Die YouTube-Gruppe "The Real Life Guys" ist bekannt für kreative DIY-Projekte und Outdoor-Aktionen. Im August ging ihr "Macher Festival" in die zweite Runde – und begeisterte Klein und Groß für das Handwerk.

Wo einst mit riesigen Baggern tausende Tonnen Kohle abgetragen wurden, tüfteln heute Handwerker, Freundesgruppen und Familien mit ihren Kindern an eigenen Bauprojekten. Auf dem Festivalgelände Ferropolis bei Leipzig fand vom 7. bis 10. August zum zweiten Mal das "Macher Festival" der YouTube-Gruppe "The Real Life Guys" statt. Bei dem DIY-Sommercamp geht es um das gemeinsame Bauen – aber vor allem darum, Handwerk zu erleben.
"Die Menschen sollen erfahren, wie sinnstiftend es ist, ein eigenes Projekt auf die Beine gestellt zu haben", sagt Daniel Michailidis, Manager des Festivals und Mitglied der Real Life Guys. "Die meisten Kids haben das nicht mehr – hier bekommen sie zum ersten Mal einen Akkuschrauber oder ein Schweißgerät in die Hand. Sie sollen sehen, wie geil, wie schön und wie erfüllend das Handwerk sein kann."
Macher Festival stellt die größte Werkstatt Deutschlands
Auf dem Macher Festival sollen handwerkliche Projekte realisiert werden. Viele Besucher haben sich im Vorfeld Projekte überlegt, die sie während des viertägigen Festivals verwirklichen wollen. Der Donnerstag ist für die Anreise der Campinggäste reserviert. Freitag und Samstag werden intensiv zum Bauen genutzt, bevor am Sonntag das große Community-Projekt den Abschluss bildet. Die Vorhaben reichen von Anhängern für den zuvor selbst gebauten fahrbaren Untersatz über Wake-Boards bis hin zur Lampe mit LEDs für indirektes Licht im Bad.
Die YouTube-Gruppe veranstaltet das Festival unter anderem zusammen mit dem Baumarktbetreiber Hornbach, der für die vielfältigen Ideen sämtliches Material und Werkzeug zur Verfügung stellt. In der Werkstatt ganz am Ende des Festivalgeländes können sich die Besucher bedienen. Die "größte Werkstatt Deutschlands" erstreckt sich laut Michailidis in diesem Jahr auf rund 10.000 Quadratmeter und ist ihm zufolge "rappelvoll".
Während sich der eine das Macher Festival aus Interesse "einfach mal anschauen" möchte, kommt Jochen Schwertfeger, Pädagoge aus Bremen und leidenschaftlicher Heimwerker, und sein Sohn mit einem klaren Ziel: Sie haben den Opa dabei und bauen für ihn einen faltbaren Holzstuhl mit Rädern zum Ziehen. "Damit sich Opa ab und zu hinsetzen und etwas chillen kann", sagt Schwertfeger. Der Stuhl soll sich auch eignen, um andere Projekte oder Getränkekästen zu transportieren. "Eine coole Festival-Karre."
Besucher tüfteln an unterschiedlichsten Projekten
Dabei ist es egal, wie viel Erfahrung die Besucher mitbringen. In der Workshop-Area gleich nach dem Eingang können Handwerks-Neulinge angeleitet schweißen, bohren oder löten – unterschiedliche handwerkliche Tätigkeiten einfach einmal ausprobieren.
Im Mittelpunkt an diesem Wochenende steht das gemeinsame Bauen und Voneinander-Lernen: "Das Coolste an den Projekten ist, dass man sich immer mehr Know-How von anderen aneignet, während man zusammen baut", sagt Real Life Guys-Mitglied Daniel Horst. "Du kannst deine Ideen umsetzen, sie frei gestalten, alles mit Farbe machen – und das auch in großen Mengen", sagt Schülerin Tabea, die sich auf dem Festival inspirieren lassen hat, in Zukunft auch einmal ein eigenes Fahrzeug zu konstruieren. Auch Jochen Schwertfeger überzeugt das Festival der YouTube-Stars: "Super Sache, supercool. Nicht nur labern und gucken, sondern auch was machen – das finde ich total cool."
Bühne für selbst gebaute Fahrzeuge
Rund 200 Schrauber haben bereits vor der Veranstaltung eigene Fahrzeuge gebaut und sie mitgebracht. Und sie ließen dabei nichts unversucht: Mit ausreichend Kreativität wird sogar der Einkaufswagen, die Bierkiste oder die Bierzeltgarnitur zum fahrbaren Untersatz. Wenn dann noch der passende Motor angeschraubt und der TÜV, der direkt vor Ort gemacht wird, bestanden ist, sind die selbst gebastelten Fahrzeuge bereit, am Festivalsonntag in der "Arena" im Zentrum des Festivalgeländes gegeneinander anzutreten.

