Tag der Menschen mit Behinderung Die Barrieren-Beseitiger

Auch als Rollstuhlfahrer ein Auto fahren zu können, ist eine wahnsinnige Erleichterung. Kfz-Mechaniker Roland Arnold macht das zum Beispiel mit seinen behindertengerechte Fahrzeugen möglich. Er ist einer von vielen Handwerkern, die mit ihrem Erfindergeist Betroffene unterstützen, ein barrierefreies Wohn- und Arbeitsumfeld zu gestalten.

Die Paravan GmbH stellt behindertengerechte Fahrzeuge, digitale Lenkhilfen und Elektrorollstühle her. - © PARAVAN GmbH

Mobilität heißt Freiheit – und die endet bei Menschen mit körperlicher Behinderung oft schon am Treppenabsatz. Barrieren wie diese erschweren es Menschen weltweit, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen.

Darauf machen die Vereinten Nationen jedes Jahr am 3. Dezember, dem Internationalen Tag der Menschen mit Behinderung, aufmerksam. Das deutsche Handwerk hilft zahlreichen Betroffenen bei der Gestaltung eines barrierefreien Wohn- und Arbeitsumfeldes.

In Deutschland leben rund zehn Millionen Menschen mit Behinderung. 95 Prozent der Einschränkungen entstehen im Laufe des Lebens hinzu, nur fünf Prozent der Behinderungen sind angeboren. Maßgefertigte Möbel, Mobilitäthilfen oder Fahrzeuge unterstützen die betroffenen Personen dabei, aktiv am Leben teilzunehmen und weiterhin mobil zu sein.

Digitale Lenkhilfen und Elektrorollstühle

Tischler schaffen barrierefreie Wohnräume, und Kfz-Mechaniker, Feinmechaniker oder Karosserieschlosser entwickeln angepasste Fortbewegungsmittel.

Seit mehr als 15 Jahren widmet sich zum Beispiel der gelernte Kfz-Mechaniker Roland Arnold dem Ziel, Menschen mit körperlicher Behinderung die mobile Eigenständigkeit zurückzugeben. 2005 gründete er die Firma Paravan, die mittlerweile in über 60 Länder behindertengerechte Fahrzeuge, digitale Lenkhilfen und Elektrorollstühle exportiert.

131 Mitarbeiter beschäftigt der schwäbische Betrieb heute, darunter Kfz-Mechatroniker, Metallbauer, Feinwerkmechaniker, Karosserie- und Fahrzeugbaumechaniker, Maler, Lackierer und Elektroniker.

 Auf dem Firmengelände in Pfronstetten-Aichelau fertigen sie Hightech-Fahrzeuge für Menschen, die trotz körperlicher Behinderung und Krankheit selbstbestimmt unterwegs sein wollen. "Nicht der Kunde muss sich dem Fahrzeug anpassen, sondern wir passen das Fahrzeug hautnah der Behinderung des Kunden an", erklärt Firmensprecher Oliver Raach. Unternehmerisches Engagement, das sich auszahlt: Bereits 2005 verlieh Bundeskanzlerin Angela Merkel dem international erfolgreichen Unternehmen den "Deutschen Handwerkspreis".

Doch man muss kein Global Player sein, um als Handwerker körperlich beeinträchtigten Menschen Selbständigkeit zu ermöglichen. Das beweist  der Tischlereibetrieb von Hans Burwieck in Hamburg-Kirchwerder.

Beraten und Bauen aus einer Hand

In den vergangenen Jahren haben sich der Tischlermeister und seine vier Gesellen neben der Fertigung von Türen, Fenstern, Treppen und Wintergärten ein neues Arbeitsfeld erschlossen. Barrierefreies Bauen und Wohnen ist ein Thema, das für eine älter werdende Bevölkerung immer wichtiger wird.

Damit körperlich beeinträchtigte Menschen sich in ihrer Wohnung so frei und selbstständig wie möglich bewegen können, bietet die Tischlerei individuelle Raumlösungen an: Behindertengerecht umgebaute Bäder, höhenverstellbare Küchenschränke oder ferngesteuerte Fenster.

Für diese Leistungen wurde die Tischlerei bereits von der Handwerkskammer Hamburg für barrierefreies Planen und Bauen zertifiziert. Den Kontakt zu den Krankenkassen hält Sohn Sönke, Tischlergeselle und Gesundheitsexperte des Familienbetriebes.

"Bau und Beratung – zum Thema barrierefreies Wohnen bieten wir unseren Kunden alles aus einer Hand", erklärt Hans Burwieck. Und dieser Bereich wird immer wichtiger. Bereits jetzt machen die Hamburger Tischler 30 Prozent ihres Umsatzes mit behindertengerechten Wohnkonzepten, Tendenz steigend. dhz