Der klassische Bankkredit gehört zum wichtigsten Finanzierungsbaustein mittelständischer Unternehmen. Aber es lohnt sich auch ein Blick auf alternative Finanzierungsinstrumente. Allerdings eignet sich nicht jedes Modell für jeden Betrieb. Wir stellen Ihnen die vier besten Ausweichmöglichkeiten zum klassischen Bankkredit vor.

Der Bankenverband hat die wichtigsten Finanzierungsmodelle für Betriebe untersucht. Neben dem klassischen Kredit von der Hausbank gehören dazu auch Modelle wie Schuldscheindarlehen, Unternehmensanleihen und Mezzanine.
Die mittelständischen Unternehmen in Deutschland finanzieren sich nach wie vor zum überwiegenden Teil über den klassischen Bankkredit. Mit Hilfe von Krediten decken sie insbesondere laufende Betriebsmittelkosten, finanzieren Investitionen oder Exporte. Zugleich ist die Zurückhaltung mittelständischer Unternehmen gegenüber alternativen Finanzierungen – im Vergleich zur angloamerikanischen Tradition – hoch. Vor allem die Einbeziehung von unternehmensfremdem Eigenkapital durch Kapitalgeber ist bei den häufig familiengeführten Firmen selten, da dies in der Regel mit Mitspracherechten bei geschäftspolitischen Entscheidungen einhergeht.
Hinzu kommt, dass die Vorteile, insbesondere die Konditionen des Bankkredits, nach wie vor so ausgeprägt sind, dass die Ergänzung um Alternativen nur langsam zunimmt.
1. Schuldscheindarlehen
Der Schuldschein ist ein bilateraler Darlehensvertrag zwischen dem Unternehmen und seiner Bank, bei dem die Bank der Ansprechpartner des Firmenkunden bleibt. Zwar handelt es sich beim Schuldscheindarlehen nicht um ein klassisches Wertpapier, das an der Börse gehandelt werden kann. Die Bank kann die Schuldscheine aber an ausgewählte Investoren weiterreichen. Zu dieser Gruppe gehören insbesondere andere Banken, Versicherungen und Pensionsfonds, die auf Basis einer sogenannten Buy-and-hold-Strategie für die vorgesehene Laufzeit in diese langfristigen Schuldscheine investieren.
Schuldscheindarlehen bieten eine klassische Möglichkeit zur langfristigen Fremdkapitalfinanzierung und haben meistens eine Laufzeit zwischen drei und sieben Jahren. Zugleich erschließen sich die Unternehmen auf diesem Weg neue Gläubigerkreise. Aufgrund der Fixkosten waren früher nur größere Volumina üblich, daher war diese Finanzierungsoption vor allem für größere Unternehmen interessant. Mittlerweile werden auch Schuldscheine mit Volumina ab 10 Mio. Euro und weniger angeboten. Formell gibt es keine Untergrenze. Schuldscheine brauchen in der Regel nicht mit Sicherheiten unterlegt zu werden, erfordern aber eine gute Bonität des Darlehensnehmers. Üblicherweise sind Schuldscheindarlehen nicht an einen speziellen Verwendungszweck gebunden und ermöglichen somit einen entsprechenden unternehmerischen Freiraum. Die Tilgung erfolgt erst am Ende der Laufzeit – dies verlangt aber vom Unternehmen eine entsprechende Planung hinsichtlich der Rückzahlung (en bloc) bzw. der Anschlussfinanzierung.
Die Hürden zur Aufnahme eines Schuldscheindarlehens sind deutlich geringer als bei der Emission einer Anleihe. Zwar erwarten auch die Schuldschein-Investoren ein Mindestmaß an Transparenz, es muss aber kein Prospekt erstellt und kein externes Rating eingeholt werden; die Dokumentation ist in der Regel kurz und knapp. Insgesamt sind die Fixkosten deutlich geringer als bei einer Anleihe, der Zinssatz liegt allerdings, da keine Sicherheiten gestellt werden, in der Regel höher als beim Kredit und – wegen der eingeschränkten Handelbarkeit – auch höher als bei einer vergleichbaren Anleihe. Die Gesamtkosten sind auch hier abhängig von der Bonität des Unternehmens.
