Friederike Bauer betreibt in Dresden-Langebrück einen Hofladen. Dort verkauft die 26-Jährige, die auch ein BWL-Studium erfolgreich abgeschlossen hat, Rindfleisch aus eigener Mast, Schlachtung und Verarbeitung. Doch was sich nach einer sehr zielstrebigen Karriere anhört, war nicht von Anfang an in Stein gemeißelt.

In Dresden-Langebrück, da, wo die Landeshauptstadt ländlich und gar nicht großstädtisch ist, hat Friederike Bauer Teile ihrer Kindheit verbracht. Hier, ganz im Grünen nah der Dresdner Heide, führt die 26-jährige Fleischermeisterin auch ihr Unternehmen. In "Bauers Hofladen" verkauft sie in landwirtschaftlicher Direktvermarktung donnerstags bis samstags die Erzeugnisse des dazugehörenden Agrarbetriebes.
From-Nose-to-Tail-Prinzip
Den auf Färsen – also geschlechtsreife weibliche Rinder, die noch nicht gekalbt haben – spezialisierten Bauernhof bauten ihre Eltern Jens und Astrid einst als landwirtschaftliche Quereinsteiger auf. Nach dem From-Nose-to-Tail-Prinzip werden auf dem Hof möglichst alle essbaren Teile eines geschlachteten Tieres verwendet. Aufzucht, Schlachtung und die Fleischherstellung erfolgen dabei direkt vor Ort – heute alles unter der Leitung von Friederike Bauer.
Bessere Preise dank Direktvermarktung
Ihr Geschäftsmodell erklärt die junge Handwerkerin dabei so: "Zum einen sollen die Leute zu uns kommen, uns über die Schulter schauen und sehen, wie die Rinder leben, deren Fleisch und Wurst wir hier anbieten. Da sind wir ganz transparent. Zum anderen ist es auch so, dass wir mit der Direktvermarktung deutliche bessere Preise erzielen können als beim Verkauf etwa im Supermarkt. Es geht uns schlicht um Nachhaltigkeit und Regionalität." Auf dem Hof in Langebrück leben Rinder und Pferde auf 25 Hektar Wiesen. Weidehaltung im Sommer und ein großer Offenstall mit überdachtem Auslauf im Winter garantieren eine artgerechte Haltung.
Studium nach dem Abi
Mit 26 Jahren ist Friederike Bauer sowohl Fleischermeisterin, studierte Betriebswirtin als auch Unternehmerin. Doch was sich nach einer sehr zielstrebigen Karriere anhört, war nicht von Anfang an in Stein gemeißelt. "Nach dem Abitur hatte ich noch angefangen Maschinenbau zu studieren", erzählt Bauer. "Ich habe aber recht schnell gemerkt, dass das nicht das Richtige für mich ist."
Praktikum in Südtirol
Also tauscht Friederike Bauer 2017 den Vorlesungsaal in der Uni mit dem Verkaufsraum einer Fleischerei. In Stolpen bei der Fleischerei Weber lernt sie das Handwerk kennen. "Die Zeit dort hat mir wahnsinnig viel gegeben. Dort habe ich zum Beispiel sehr viel über den Zuschnitt und die Bestückung gelernt." Es folgt ein weiteres halbjähriges Praktikum bei einer kleinen Fleischerei in Südtirol, die der jungen Dresdnerin Einblicke vom Zerlegen bis hin zur Wurstherstellung gewährt.
Leitung des Hofladens mit 20
Mit der Eröffnung des Hofladens in Langebrück im Jahr 2018 übernimmt Friederike Bauer dort auch die Leitung – also mit gerade einmal 20 Jahren. Damals waren noch ihre Eltern als Inhaber eingetragen, da sie selbst in der Berufsakademie (BA) Dresden ein dreijähriges Studium der Betriebswirtschaft aufnimmt. Den Praxisteil des dualen Studiums macht sie im eigenen Betrieb. "Die Zeit an der BA hatte mir auch noch einmal gezeigt, wie wichtig es ist, tief in die Materie einzutauchen und zu lernen." Also folgt im Anschluss an das Studium auch noch der Meisterabschluss im Fleischerhandwerk. In Borsdorf bei Leipzig schloss sie die finale Meisterprüfung am 31. Mai dieses Jahres erfolgreich ab.
Auch Restaurants haben Interesse
Seit Jahresbeginn ist die heute 26-Jährige offiziell als Einzelunternehmerin in der Handwerksrolle der Handwerkskammer Dresden eingetragen. Zum Team ihres Hofladens gehören u. a. ein festangestellter Fleischer und drei Verkäufer. Während der Vertriebsschwerpunkt eindeutig auf dem Geschäft in Langebrück liegt, werden inzwischen auch erste ausgewählte Restaurants in Dresden beliefert.
Kunden nehmen Extra-Weg
"Die Kunden nehmen unsere Produkte an. Es freut uns, wenn sie extra den Weg zu uns hinaus nach Langebrück finden", sagt Friederike Bauer. "Unser Kundenstamm wächst stetig." Mit den sogenannten Special-Cuts wie Flat Iron, Flank-Steak oder Skirt-Steak und ihrem speziellen Reifeverfahren hat die junge Unternehmerin immer mehr Neuheiten im Angebot, die sich an Fleischgenießer richten, die Wert auf nachhaltige und regionale Produkte legen.