder Ausbilder versuchen hierbei den Einsatz der Lehrlinge zu wecken und das Interesse auf die Ausbildungsziele zu lenken. Sie besprechen die Lernziele. Die Anweisungen und Kontrollen werden auf ein notwendiges Maß beschränkt. Es werden unterschiedliche Vorschläge gemacht und besprochen. Die jungen Leute dürfen mitentscheiden, werden gefördert und können an der Planung teilhaben.
So eine Gummibärchenmethode muss natürlich zum Lernziel und zu den Lehrlingen oder zur Zielgruppe passen. Die Methode soll das Denken anregen, den Austausch oder die Kreativität fördern und in der Situation für Abwechslung sorgen. Man muss nicht zwangsweise aktivierende Methoden einsetzen. Die Meisterin oder der Meister muss in solchen Fällen natürlich auch die Schwächen und Stärken der Lehrlinge bei der Aufgabenaufteilung berücksichtigen.
Die Methode sollte jedoch nur gezielt eingesetzt werden, damit es nicht zur Gewohnheit wird. Nach dem Motto: "Ich werden das nur tun, wenn ich ein Gummibärchen bekomme!"
Wenn es Lernziele und betriebliche Rahmenbedingungen erlauben, kann man den Lehrlingen auch, in einem angemessenen Rahmen, Freiräume geben. Sie dürfen eigene Entscheidungen treffen und selbständig arbeiten.
Es gilt also immer wieder frische Impulse in den Arbeitsalltag einzubauen. Aber auch hilfreiche Rückmeldungen und Lob gehören ebenfalls in den Werkzeugkasten. Loben Sie deutlich, wenn Sie mit der Leistung der Lehrlinge zufrieden sind, sagen Sie aber auch, wenn eine Aufgabe nicht zufriedenstellend erledigt wurde.
In Lehrbetrieben mit mehreren Lehrlingen, im ersten, zweiten oder dritten Lehrjahr, wäre es möglich, die Älteren als Gummibärchen einzusetzen. Als Patin oder Pate helfen die Starken den Schwächeren auf Augenhöhe.
Ihr Ausbildungsberater Peter Braune
Peter Braune hat Farbenlithograph gelernt, war Ausbilder und bestand in dieser Zeit die Ausbildungsmeisterprüfung. Er wechselte als Ausbildungsberater zur Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main. Dort baute er dann den gewerblich-technischen Bereich im Bildungszentrum auf und leitete die Referate gewerblich-technischen Prüfungen sowie Ausbildungsberatung, zu der auch die Geschäftsführung vom Schlichtungsausschuss gehörte. Danach war er Referent für Sonderprojekte.