Bei Bürsten Ernst aus Regensburg kaufen Kunden, die unbedingt auf Qualität setzen – sie kommen dabei aus ganz Deutschland.
Von Frank Muck

Wer das Geschäft von Waltraud Ernst und ihrer Tochter Caroline Jäger betritt, merkt sofort, dass er sich in einem Hort der Tradition befindet. Der ganz in Holz eingerichtete Laden in der Regensburger Altstadt kommt erst etwas unscheinbar daher in der schmalen Glockengasse. Die Fensterfront vor dem liebevoll eingericheten Schaufenster ist nicht allzu groß und der Schriftzug über der Tür verrät, dass es sich um ein alteingesessenes Geschäft handelt.
Waltraud Ernst weiß, was sie ihren Kunden bieten muss
Wie es der Zufall will: Chefin Waltraud Ernst ist ins Kundengespräch vertieft mit einer älteren Frau, die einen Schrubber kaufen will. Besser könnte es eigentlich nicht passen. Die beiden Frauen fachsimpeln über die gute Ware von Bürsten Ernst. Nichts billiges, was schnell kaputt geht. Nichts von der Industrie. Kunden, die hier einkaufen, wissen die gute Qualität zu schätzen. Für sie ist zwingend, dass auch das Reinigungswerkzeug für daheim guten alten Standards entspricht, mit denen die Industrieware nicht mithalten kann: Staubwedel, die den Staub wirklich aufnehmen oder Schuhbürsten, die das Leder gut behandeln. Waltraud Ernst weiß, was sie ihren Kunden bieten muss.
Sie bittet nach hinten in die Werkstatt, wo sie auf einem Hocker vor einer Werkbank Bündel für Bündel die Pferdehaare durch die im Bürstenholz vorgebohrten Löcher zieht, mit einer Kupferdrahtschlaufe festzurrt, ablängt mit einem Hebelmesser und schließlich ein Deckholz auf die Bürsten- oder Besenrückseite leimt. Tag für Tag macht sie das. Und zur Weihnachts- und damit Geschenkezeit legt sie auch mal am Wochenende eine Sonderschicht ein. Routiniert führt sie vor, wie schnell ein Besen entsteht.

Das Handwerk ist das eine – das Material das andere. Für die von ihrem Mann Johann Ernst angelernte Bürstenmacherin ist genauso wichtig, womit sie ihre Produkte herstellt. Sie setzt, wie sie betont, auf die richtigen Komponenten. Denn ganz entscheidend für die Funktion der Bürsten und Besen ist natürlich das Haar. In die mit kräftigen Borsten ausgestatteten Bürsten kommt Roßhaar, das sie sich beim Pferdeschlachter besorgt. Zur Verwendung kommen auch Schweineborsten, Kokos und Ziegenhaar. Das Holz muss hart sein und ist meist Rotbuche, Eiche für Besen und Handfeger aber auch Rosen- oder Olivenholz für Haarbürsten.
Geschäft ist eine touristische Attraktion in Regensburg
"Die Leute lieben, was Natur ist“, sagt Waltraud Ernst. Immer wieder streicht sie über die Haare und Borsten, um zu zeigen, um dies zu unterstreichen. Mit ihrem Bestseller – einem Staubwedel – fährt sie sich die Wange entlang. Der ist nämlich besonders weich, weil er aus Ziegenhaar ist. "Fühlen Sie mal“, fordert sie. Stück für Stück führt sie so ihre Produkte vor, mit denen die Regale prall gefüllt sind. Nicht alles ist von Ernst selbst gemacht. Viele Dinge wie Hautbürsten, Rasierpinsel, Seifen und Putzmittel werden zugekauft, weil sie gut das Angebot ergänzen. Für jedes Teil hat sie ein paar Sätze übrig, mit denen sie seine Vorzüge preist. Waltraud Ernst spricht gern und oft über ihren Laden, denn als Traditionshandwerkerin ist sie unter den touristischen Attraktionen der Regensburger Altstadt verzeichnet und muss ein Mal pro Woche Besuchergruppen durch ihren Laden führen. Denen zeigt sie dann, wie eine Bürste hergestellt wird. Bei der Volkshochschule ist sie als Dozentin tätig. Immer wieder kommen Zeitungen und Fernsehteams, auch aus Russland, Japan oder China, um über das althergebrachte deutsche Handwerk zu berichten.
Stammkunden kommen von weit her
Alt ist auch der Betrieb selbst. Vor 117 Jahren hat ihn Peter Ernst, der Großvater ihres Mannes, gegründet. Das sei noch zu einer Zeit gewesen, als die Hausierer mit ihrer Kraxn übers Land gezogen sind und die Einnahmen gleich im nächsten Wirtshaus versoffen hätten, flachst sie.
Bürsten Ernst ist aber nicht nur in der Arbeitsweise lange in der Neuzeit angekommen. Da viele Stammkunden von weit her kommen, auch aus Österreich und der Schweiz, bestellen sie ihre Bürsten auch über das Internet. So lässt sich auch das gute Weihnachtszeit noch unterstützen.
35 Euro kostet zum Beispiel ein Zimmerbesen. Der hält dann aber auch ewig, wie Waltraud Ernst betont. Allerdings nur bei entsprechender Pflege, ergänzt sie. Tradition eben, die ihren Wert behält.