Vielfältiges Programm für alle
Neben den handwerklichen Angeboten gab es für die Besucher auch ein vielfältiges Actionprogramm – mit Monstertruck- und Motorradshow, Gokart-Bahn, Bubble Soccer oder Trampolin und Blob im See. Der Sprung vom Turm in das große, aufgeblasene Kissen im Wasser ist für die Besucher ein besonderes Highlight.
Auf insgesamt drei Bühnen erwarten die Besucher Live-Konzerte von Künstlern wie dem Münchener Rap-Duo, den O’Bros, Talks und Live-Podcasts und ein gemütliches Beisammensein am Lagerfeuer auf dem Campingplatz.
Am letzten Tag unterstreicht ein Community-Projekt den Ansatz des gemeinschaftlichen Tüftelns: Real Life Guy Simon leitet am Festival-Sonntag den Bau einer 400 Meter langen Achterbahn an. Das Gestell entsteht auf dem Campingplatz – gemeinsam von allen Festivalbesuchern. "Das Geilste ist, dass wir mit der gesamten Community als Team dieses Riesen-Monstrum aufbauen werden", sagt er.
Baugewerbe erhofft sich neuen Nachwuchs durch Kooperation
Das Macher Festival ist ein erstes Projekt einer strategischen Zusammenarbeit von den Real Life Guys und dem Zentralverband Deutsches Baugewerbe (ZDB). Die beiden Partner haben erst im Juli eine Kooperation vereinbart, um die Gewinnung von Fachkräften und Branchennachwuchs zu unterstützen. Mit gemeinsamen Projekten wie Events und Videoproduktionen wollen sie die Ausbildung und den Arbeitsalltag im Baugewerbe transparenter machen.
Chance für Betriebe, neue Zielgruppen zu erschließen
Der Eintritt zum Festival ist ab 12 Jahren. "Ich bin Fan der Real Life Guys und war letztes Jahr noch zu jung", platzt der Junge Till heraus, der mit seinem Papa einen Anhänger für sein Kettcar baut. "Dieses Jahr konnten wir endlich herkommen." Für Betriebe bietet sich auf dem Macher Festival demnach die Möglichkeit, sich den jungen Menschen zu präsentieren. So wurde das Festival etwa für fischer, Knauf oder Bosch zur Jobmesse.

Laut Veranstalter soll das Festival genau das leisten: Erste Berührungspunkte mit dem Handwerk ermöglichen. "Junge Menschen begeistert es immer, wenn man ihnen vorlebt, wie cool es ist und wie viel Spaß es macht, etwas mit den Händen zu machen", sagt Johannes Mickenbecker, Mitgründer der Real Life Guys. "Ich hoffe besonders, dass Leute, die gar nicht wussten, wie viel Spaß es macht, etwas selbst zu bauen, hierherkommen, etwas ausprobieren – und dann vielleicht später sogar in einen handwerklichen Beruf gehen."
Erfolg durch YouTube: Vom Floß zum Festival
2016 gründeten die Brüder Johannes und Philip Mickenbecker die Real Life Guys, um Freunde und junge Menschen zu inspirieren, draußen aktiv zu werden statt drinnen zu sitzen. Alles begann mit einem Video über den Bau eines Floßes – daraus wurde ein YouTube-Kanal voller kreativer Projekte, der heute rund 2 Millionen Abonnenten erreicht.
Das Macher Festival ist nur der jüngste Meilenstein der Gruppe. Zuvor haben sie etwa einen Teslapanzer, ein Survival-Shelter auf einer philippinischen Insel gebaut oder verrückte Reisen mit einem alten Feuerwehrtruck durch Norwegen unternommen.
Gelungenes Festival mit Potenzial
Für die Veranstaltung in der "Stadt aus Eisen" erhoffen sich die Jungs nicht nur, dass Inspiration geschaffen wird, sondern auch, dass Menschen dazu motiviert werden, ihre Freunde einzuladen, dass sie gemeinsam etwas bauen und die Veranstaltung sich so multipliziert, so Marc von den Real Life Guys.
Dass das Festival noch weiter wächst, scheint realistisch. Das Konzept kommt bei den Besuchern gut an: "Ich kenne die Real Life Guys von YouTube, und wollte mir ihr Festival einfach einmal ansehen", so ein Besucher. "Es ist echt mal was anderes."
