Gerade erst kämpften die Buchbinder-Lehrlinge um den ersten Preis beim Jugendleistungswettbewerb in Deutschland, der Schweiz und Österreich. Mit sehr guten Ergebnissen, wie Hans-Dieter Jung, Ausbildungsexperte beim Buchbinderverband (BDBI), sagt. Die Qualität der Arbeiten sei insgesamt angestiegen. Doch trotz guter Auszubildender steckt die Branche in einem Dilemma. Es fehlen Fachkräfte.
Frank Muck
Wie viele Arbeitskräfte gebraucht werden, kann Hans-Dieter Jung auch nicht sagen. Doch der Buchbindermeister aus Köln kümmert sich beim Bundesverband Deutscher Buchbinder (BDBI) um Aus- und Weiterbildung und er weiß von vielen Kollegen, dass die hochqualifizierte Arbeit ausgebildeter Kollegen geschätzt und gesucht wird.
Schaut man sich den Markt an, wäre das eigentlich nicht zu erwarten, denn die Umsätze sind rückläufig. Die Branche hat in den letzten zehn Jahren – verstärkt nochmal seit 2008 – mit gravierenden Umsatzeinbrüchen zu kämpfen gehabt. Weggebrochen sei vor allem die Universitätsbuchbinderei, berichtet Jung. Dezentrale Bibliotheken, die schon selbst nicht mehr jedes Buch führten, seien durch Zentralbibliotheken abgelöst worden. Selbst an solchen Standorten wird viel nur noch digitalisiert angeboten.

Industrie wirbt Fachkräfte ab
An Restaurierungsarbeiten herrsche zwar ein großer Bedarf. Doch die öffentliche Hand hat zumeist kein Geld mehr für die Reparatur alter Buchbestände. Ein Großteil der buchbinderischen Arbeiten konzentriere sich deshalb neben Einbände für Bibliotheksbestände auf die Aufträge von Privatkunden, grafische und Design-Tätigkeiten sowie die ebenfalls zum Angebot des Berufs zählenden Bildrahmungen und die Herstellung von Kassetten, Schatullen, Fotobüchern oder Speisekarten.
Dass dennoch Fachkräfte fehlen, liegt zum einen an den Abwerbungsbemühungen der Industrie, die gut ausgebildete Buchbinder als Teil ihrer Qualitätssicherung in der Produktion ebenfalls zu schätzen weiß. Wegen der oft besseren Bezahlung ist die industrialisierte Herstellung von Büchern ein Betätigungsfeld, das auch die Buchbinder zu schätzen wissen.
Seite 2: Warum viele Bewerber in der Industrie landen.
Internationaler Jugendleistungswettbewerb 2013
| Kategorie | Platz | Name | Betrieb | Land |
|---|---|---|---|---|
| A | 1 | Nina Haider | Studia GmbH, Innsbruck | Österreich |
| A | 2 | Ester Lerche | Schlatter AG, Bern | Schweiz |
| B | 1 | David Krismer | Sterndruck Fügen | Österreich |
| B | 2 | Katrin Panzl | Buchbinderei Birkl, Innsbruck | Österreich |
| C | 1 | Denise Mazzone | Schlatter AG, Bern | Schweiz |
| C | 1 | Frederik Friese | Bundesdruckerei GmbH, Berlin | Deutschland |
| C | 1 | Anna-Carmen Malcherzcyk | Buchbinderei Lehmann e.K. , Stuttgart | Deutschland |
| C | 1 | Anne-Sophie Stümpert | Buchbinderei Haßdenteufel, Mainz | Deutschland |
Hans-Dieter Jung bedauert, dass viele Buchbindermeister keine Lehrlinge mehr nehmen, obwohl die Ausbildung erst vor zwei Jahren einer Neuordnung unterzogen wurde und die Betriebe und ihre Lehrlinge die Ausbildung stärker auf ihre Bedürfnisse abstimmen können (siehe unten). Nach Verbandsschätzungen gibt es in Deutschland noch rund 450 handwerkliche Buchbindereien. Davon sei nur noch rund die Hälfte bereit auszubilden. Im Jahr 2012 gab es insgesamt 65 Ausbildungsverhältnisse.
Nachfrage nach Ausbildungsplätzen ist hoch
Die Nachfrage nach Ausbildungsplätzen ist demgegenüber hoch. Die Industrie, die ihre Lehrlinge zusammen mit dem Handwerk beschult, aber stärker technisch orientierte Inhalte vermittelt, bildet rund 300 Lehrlinge aus.
Ein Problem sind die betrieblichen Strukturen. Viele Inhaber sähen keine Perspektive mehr für ihre oft mit maximal drei Beschäftigten ausgestatteten Betriebe und kümmerten sich weder um Nachwuchs noch Nachfolge. Auf die Verrentung folgt dann meist die Betriebsschließung. Für suchende Fachkräfte wird es damit umso schwieriger bei alt eingesessenen Betrieben anzufangen.
Für die guten Leistungen werben
Den Kampf um die Ausbildung aufgeben will Hans-Dieter Jung dennoch nicht. Jung, der seinen Betrieb vor fünf Jahren an einen selbst ausgebildeten Meister übergeben hat, sucht sein Heil in der Eigenwerbung. Die Branche müsse sich dem Wettbewerb stellen, ihre Kompetenzen herausstellen und in Schulen um den Nachwuchs werben.
Neuordnung der Ausbildung
Aus dem früheren Berufsbild "Buchbinder/-in" wurden im Zuge der Modernisierung zwei Berufe: Der handwerklich orientierte Buchbinder und der Medientechnologe Druckverarbeitung in der industriellen Produktion. Die strukturelle Verwandtschaft der beiden Berufe ermöglicht eine gemeinsame Beschulung in weiten Teilen der Ausbildung.
Um auf die veränderten Bedürfnisse der Buchbindereien zu reagieren, wurden die bisherigen Fachrichtungen durch Wahlqualifikationen ersetzt. Das Berufsprofil des Auszubildenden wird nunmehr von der Kombination der Wahlqualifikationen geformt und ermöglicht den Betrieben eine flexiblere Vermittlung verschiedener Verfahren und typischer buchbinderischer Spezialqualifikationen. Der handwerkliche Buchbinder und die handwerkliche Buchbinderin wählen zwischen den Berufsprofilen Einzel- und Sonderfertigung oder maschinelle Fertigung. Einzel- und Sonderfertigung bezieht sich auf Buchbindereien, die ausschließlich manuell buchbinderische Erzeugnisse herstellen. Maschinelle Fertigung gibt Handwerksunternehmen, die auch mithilfe von Maschinen Kleinserien fertigen die Möglichkeit, weiterhin Buchbinder auszubilden. Um qualifiziertes Fachpersonal, insbesondere im Hinblick auf eine mögliche Unternehmensnachfolge, ausbilden zu können, wurde mit der Novellierung die Möglichkeit geschaffen, kaufmännische Inhalte wie die Kaufmännische Auftragsbearbeitung und das Unternehmerische Handeln in die Ausbildung zu integrieren. Quelle: Bundesinstitut für Berufsbildung