Krisenstimmung Die Branche warnt: "Friseure sterben leise"

Das Friseurhandwerk steht vor großen Herausforderungen. Beim Zukunftskongress diskutierten Friseure und Politiker über Lösungsmöglichkeiten.

Das Friseurhandwerk steht vor großen Herausforderungen durch Corona, steigende Kosten, Schwarzarbeit und Soloselbständigkeit, und fordert von der Politik Entlastungen, eine Senkung der Mehrwertsteuer und keine Einmischung beim Mindestlohn, um langfristig überleben zu können.
Das Friseurhandwerk steht vor großen Herausforderungen durch Corona, steigende Kosten, Schwarzarbeit und Soloselbständigkeit, und fordert von der Politik Entlastungen, eine Senkung der Mehrwertsteuer und keine Einmischung beim Mindestlohn, um langfristig überleben zu können. - © Microgen - stock.adobe.com

Das Friseurhandwerk steckt seit fünf Jahren in der Krise. Zuerst Corona, dann explodierende Kosten und eine zunehmende Wettbewerbsverzerrung durch Soloselbständigkeit und Schwarzarbeit. "Das ist ein leises Sterben in dieser Branche", warnte die Präsidentin des Zentralverbands des Deutschen Friseurhandwerks, Manuela Härtelt-Dören, beim Zukunftskongress in Berlin.

Entlastungen gefordert

Ihr Kollege, Friseurunternehmer Marc Breckwoldt, sprach von einer sehr herausfordernden Situation: "Wir brauchen eine Lösung, damit diese Branche langfristig überleben kann." Von der Politik wünscht sich das Friseurhandwerk neben einer Senkung der Mehrwertsteuer auf 7 Prozent auf ihre Dienstleistung einen schlagkräftigeren Kampf gegen Schwarzarbeit und keine Einmischung beim Mindestlohn.

Heil vermeidet Versprechen bei der Mehrwertsteuer

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) kann nach eigenem Bekunden die Forderung nach einer niedrigeren Mehrwertsteuer verstehen, versprechen will er aber nichts. "Das ist eine Frage von Glaubwürdigkeit", sagte er. Die SPD wolle vielmehr dafür sorgen, "dass Menschen mit einem normalen Einkommen wieder mehr in der Tasche haben". Das stärke die Nachfrage. Jetzt gehe es darum, untere und mittlere Einkommen bei der Lohn- und Einkommensteuer zu entlasten.

Schwarzarbeitsgesetz weiter auf Halde

Wettbewerbsverzerrungen durch Schwarzarbeit und illegale Beschäftigung beklagte der SPD-Politiker ebenfalls: "Wettbewerbsgleichheit heißt auch, dass sich alle an Recht und Gesetz halten, damit die Ehrlichen nicht die Dummen sind", betonte er. Neben Heil bedauerten der Grünen-Vorsitzende Felix Banaszak und das FDP-Urgestein Wolfgang Kubicki, dass die Novelle des Gesetzes zur Bekämpfung von Schwarzarbeit und illegaler Beschäftigung mit entsprechenden Änderungen für das Friseurhandwerk wegen des vorzeitigen Ampel-Endes nicht verabschiedet worden sei.

Verband klagt: Rund jeder fünfte Euro wird schwarz verdient

Der Friseurverband beziffert den Netto-Umsatz mit Schwarzarbeit in der Branche auf rund 1,4 Milliarden Euro im Jahr. Etwa jeder fünfte Euro werde am Finanzamt vorbei erwirtschaftet. Hinzu komme eine wachsende Zahl von Soloselbstständigen, die weniger als 25.000 Euro im Jahr verdienten und damit keine Mehrwertsteuer zahlten. Von insgesamt 80.000 Friseurbetrieben liege ihr Anteil mittlerweile bei rund 30 Prozent. 2019 seien es nur 24 Prozent gewesen. Zu denken gibt der Branche auch die hohe Zahl an arbeitssuchenden oder arbeitslosen Friseuren. Allein im Jahr 2023 seien es durchschnittlich 37.000 gewesen.

Politik sieht Problem der Schwarzarbeit

Mit Blick auf möglichen Sozialversicherungsbetrug unterstrich der CDU-Bundestagsabgeordnete Klaus Peter Willsch, dass die Union das Bürgergeld abschaffen werde. Künftig sollten nur diejenigen unterstützt werden, die tatsächlich nicht arbeiten könnten. Eine Senkung der Mehrwertsteuer auf 7 Prozent wollte aber auch er nicht versprechen.

FDP-Politiker Kubicki plädierte für mehr Schwerpunktkontrollen in Sachen Schwarzarbeit bei Friseuren. BSW-Co-Chefin Amira Mohamed Ali betonte die Notwendigkeit einer besseren Personalausstattung beim Zoll. Der Linken-Politiker Gregor Gysi machte sich für einen verstärkten Kampf gegen Schwarzarbeit stark.

Branche: Mindestlohn treibt Preise nach oben

Mit Sorge blickt die Branche auf die im Wahlkampf vorgebrachten Vorschläge zum gesetzlichen Mindestlohn, den SPD, Grüne, Linke und BSW dieses oder spätestens nächstes Jahr bei 15 Euro sehen wollen. "Zwei Drittel unserer Kosten sind Löhne", gab Friseurunternehmerin Bettina Klier zu bedenken. Ein höherer Mindestlohn müsse auch immer gegenfinanziert werden. Derzeit liegt der Mindestlohn bei 12,82 Euro. Eine Erhöhung auf 15 Euro sei ein "unglaublicher Schluck aus der Pulle", sagte sie. Im Interesse ihrer Beschäftigten wolle auch sie, dass sich die Löhne entwickelten, aber mit "Maß und Mitte". Eine solche Lohnfindung solle man der unabhängigen Mindestlohn-Kommission überlassen.

Friseurhandwerk will Löhne selbst bestimmen

Auch Härtelt-Dören wehrt sich gegen politische Einflussnahme: "Lassen Sie uns doch bitte unsere Löhne selbst bestimmen", sagte sie und warnte eindringlich vor einem gesetzlichen Mindestlohn von 15 Euro. Ein solcher Mindestlohn treibe die Preise nach oben. Beachte man das Lohnabstandsgebot, dann koste eine Arbeitsstunde bald 25 oder 30 Euro. "Dann kann der Haarschnitt nicht mehr 60 Euro kosten. Dann kostet der Haarschnitt 100 oder 120 Euro", betonte sie.