Tipp 1: Das Schuldscheindarlehen bietet Ihrem Unternehmen während der Laufzeit von mehreren Jahren weitgehende Flexibilität zu einem festen Zinssatz.
Tipp 2: Mit einem Schuldscheindarlehen wendet sich Ihr Unternehmen an Investoren auf dem Kapitalmarkt, ohne dass es dabei an die Öffentlichkeit gehen muss.
2. Unternehmensanleihen
Die klassische Form der langfristigen Fremdfinanzierung über den Kapitalmarkt zu einem festen Zinssatz ist die Unternehmensanleihe. Dabei handelt es sich um ein an der Börse handelbares Wertpapier. Die Tilgung erfolgt in der Regel erst am Ende der Laufzeit. Das Unternehmen sichert sich so eine stabile Finanzierung für eine feste Laufzeit zu festen Zinsen. Mit der Begebung einer Anleihe erhält ein Unternehmen Zugang zum organisierten Kapitalmarkt oder zum sogenannten Freiverkehr und steht daher in der Folge unter öffentlicher Beobachtung. Anleihen werden in der Regel nicht mit Sicherheiten unterlegt. Entsprechend hoch sind die Transparenz- Erwartungen der Investoren an das Unternehmen. Die Emission einer Anleihe erfordert eine intensive Vorbereitung – zumal wenn sie zum ersten Mal erfolgt – und einen hohen Aufwand an Zeit und Kosten, um den Anforderungen zu entsprechen. Dazu gehören insbesondere die Erstellung eines Wertpapierprospekts, begleitende Kommunikationsmaßnahmen, regelmäßiges Reporting, in der Regel ein externes Rating und Honorare für die Emissionsbegleiter. Aufgrund der hohen Fixkosten waren Anleihen bislang nur für größere Volumina verbreitet.
Aufgrund der hohen Fixkosten beeinflusst die Höhe des Anleihevolumens wesentlich, ob sich eine Emission aus Sicht des Unternehmens rentiert. Das Volumen der Anleihe sollte also nicht zu klein sein. Zugleich sollte es – mit Blick auf das einzelne Unternehmen – eine gewisse Größe nicht überschreiten, um in einem angemessenen Verhältnis zum sonstigen Fremdkapital und zum Eigenkapital zu stehen. Die Höhe des Zinses, des sogenannten „Kupons“, richtet sich – neben der Bonität des Unternehmens - nach dem jeweiligen Marktzins. Insofern kommt es darauf an, günstige Entwicklungen am Kapitalmarkt sinnvoll zu nutzen – zugleich ist der Emittent von diesen Entwicklungen abhängig und eine Emission nicht jederzeit möglich.
Professionelle Organisationsstruktur bei Anleihen unverzichtbar
Voraussetzung für den ersten Schritt mittelständischer Unternehmen auf dem Kapitalmarkt sind der Aufbau eines angemessenen Corporate-Governance-Rahmens und ein Mindestmaß an Kapitalmarktreife, die dann im weiteren Verlauf optimiert werden kann. Hierzu gehören mehrere Jahre Erfahrung als Unternehmen und eine professionelle Organisationsstruktur, insbesondere in den Bereichen Finanzen und Marketing. Bei einer sinnvollen Nutzung dieses Instruments auf der Grundlage hoher Qualitätsansprüche könnten einzelne Unternehmen – und bei Erfolg der gehobene Mittelstand insgesamt – von einer weiteren Finanzierungsquelle profitieren.
Tipp 1: Mit einer Anleihe erhält Ihr Unternehmen Zugang zu Fremdkapital für eine feste Laufzeit von mehreren Jahren und zu einem festen Zinssatz, ohne Sicherheiten hinterlegen zu müssen. Der Zinssatz liegt daher höher als beim Kredit.
