Auch der Meistertitel würde dem Fußball-Papier wohl nicht zum großen Sprung verhelfen Die BVB-Aktie - ein Papier für Fans und Zocker

Borussia Dortmund ist auf der Zielgeraden: Vier Spieltage vor Saisonende ist der Meistertitel in der Fußball-Bundesliga zum Greifen nahe, ein Scheitern scheint ausgeschlossen. Ausgeschlossen scheint aber auch, dass ein Sieg den Aktionären von Deutschlands einzigem börsennotierten Fußballverein endlich das große Geld bringt.

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Die BVB-Aktie - ein Papier für Fans und Zocker

Dortmund (dapd-nrw). Borussia Dortmund ist auf der Zielgeraden: Vier Spieltage vor Saisonende ist der Meistertitel in der Fußball-Bundesliga zum Greifen nahe, ein Scheitern scheint ausgeschlossen. Ausgeschlossen scheint aber auch, dass ein Sieg den Aktionären von Deutschlands einzigem börsennotierten Fußballverein endlich das große Geld bringt. Mit einem rasanten Anstieg des Papiers ist beim Gewinn des Meistertitels jedenfalls nicht zu rechnen - dabei sieht es für die Anteilseigner seit Beginn der aktuellen Saison gar nicht mehr ganz so schlecht aus.

Dass es diesmal gut laufen würde für den BVB, sei schon im Oktober vergangenen Jahres absehbar gewesen, sagt Aktionärsschützer Marco Cabras: "Da war schon klar, wohin es geht." Diese Fantasie, wie der Sprecher der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) die berechtigte Hoffnung auf den Platz an der Tabellenspitze nennt, sei somit schon früh in den Börsenkurs eingeflossen.

Und die Anleger honorieren den Erfolg weiter: Allein die Qualifikation zur Champions League brachte der Aktie Gewinne von zeitweise mehr als fünf Prozent. Am Mittwoch notierte das Papier im frühen Handel bei 3,00 Euro und damit 3,3 Prozent über dem Vortagskurs. Der Börsenwert liegt aktuell bei 184 Millionen Euro, 61,42 Millionen Aktien wurden ausgegeben.

Im Vergleich zu dem massiven Fall des Papiers seit Handelsstart vor mehr als zehn Jahren sind die aktuellen Zuwächse jedoch nur kleine Sprünge: Der Bundesligist war am 31. Oktober 2000 mit viel Tamtam und hohen Erwartungen an die Börse gegangen. Elf Euro kostete das Papier damals, 13,5 Millionen Scheine wurden platziert. Doch schon am ersten Tag gab die BVB-Aktie auf 9,90 Euro nach, und riss in der Folge mehrfach die Marke von unter 1,00 Euro. Somit notiert der Schein mit derzeit 3,00 Euro immer noch weit unterhalb des Ausgabepreises. Eine Dividende sahen die leidgeprüften Anteilseigner noch nie.

Was war schiefgelaufen? Die Erlöse aus dem Börsengang machten den BVB nicht zu einem der wohlhabendsten Sportvereine, im Gegenteil: In der ersten Hälfte der Dekade wurden sie für eine ruinöse Geschäftspolitik verwandt. Vor allem teure Spielertransfers und die hohen Kosten für den Ausbau des Westfalenstadions ließen den Verein in die roten Zahlen rutschen. Die vor fünf Jahren angetretene neue Geschäftsführung unter Hans-Joachim Watzke fuhr daraufhin einen harten Sanierungskurs - eine Dividende rückte dennoch nie in Sichtweite. Ein Anfang sollte im laufenden Geschäftsjahr gemacht werden: "Die ökonomische Ampel steht auf Grün", sagte Watzke bei Vorstellung der Bilanz im vergangenen Jahr.

Dass auch der Aktienkurs weiter nach oben zeigt, hängt aus Sicht von Aktionärsschützer Cabras vom Start der neuen Saison und vielen Fragen ab: "Wen kauft der Verein ein und was bekommt er für seine Spieler raus?" Die Entwicklung werde massiv davon abhängen, was der BVB hier an Rendite rausholen könne.

Wollten die Dortmunder den Anteilseignern dauerhaft Gewinne bescheren, müssten sie dagegen eine neue Strategie fahren und sich unabhängig machen vom sportlichen Erfolg. Zwar stecke das größte Kapital des Vereins in den Beinen und der Geschicklichkeit seiner Spieler, sagt Cabras. Für Aktionäre sei das aber zu riskant. "Geht der Elfmeter in der 90sten Minute daneben, macht die Aktie wupp und der Kurs geht nach unten." Ein börsennotierter Fußballverein sollte sich somit ein weiteres Standbein schaffen, mit dem er konstant hohe Einnahmen erzielt, rät der DSW-Sprecher.

Ansonsten bleibe die BVB-Aktie das, was sie schon seit Handelsstart sei, meint Klaus Nieding vom Deutschen Anlegerschutzbund (DASB). "Ein Papier für zwei Typen von Menschen: Fans und Zocker." Der eine sammle Tassen und Bettwäsche mit BVB-Aufdruck und müsse zusätzlich natürlich auch Aktien seines Lieblingsvereins besitzen. Der andere spekuliere auf den kurzfristigen Gewinn und setze darauf, dass die Saison für den Verein unheimlich gut laufe, erklärt Nieding. "Wer langfristig investieren will, ist im Fußball definitiv falsch."

dapd