Wenn Ende August viele tausend Menschen Friedrichshafens Straßen säumen, dann ist wieder Eurobike-Zeit. Die internationale Fachmesse zeigt in diesen Tagen, mit welchen Trends und Neuheiten die Fahrradbranche 2016 aufwartet. Die Deutsche Handwerks Zeitung hat sich umgeschaut.
Marco-Tobias Arnold
Ein Trend ist auf der Eurobike in diesem Jahr unverkennbar: Die Zukunft des Fahrrads wird elektrisch. In nahezu allen Fahrradgattungen hat sich der Elektroantrieb durchgesetzt. Vom E-Mountainbike bis hin zum Faltrad mit Motorunterstützung gibt es nichts, was es nicht gibt. Der beste Beleg für den boomenden Sektor liefert der Zweirad-Industrie-Verband (ZIV). Für das Jahr 2015 rechnet er mit etwa 520.000 verkauften E-Bikes.
Das nächste große Ding
Auf den ersten Blick klingt es etwas skurril: Mountainbikes mit Elektroantrieb? Während bei Stadt- und Tourenrädern die elektrische Unterstützung schon seit längerem Gang und Gäbe ist, setzten sich Elektromotoren auch nach und nach beim sportlichen Offroad-Einsatz so richtig durch. "Das wird das nächste große Ding", ist sich Gary Fisher, einer der Erfinder des Mountainbikes, sicher. Ein Vorteil: Jetzt können Menschen mit unterschiedlicher Fitness gemeinsam auf Tour gehen.
Pionier auf dem Gebiet der unterstützenden Mountainbikes ist Haibike. Mit dem HardSeven Plus mit Bosch-CX-Motor setzt das Unternehmen dabei gleich noch auf einen neuen Trend: die Breite der Reifen. War in den vergangenen Jahren vor allem die Diskussion um die richtige Laufradgröße ein Thema, haben die Entwickler nun die Reifenbreite im Fokus. "27+" heißt die neue Reifendimension, die besonders hohe Traktion bieten soll und gewichtsmäßig dennoch nicht in die hohen Regionen der Fatbike-Reifen vorstößt.
Neue Größe für Rennräder
Ein Zeichen, dass im Rennrad-Markt nicht mehr nur Traditionalisten das Sagen haben, ist der Siegeszug der Scheibenbremse in diesem Segment. Zwar bieten unter idealen Bedingungen auch die bisher verwendeten Felgenbremsen gute Werte, aber gerade bei Nässe haben die Scheibenbremsen eindeutige Vorteile. Durch die neuen Befestigungsstandards für Bremszangen an Rennrädern werden auch die Gewichtsunterschiede nicht mehr so stark ausgeprägt sein. Einen Rekord vermeldet derweil Merida: Das Scultura 9000 LTD kommt als wahres Leichtgewicht daher. Mit einem Gewicht von nur etwa 4,5 Kilogramm soll es das leichteste Rennrad der Welt sein.
Mobilitätsformen in der Stadt
Auch die urbane Bevölkerung rückt als Zielgruppe der Fahrradhersteller verstärkt in den Fokus. In Zeiten verstopfter Innenstädte und staugeplagter Einwohner geht der Trend zu alternativen Fortbewegungsmitteln. Eine gelungene E-Bike-Lösung bietet Winora mit dem "Radius". Durch seine kompakte Abmessung bietet es flottes Fortkommen, ohne viel Abstellfläche in Anspruch zu nehmen. Wer lieber ein Fahrrad mag, dem man den Elektromotor auch auf den zweiten Blick nicht ansieht, ist beim Commuter Bike von Coboc richtig aufgehoben. Die Antriebskomponenten sind fast unsichtbar integriert und dank seines niedrigen Gewichts von nur 15,4 Kilogramm lässt es sich auch ohne Unterstützung gut fahren.
Einen anderen Ansatz zur Neugestaltung urbaner Mobilität geht der Faltradhersteller Tern. Deutschlandweit kooperieren die Taiwanesen mit zwölf Verkehrsverbunden, um die Fortbewegungsarten Fahrrad und den öffentlichen Nachverkehr zu einer Mobilitätskette zu vereinen. So können Kunden ihr Tern-Faltrad rund um die Uhr kostenfrei in Bussen und Bahnen mitnehmen. Die Reststrecke wird dann mit dem Rad zurückgelegt werden.
Lastenräder statt Transporter
Besonders ins Auge stechen in Friedrichshafen die "großen Teile", die für Handwerker eine Überlegung wert sein können. Lastenräder können gerade im innerstädtischen Bereich eine gute Alternative zum Transporter sein. Eine Studie des EU-geförderten Projekt Cyclelogistics geht davon aus, dass bis zu 50 Prozent der innerstädtischen Warentransporte durch Lastenräder statt Fahrräder abgewickelt werden könnten.

Lastenräder ermöglichen demnach ein zügiges Vorankommen, Werkzeug und Arbeitsmaterial lassen sich leicht verstauen. Außerdem entfällt die Parkplatzsuche. Dass mit einem solchen Rad auch große Lasten transportiert werden können, stellt das "Musketier" von Radbox unter Beweis. Es zieht wahlweise einen Lasten-, einen Pritschenwagen oder die Kutsche für die Kinder – eine umweltfreundliche Alternative für so manchen Handwerksbetrieb.
Der Aufzug fürs Auto
Auch der Zubehör-Markt kommt mit einigen innovativen Ideen daher. Neben der weiteren digitalen Aufrüstung des Fahrrads gibt es auch Lösungen, die das Leben für Radfahrer wesentlich vereinfachen. Ein Beispiel dafür ist der Bike-Lift von EAL. Er ist ein Fahrrad-Heckträger für das Auto, der sich elektrisch bis auf Bodenniveau absenken und wieder anheben lässt. Gerade bei schweren E-Bikes ist dies eine Erleichterung, nicht nur für ältere Leute. Ein weiteres Feature: Der Träger lässt sich kompakt zusammenfalten und durch Transportrollen einfach bewegen.
Eine Entwicklung für die Sicherheit bietet die Sportbrille Variatronic S von Uvex. Die Tönung der Brille stellt sich auf unterschiedliche Lichtsituationen ein – das ist soweit noch nichts Neues. Doch dies geschieht innerhalb einer Zehntelsekunde und ist somit ein klares Plus für Fahrradfahrer, die sich auf ihren Touren auf unterschiedliche Lichtverhältnisse einstellen müssen.
Die Eurobike hat noch bis zum 29. August geöffnet. Weitere Informationen finden Sie unter www.eurobike-show.com .


