Eveline Lemke führte die Grünen aus der außerparlamentarischen Opposition in die Regierung Die grüne Macherin im Mainzer Wirtschaftsressort

Das Bild hatte Symbolcharakter: Sieben Männer in grauen Anzügen, in der Mitte eine kleine Frau mit Lockenhaar und leuchtend grünem Blazer. Es ist ein Bild, an das sich Eveline Lemke wird gewöhnen müssen: Am 18. Mai wird die 46 Jahre alte Grünen-Politikerin zur Wirtschaftsministerin in Rheinland-Pfalz gewähl.

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Die grüne Macherin im Mainzer Wirtschaftsressort

Mainz (dapd). Das Bild hatte Symbolcharakter: Sieben Männer in grauen Anzügen, in der Mitte eine kleine Frau mit Lockenhaar und leuchtend grünem Blazer. Es ist ein Bild, an das sich Eveline Lemke wird gewöhnen müssen: Am 18. Mai wird die 46 Jahre alte Grünen-Politikerin zur Wirtschaftsministerin in Rheinland-Pfalz gewählt und damit ein Ressort übernehmen, das bisher in Rheinland-Pfalz ausschließlich in Männerhand und bundesweit in einem Flächenland noch nie von einem Grünen besetzt war. Nun will ausgerechnet eine grüne Frau die einstige FDP-Domäne umkrempeln. Für Eveline Lemke ist das die Krönung ihrer bisherigen Karriere und zugleich der Prüfstein für eine realistische grüne Politik.

Das Bild entstand im September 2010 zum 50. Geburtstag der Windenergiefirma Fuhrländer im Westerwald. Eveline Lemke war die einzige Frau unter den männlichen Gratulanten. In ihrer Rede wies sie auf die Bedeutung der erneuerbaren Energien als Jobmotor hin und rühmte die Hartnäckigkeit des Firmengründers Joachim Fuhrländer: Der sei seinem Lebenstraum treu geblieben, verbinde Unternehmergeist mit Visionen und habe seine Ideen gegen mitunter erhebliche Widerstände durchgesetzt. Die Rede war nicht nur ein Loblied auf einen Visionär, sondern spiegelte zugleich in aller Kürze wider, wofür Eveline Lemke selbst stehen will: Die Frau aus Sinzig am Rhein will authentisch sein und die Visionen einer grünen Ökonomie umsetzen.

Das politische Denken wurde der gebürtigen Hamburgerin schon in die Wiege gelegt: Vater Dietrich Lemke, ein Sportlehrer, war Ende der 1970er Jahre Vorsitzender der Lehrergewerkschaft GEW in Hamburg. Der zweite politische Einfluss kam vom Onkel: Willi Lemke, lange Jahre Manager des Fußballclubs Werder Bremen, wurde 1999 für die SPD in Bremen Senator für Bildung und Wissenschaft.

Der Sport und die Politik wurden denn auch die beherrschenden Themen im Leben der Eveline Lemke, dazu kam die Wirtschaft: Lemke lernte erst Fremdsprachensekretärin, dann Kauffrau und arbeitet als Assistentin der Geschäftsführung bei der Deutschen Erz- und Metallunion. In der Kinderpause ab 1991 studierte Lemke in Hannover und an der Fernuni Hagen Wirtschaftswissenschaften und Betriebswirtschaft. Danach habe sie dann Umweltsystemmanagement studiert, bekennt Lemke auf ihrer Homepage: Sie habe gezielt wissen wollen, welche Instrumente genutzt werden könnten, damit sich Ökonomie und Ökologie nicht widersprächen."

Politisch aktiv wurde Lemke selbst erst 1995 mit dem Eintritt bei den Grünen. In Hessen übt sie ihre ersten Ämter für die Grünen in der Kommunalpolitik aus. Mit ihrem Umzug nach Rheinland-Pfalz erhielten die Grünen im Land plötzlich eine energische und pragmatische neue Mitstreiterin. Als die Partei im 2006 aus dem Landtag flog, schlug Lemkes Stunde: Auf dem Parteitag im November wurde sie zur Landeschefin gewählt. Das Credo der damals noch unter dem Namen Lemke-Ziebeil agierenden neuen Chefin: "Mein Stil wird nach innen in die Partei weich sein, nach außen hart und stark."

Seitdem hat die Spitzenfrau den Wiederaufbau der Partei konsequent vorangetrieben. Selbst als außerparlamentarische Opposition blieben die Grünen sichtbar - die Grundlage für den Erfolg am 27. März. Mit 15,4 Prozent im Rücken führte Lemke die Grünen genauso pragmatisch und konsequent wie bisher in die Koalition mit der SPD. Nun muss Lemke beweisen, dass sie neben aller Partei- und Aufbauarbeit noch eines kann: Regieren.

dapd