Friseurhandwerk Die Ausbildung ist mehr als Ponyschneiden und Dauerwelle

Benny Jahns trägt seine Leidenschaft fürs Friseurhandwerk buchstäblich auf der Haut – als Tattoo auf seinem Unterarm. So modern und individuell sein Salon 'Bennys Haircut' auch ist, die Grundlage dafür schuf eine klassische Ausbildung.

Benny Jahns in seinem Friseursalon
"Booder aus Leidenschaft" - dass Benny Jahns mit großer Leidenschaft Friseur ist, das steht nicht nur auf seinen Arm tätowiert, sondern merkt man auch deutlich in seinem Geschäft in Lauf an der Pegnitz. - © Handwerkskammer für Mittelfranken

Eine Männerhöhle. Das ist wohl das Erste, was einem in den Sinn kommt, wenn man "Bennys Haircut" betritt. Zwischen den Spiegeln hängen hölzerne Regale an der Wand, in denen sich Pomadendosen und Tabakpfeifen aneinanderreihen, die Wände sind geschmückt mit Metallschildern im Old-School-Look, im Eck ein Regal, auf dem etliche kleine Wrestling-Figuren in Kampfstellung stehen. "Das ist mein Wohnzimmer, hier steht alles, was meine Frau zu Hause nicht haben möchte", schmunzelt Benny Jahns.

Seit 2004 ist er Friseurmeister, die Prüfung schließt er damals mit Staatspreis als einer der besten zehn Prozent in Bayern ab, 2022 wird er Obermeister der Friseurinnung Nürnberger Land. Heute steht er inmitten seines Ladens in Lauf an der Pegnitz, den er seit 2011 führt, die Haarschneidemaschine in der einen, einen Kamm in der anderen Hand. Mit dem Fuß pumpt er den Stuhl so hoch, wie er es für den perfekten Haarschnitt braucht. Und dann legt er los.

Solider Grundstein

So modern und eigenwillig "Bennys Haircut" auch ist – die Basis für all das legt die klassische Friseurausbildung. Obwohl der Quereinstieg beispielsweise in Barbershops heutzutage auf den ersten Blick attraktiv wirkt, gehört das Friseurhandwerk nach wie vor zu den Top 10 der handwerklichen Ausbildungsberufe.

Friseure lernen im dualen System, heißt, sie wechseln zwischen Schule und Betrieb. Für Benny Jahns ein bedeutender Punkt: "In der Schule und in der überbetrieblichen Lehrlingsunterweisung lernt man anders als im Betrieb. Klar, in der Schule ist vieles theoretisch, aber auch wichtig für die Praxis – wie man beispielsweise auf Kundenfragen eingeht, lernt man in der Schule." Aktuell werden Stimmen laut, die fordern, die Ausbildungsinhalte sollen modernisiert werden: Herrenschnitte sollten stärker behandelt werden als bisher.

Jahns sieht das nicht so: "Die Ausbildung vermittelt das Grundsätzliche, was man wissen muss, um als Friseur zu arbeiten. Ich finde nicht, dass sich das groß verändern muss. Wer sich danach dann auf Herrenschnitte und Bartschnitte spezialisieren will, kann das ja mit Weiter- und Fortbildungen tun."

Hölzerne Regale mit Pomadendosen und Wrestling-Figuren
Alles, was Benny Jahns gut gefällt, seiner Frau aber nicht, kommt in seinen Friseurbetrieb. So wurde der Salon zu einer richtigen Männerhöhle. - © Handwerkskammer für Mittelfranken

Vertrauenssache

Benny Jahns ist nach eigener Aussage nicht unbedingt auf Herrenschnitte spezialisiert – sondern auf Kurzhaarschnitte, welches Geschlecht auch immer da dann vor ihm auf dem Stuhl sitzt. Heute ist es Alexander Bräunlein, Stammkunde, der "Bennys Haircut" alle vier Wochen einen Besuch abstattet. Jahns Arbeit an Bräunleins Haar ist routiniert: Er wechselt gekonnt zwischen Maschine und Schere, nutzt unterschiedliche Kämme, rasiert sauber Nacken und Stirn aus. Nebenbei wird über Privates gesprochen.

Kunde und Friseurmeister sind sich einig: "Friseur ist Vertrauenssache", so Alexander Bräunlein. "Das Persönliche ist mir sehr wichtig. Deshalb komme ich auch hier her." Jahns stimmt zu. Für ihn hebt sich sein Laden durch die Persönlichkeit und Beständigkeit ab. "Meine Kunden legen Wert auf Verlässlichkeit und auf eine umfassende Beratung. Das ist zum Beispiel in Barbershops gar nicht unbedingt gewollt." Und nur, wer sich in seinem Fach auch wirklich auskennt, kann eine solche Beratung leisten.

Übers Haareschneiden hinaus

Die Friseurausbildung ist mehr als Ponyschneiden und Dauerwelle. Die Auszubildenden lernen Techniken, die über die aktuellen Frisurentrends hinausgehen und sie für jedwede Entwicklung in Zukunft wappnen. Dazu gibt es Einblicke in Dermatologie und Chemie, um zu verstehen, wie das Haar beispielsweise Farbe annimmt oder eben nicht und wie man mit der Kopfhaut des Kunden umgehen muss. Dinge, die man beim Quereinstieg nicht unbedingt mitbekommt. "Dann muss man Fehler eben verantworten können, wenn man es nicht besser weiß", so Jahns.

Für ihn hat die Friseurausbildung mit all ihren Inhalten noch weitere Vorteile: Üblicherweise dauert sie drei Jahre, lässt sich aber unter gewissen Umständen verkürzen. Außerdem lernt man einen krisensicheren Beruf, der zu jeder Zeit und an jedem Ort gebraucht wird.

Und nach der Ausbildung winken zahlreiche Möglichkeiten, weiterzumachen. Ob mit einem eigenen Geschäft mitten im Friseurberuf, als Lehrkraft an der Berufsschule oder als Produktentwickler in der Industrie – die Abzweigungen, die ausgelernte Friseure gehen können, sind vielseitig.

Eigene Wege gehen

Haarwasser mit Öl ins Haar, dann setzt Benny Jahns mit Rundbürste und Föhn an Alexander Bräunleins Kopf an. Die Frisur wird in Form gebracht, bevor Jahns noch einmal überprüft, dass kein einziges Haar mehr aus der Reihe tanzt. Pomade für Glanz und Halt – fertig. "Sieht gleich viel sauberer aus", nickt Bräunlein zufrieden. Gezahlt wird an einer alten Vespa, die zur Kasse umgebaut wurde. Männerhöhle eben.

"Bennys Haircut" ist der Beweis, dass das klassische Friseurhandwerk unkonventionell sein kann und dass jeder Auszubildende selbst entscheiden kann, in welchem Umfeld er später arbeiten möchte. Wenn Benny Jahns dem potenziellen Nachwuchs einen Tipp geben könnte: "Macht Praktika. Am besten nicht nur eins, sondern schaut euch unterschiedliche Läden mit verschiedenen Schwerpunkten an." Denn nur, wer mal reinschnuppert, kann entscheiden, in welche Richtung es gehen soll. Und erlebt in der Praxis, wie entscheidend es ist, sich als Friseur richtig auszubilden zu lassen.