Die Sicherung des Fachkräftebedarfs wird nur mit der Integration der Älteren gelingen.
Lothar Semper

Die Uhr für die Rente mit 67 hat zu laufen begonnen. Für alle, die in der Zeit vom 1. Januar 1947 bis 31. Dezember 1963 geboren sind, wird die Regelaltersgrenze seit diesem Jahr stufenweise von 65 auf die später dann generell geltenden 67 Jahre angehoben. So sehen es die gegenwärtig geltenden Regelungen vor.
Es ist zu hoffen, dass die Rente mit 67 aus dem bald beginnenden Getöse des Bundestagswahlkampfes 2013 herausgehalten wird. Man kann mit diesem Thema Stimmung machen, aber die Fakten hat man dabei nicht auf seiner Seite. Der demographische Wandel ist unumstößlich und erfordert Reaktionen, will man das System der gesetzlichen Rentenversicherung finanzierbar halten. Bereits bis zum Jahr 2030 wird in Deutschland die Zahl der 20- bis 64-Jährigen um über sechs Millionen zurückgehen, während gleichzeitig die über 64-Jährigen um 5,5 Millionen zunehmen werden.
Genug Beschäftigung für ältere Arbeitnehme?
Das Killer-Argument der Gegner einer Verlängerung der Lebensarbeitszeit lautet, dass es nicht genug Beschäftigung für ältere Arbeitnehmer gebe. Die These lässt sich mit den Daten des neuen Fortschrittsreports zur altersgerechten Arbeitswelt bereits widerlegen, auch wenn es dabei noch viele Hausaufgaben zu machen gibt. Die Belegschafts-Verjüngungsorgien mit Frühverrentungsprogrammen und Altersteilzeit gehören damit der Vergangenheit an.
Das Handwerk kann für sich in Anspruch nehmen, auf dieser Welle nie mitgeschwommen zu sein. Die Er werbs tätigenquote der 60- bis 64-Jährigen nimmt zu und beträgt nach aktuellen Zahlen fast 41 Prozent. Deutschland liegt damit im oberen Mittelfeld internationaler Statistiken. In Schweden sind aber fast zwei Drittel dieser Altersgruppe noch im Erwerbsleben.
Eine Studie des Münchner ifo-Instituts hat vor Kurzem mit der These Aufsehen erregt, dass in Deutschland die Beschäftigungsquote der Männer mit Berufsausbildung in der Gruppe der über 55-Jährigen auf unter ein Drittel sinkt, wohingegen sie bei Personen mit allgemeiner Bildung bei drei Vierteln bleibt. Darüber wird man noch vertieft diskutieren müssen; allerdings wäre es sehr weit hergeholt, darin ein Defizit des dualen Systems der Berufsausbildung erkennen zu wollen.
Schlüsselwort: Altersgerechte Arbeitsplätze
Hier spielen wohl eher der frühere Eintritt ins Arbeitsleben und unterschiedliche Arbeitsbedingungen die maßgeblichere Rolle. Altersgerechte Arbeitsplätze – das wird ein Schlüsselwort für die Zukunft sein. Es ist dringend zu hoffen, dass der nächste Fortschrittsreport aus dem Hause von der Leyen hier mehr die Bedingungen in kleinen und mittleren Unternehmen in den Fokus nimmt und für sie Rezepte entwickelt. Das jetzt thematisierte Instrument von Langzeitkonten und Wertguthaben ist eher für Großunternehmen geeignet.
Mut macht die Erkenntnis verschiedener Forschungen, dass ein ausgewogener Altersmix der Belegschaft sogar die Produktivität steigert. Eine neue Studie des Volkswirtschaftlichen Instituts für Mittelstand und Handwerk an der Universität Göttingen etwa ergibt, dass sich die Nachfrage vor allem bei folgenden Handwerksgruppen durch den demographischen Wandel positiv entwickeln wird: beim Bauhauptgewerbe, bei den Ausbau- und den Gesundheitshandwerken sowie solchen mit Schwerpunkt haushaltsnahe Dienstleistungen. Für diese Bereiche ganz besonders, aber auch für das Handwerk insgesamt wird die Sicherung des Fachkräftebedarfs die Schlüsselfrage. Für zielführende Antworten darauf ist eine konzertierte Aktion von Betrieben, Handwerksorganisationen, Wissenschaft und Politik unabdingbar.