Tipp 2: Mit der Begebung einer Anleihe an der Börse geht Ihr Unternehmen an die Öffentlichkeit. Investoren und Gesetzgeber fordern für die gesamte Laufzeit ein hohes Maß an Transparenz (Wertpapierprospekt, Roadshows, Marketing) und regelmäßige Berichterstattung („Reporting“).
Tipp 3: Eine Anleihe muss am Ende der Laufzeit in voller Höhe getilgt werden. Dies erfordert eine entsprechende Anschlussfinanzierung (z. B. Neubegebung der Anleihe), vorausschauende Planung und eine stabile Entwicklung des Unternehmens während der Laufzeit.
3. Mezzanine - Hybrid Kapital
Eine weitere alternative Finanzierungsmöglichkeit für Unternehmen ist die Aufnahme von Mezzanine-Kapital (auch: Hybrid-Kapital). Hierbei handelt es sich – bei entsprechender Ausgestaltung – um nachrangiges Kapital, das bilanziell als Eigenkapital anerkannt wird, ohne dass den Kapitalgebern Mitspracherechte eingeräumt werden müssen. Mezzanine-Kapital ist eine spezifische Mischform aus Fremd- und Eigenkapital, die im Idealfall – aus Sicht des Unternehmers – die Vorteile beider Kapitalformen vereint: Mezzanine-Kapital muss nicht besichert werden und wird in der Regel zu einem festen Zins für eine feste Laufzeit von mehreren Jahren aufgenommen. Da es steuerrechtlich als Fremdkapital gilt, hat es zugleich den Vorteil, dass die Zinszahlungen steuerlich abzugsfähig sind. Sofern es von Banken im Rating-Prozess als Eigenkapital anerkannt wird, kann das Unternehmen mit der Aufnahme von Mezzanine seine Eigenkapitalquote erhöhen und dadurch auch seine Bonität – gegebenenfalls deutlich – verbessern. Das günstigere Rating wird sich wiederum positiv auf die Konditionen einer weiteren Fremdkapitalaufnahme auswirken.
Auch Mezzanine verlangt aufgrund seiner Endfälligkeit, dass das Unternehmen Vorsorge für die Tilgung bzw. die Anschlussfinanzierung trifft. Eine Ablösung durch Fremdkapital würde dabei allerdings wieder zu einer Rating-Verschlechterung führen. Voraussetzung dafür, dass die Aufnahme von Mezzanine für das Unternehmen langfristig sinnvoll ist, sind sowohl ein stabiler Cashflow, um die Zinszahlungen zu garantieren, als auch eine sehr gute Wachstumsprognose. Das Kapital sollte für Wachstum eingesetzt werden, und das Unternehmen sollte während der Laufzeit einen weiteren (echten) Eigenkapitalaufbau erreichen. Sogenanntes individuelles Mezzanine-Kapital kann sehr flexibel gestaltet und an den Bedürfnissen des Unternehmens ausgerichtet werden. Dabei werden auch Volumina unter einer Million Euro angeboten. Die Vorbereitungskosten sind allerdings verhältnismäßig hoch, und die Zinsen liegen in der Regel im zweistelligen Bereich .
Tipp: Mezzanine wird an den individuellen Bedürfnissen (Volumen, Laufzeit) Ihres Unternehmens ausgerichtet und muss in der Regel nicht mit Sicherheiten unterlegt werden. Dafür sind die Zinsen vergleichsweise hoch.
