Interview mit Hans-Peter Burghof "Spielcasinos für Zypern? Nicht gerade vertrauenswürdig"

Der Wirtschaftsexperte Hans-Peter Burghof sieht die Rettungsversuche in Zypern skeptisch. Auch Griechenland enttäusche seiner Meinung nach bislang mit seinen Sparanstrengungen. Investoren flüchte aus Angst vor Inflation deshalb weiter in Sachwerte.

Karin Birk

Hans-Peter Burghof ist Professor für Bankwirtschaft und Finanzdienstleistungen an der Universität Hohenheim. - © Foto: privat

DHZ: Herr Professor Burghof, ist die Zeitbombe Zypern jetzt entschärft?

Burghof: Nein, natürlich nicht. Wir wissen nicht, ob die Reformprozesse in
Zypern so vorangehen, dass man in Zukunft von einem stabileren Wirtschaften ausgehen kann. Die Vorstellungen, wie man dort Probleme lösen will, sind nicht gerade vielversprechend. Wenn das Land jetzt Spielcasinos öffnen will, damit der Staat mehr Steuern einnimmt, oder auf noch nicht erschlossene Erdgasvorkommen spekuliert, ist das nicht gerade vertrauenerweckend.

DHZ: Könnte das Vorgehen in Zypern, wo auch Sparer mit größeren Vermögen zur Rettung herangezogen werden, eine Blaupause sein?

Burghof: Das könnte es. Letztlich entspricht es der Grundidee der Konzepte, die wir in der Europäischen Union beschlossen haben und wie sie im neuen Abwicklungsgesetz auch für Deutschland vorgesehen sind. Anders als in der Krise 2008 sollen Schieflagen, die nicht das ganze Bankensystem gefährden, nicht von Staaten und deren Steuerzahlern, sondern von den Aktionären, Anleihe-Gläubigern oder auch Sparern getragen werden. Allerdings haben wir in Deutschland Systeme der Einlagensicherung, die dies verhindern sollen.

DHZ: Wie sieht es in Italien aus? Müssen da die Sparer um ihr Geld bangen?

Burghof: Ich hoffe nicht. Eine Pleite Italiens wäre die überflüssigste Pleite überhaupt. Anders als Zypern hat Italien ein solides Geschäftsmodell mit Produkten, die weltweit gefragt sind. Darüber hinaus hat Italien keinen aufgeblähten Bankenapparat. Eigentlich müssten wir uns über Italien keine Sorgen machen, wenn wir dort kein eklatantes Versagen der Politik hätten.

DHZ: Wie stabil sind die übrigen Banken in Europa?

Burghof: Das hängt entscheidend von der Qualität der Bankenaufsicht ab, die in den jeweiligen Ländern sehr unterschiedlich ist. Klar ist aber auch, dass wohl kaum ein Bankensystem die Pleite des eigenen Staates überleben würde. Dazu halten die Banken meist zu viele heimische Staatspapiere. Staatsschuldenkrise und Bankenkrise sind an diesem Punkt untrennbar miteinander verbunden. Wenn wir die Staatsschuldenkrisen nicht in den Griff bekommen, werden wir auch weitere Bankenkrisen bekommen.

DHZ: Gibt es denn Fortschritte?

Burghof: Wenn Sie nach Griechenland schauen, nur wenige. Der Staatsapparat wurde nicht merklich zurückgefahren. Viele Staatsmitarbeiter, die entlassen wurden, haben sich mittlerweile wieder eingeklagt. Die Griechen hoffen damit, über die Bundestagswahl in Deutschland zu kommen. Sie erwarten, dass eine Regierung in Deutschland an die Macht kommt, die Eurobonds gegenüber viel aufgeschlossener ist als die heutige. Die Schulden würden dann vergemeinschaftet und der Druck geringer, die eigenen Schulden abzubauen. Genau das wäre jedoch notwendig.

DHZ: Erwarten Sie jetzt eine weitere Flucht in Sachwerte?

Burghof: Gegenwärtig sind die Investoren ratlos. Sie wissen schlichtweg nicht, wohin mit ihrem Geld. Sachwerte sind eine interessante Alternative, aber jetzt schon sehr teuer. Andererseits macht der Fall Zypern Anlagen bei Banken auch nicht attraktiver. Die Flucht in Sachwerte geht wohl weiter. Der Hauptdruck kommt aber nicht durch Zypern, sondern durch die Politik der Europäischen Zentralbank. Sie hat massiv billiges Geld in den Markt gegeben. Und da stellt sich die Frage, wann dies in Inflation umschlägt. Die EZB verspricht zwar, das Geld rechtzeitig aus dem System zu nehmen. Es bleibt aber fraglich, ob die EZB angesichts der unterschiedlichen wirtschaftlichen Entwicklungen tatsächlich entsprechende Zinserhöhungen durchsetzen kann, wenn dies eigentlich notwendig wäre, um eine Inflation zu verhindern.