Rechte und Pflichten im Ausbildungsverhältnis Die AGB der Handwerksausbildung

Für Jugendliche, die eine Ausbildung beginnen, ist der Start ins Berufsleben eine Herausforderung. Ist der Ausbildungsvertrag abgeschlossen, sind damit auch Rechte und Pflichten verbunden.

Daniela Lorenz

Azubis müssen ein Berichtsheft führen und darin notieren, welche Aufgaben sie im Betrieb und in der Schulen zu erledigen haben. Der Ausbilder sollte dieses regelmäßig kontrollieren. - © Foto: auremar/Fotolia

Und über diese Rechte und Pflichten sollte jeder Ausbildende seinen Azubi aufklären. "Ausbildungsbetriebe sollten ihren Auszubildenden von Anfang an ganz klar sagen, was sie von ihnen erwarten", rät Michael Scheiffele, Ausbildungsberater der Handwerkskammer Ulm. Für die Qualität der Ausbildung sei es unerlässlich, dass der Auszubildende weiß, was seine Rechte und Pflichten sind. "Das, was dem Ausbildenden am allerwichtigsten ist, muss er am Anfang sagen, und zwar ganz konkret."

Fahrplan für die Ausbildung

Am besten sei ein betrieblicher Fahrplan für die Ausbildung, an den sich beide Seiten halten und an dem sich beide Seiten orientieren können. "Das sind quasi die AGB der Ausbildung. Je ehrlicher man hier ist, desto besser", sagt Scheiffele. Grundlagen für die Rechte und Pflichten im Ausbildungsverhältnis sind das Berufsbildungsgesetz , das Arbeitsrecht und der Berufsausbildungsvertrag .

Der Lehrling muss wissen, dass ihm in der Probezeit ohne Angabe von Gründen gekündigt werden kann. Das kann schnell passieren, wenn er in der Probezeit zwei- oder dreimal seine Pflichten verletzt oder vernachlässigt. So muss er beispielsweise seinem Ausbildungsbetrieb unverzüglich melden, wenn er wegen Krankheit nicht zur Arbeit kommen kann ( Benachrichtigungspflicht).

Der gute Ausbildungsstart

"Die Auszubildenden müssen ihre Pflichten einhalten, das reicht von der Lernpflicht bis hin zur Geheimhaltungsvereinbarung", sagt Scheiffele, "es darf zum Beispiel nicht sein, dass ein Auszubildender über Betriebsinterna spricht oder davon erzählt, wie es beim Kunden XY zu Hause im Schlafzimmer aussieht."

Weitere Pflichten sind etwa die Teilnahme am Berufsschulunterricht, die Weisungsgebundenheit und die sorgfältige Ausführung von Aufgaben. Für einen guten Start ins Berufsleben rät der Experte Ausbildungsbetrieben und Auszubildenden, die Beratungsangebote der Handwerkskammern zu nutzen

Seite 2: Wesentliche Pflichten des ausbildenden Betriebs
Seite 3: Wesentliche Pflichten des Auszubildenden

Welche Pflichten hat der auszubildende Betrieb?

  • Vermittlung der für das Ausbildungsziel erforderlichen Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten (berufliche Handlungsfähigkeit)
  • Einhalten der geltenden Angaben zur sachlichen und zeitlichen Gliederung des Ausbildungsablaufs, planmäßige Ausbildung
  • Durchführung der Ausbildung, Beauftragung eines Ausbilders
  • Kostenlose Aushändigung der Ausbildungsordnung an den Lehrling
  • Kostenlos Ausbildungsmittel für die Berufsausbildung zur Verfügung stellen
  • Charakterliche Förderung des Lehrlings, Verhinderung sittlicher und körperlicher Gefährdung
  • Nur Übertragung von Aufgaben, die dem Ausbildungszweck dienen
  • Kostenfreie Aushändigung der Ausbildungsnachweise
  • Anhalten zum Besuch der Berufsschule und Freistellung zu deren Besuch
  • Bescheinigungen über ärztliche Pflichtuntersuchungen nach dem Jugendarbeitsschutzgesetz vorlegen lassen
  • Bereitstellung der Berufskleidung, sofern vom Ausbildenden vorgeschrieben
  • Freistellung für angeordnete Ausbildungsmaßnahmen außerhalb der Ausbildungsstätte und Kostenübernahme
  • Zahlung einer angemessenen Vergütung

Seite 1: Grundsätzliches zu Pflichten von Azubis
Seite 3: Wesentliche Pflichten des Auszubildenden

Wesentliche Pflichten des Auszubildenden

  • Pflicht zum Erwerb der beruflichen Handlungsfähigkeit, um das Ausbildungsziel zu erreichen
  • Pflicht zur sorgfältigen Ausführung der aufgetragenen Aufgaben im Rahmen der Berufsausbildung
  • Teilnahmepflicht am Berufsschulunterricht, an Prüfungen sowie an angeordneten Ausbildungsmaßnahmen außerhalb der Ausbildungsstätte, für die er freigestellt ist
  • Beachtung der Betriebsordnung in der Ausbildungsstätte
  • Pflegliche Behandlung der Werkzeuge, Maschinen und anderer Einrichtungen
  • Befolgung der Anweisungen des Ausbildenden, des Ausbilders oder anderer weisungsbefugter Personen
  • Stillschweigen über Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse wahren
  • Führung des Berichtshefts beziehungsweise der Ausbildungsnachweise
  • Benachrichtigungspflicht bei Fernbleiben von der betrieblichen Ausbildung, vom Berufsschulunterricht etc. unter Angabe von Gründen
  • Teilnahme an den ärztlichen Pflichtuntersuchungen nach dem Jugendarbeitsschutzgesetz
Quelle: Die Handwerker-Fibel, Band 4, ISBN 978-3-7783-0856-1, holzmann-medienshop.de .

Seite 1: Grundsätzliches zu Pflichten von Azubis
Seite
2: Wesentliche Pflichten des ausbildenden Betriebs