Seite 4: Beteiligungskapital - Private Equity
4. Beteiligungskapital – Private Equity
Private Equity im weiteren Sinne bezeichnet alle Formen von Eigenkapital, die dem Unternehmen auf dem Weg der Außenfinanzierung zur Verfügung gestellt werden. Im Unterschied zum Public Equity ist es nicht öffentlich, das heißt, es wird nicht an der Börse gehandelt. Bei Private Equity handelt es sich um haftendes, wirtschaftliches Eigenkapital, das vom Unternehmen nicht mit Sicherheiten unterlegt werden muss und bei dem der Kapitalgeber das unternehmerische Risiko mitträgt. In der Regel wird es langfristig, aber für einen befristeten Zeitraum von mehreren Jahren aufgenommen.
Die Beteiligungsfinanzierungen unterscheiden sich in zentralen Aspekten stark voneinander und richten sich je nach Form an sehr verschiedene Unternehmensarten. Bei den "typisch stillen Beteiligungen", wie sie etwa von Mittelständischen Beteiligungsgesellschaften in relativ kleinen Volumina angeboten werden, stellt der Kapitalgeber für eine bestimmte Laufzeit einen festen Kapitalbetrag (sogenanntes wirtschaftliches Eigenkapital) zur Verfügung. Das Unternehmen zahlt hierfür regelmäßig Zinsen. Das Ziel ist, das Beteiligungskapital auf Zeit zu gewähren, bis das Unternehmen aus der eigenen Geschäftstätigkeit heraus eine gesunde Eigenkapitaldecke bilden kann und auf die Beteiligung nicht mehr angewiesen ist.
Die unternehmerische Unabhängigkeit bleibt in diesen Fällen voll erhalten, die Rückzahlung der Einlage erfolgt in der Regel zum Nominalwert. Im Unterschied dazu erwirbt der Kapitalgeber bei den "offenen Beteiligungen" einen Anteil am Nominalkapital des Unternehmens. Dabei kann es sich um Mehrheits- oder um Minderheitsbeteiligungen handeln. In beiden Fällen erhält der Investor Kontroll- und Mitspracherechte im Unternehmen. Dies ist häufig ein Grund, warum mittelständische Unternehmen Eigenkapital-Finanzierungen ablehnen. Allerdings können viele Unternehmen auch von der fachlichen Betreuung und Beratung durch den externen Investor profitieren. Hierzu gehört neben der unternehmerischen Expertise auch der Zugang zu wichtigen Kontakten.
Ziel von Privat Equity: Weiterverkauf
Ziel der privaten Kapitalgeber ist es, ihre Beteiligung nach deutlicher Wertsteigerung wieder zu veräußern, sei es an den Unternehmer oder an andere Investoren. Denkbar ist auch, dass diese Investition bereits mit dem Ziel erfolgt, das Unternehmen auf einen Börsengang vorzubereiten. In diesem Fall können die Anteile schließlich auch an der Börse veräußert werden. Inwiefern die Aufnahme von privatem Eigenkapital sinnvoll ist, hängt stark von der Ausrichtung und den Interessen der einzelnen Unternehmen ab.
Grundsätzlich hat Private Equity den Vorteil, dass es die bilanzielle Eigenkapitalquote des Unternehmens erhöht , Risiken trägt, die durch eine Bank nicht finanziert werden können, und in der Folge die Fremdfinanzierung erleichtert. Im Unterschied zu den ersten drei beschriebenen alternativen Finanzierungsformen (Schuldscheindarlehen , Anleihe , Mezzanine) ist Venture Capital gerade auch für solche Unternehmen interessant, die sich in der sogenannten Frühphase befinden und gegebenenfalls noch keinen Bankkredit erhalten. Die Vergabe eines Bankkredits setzt in der Regel eine gewisse Absicherung für die Bank voraus (insbesondere sichtbarer Umsatz und Cashflow des Unternehmens, Sicherheiten), während sehr junge, riskante Unternehmen gerade darüber nicht verfügen und daher auf Wagniskapital angewiesen sind.
Tipp: Die Aufnahme externer Eigenkapitalgeber verlangt in der Regel, dass diese Mitspracherechte erhalten. Dabei kann Ihr Unternehmen aber auch von dem Know-how dieser neuen Kapitalgeber profitieren. sg/bankenverband