Die Gefahr extremer Wetterlagen steigt und damit drohen neue Hochwasser. Hochwasser-Experte Ralf Sengstaken gibt wichtige Tipps, wie Sie sich bei Gefahr schützen können.
Michael Sudahl

Die Fluten überschwemmten halb Deutschland. Doch es gibt Wege, sich vor Hochwasser zu schützen. Ralf Sengstaken, Geschäftsführer eines Unternehmens für Säcke und Folien aus Bremerhaven, gibt sieben Tipps, wie sich Betriebe vor den Fluten und den Folgeschäden schützen können.
Bevor das Hochwasser droht
Dokumentsicherung: Alle wichtigen Dokumente, elektrischen Geräte, EDV, Maschinen oder Möbel in obere Etagen bringen oder in trockene Gebiete auslagern.
Energiesicherung: Strom abschalten und Gas-, Wasser- sowie Öl-Leitungen abklemmen. Notstrom-Aggregat mit Pumpe vorhalten, um eingetretenes Wasser wieder aus dem Haus herauszupumpen.

Tanksicherung: Öltanks gegen Aufschwemmen sichern: In Wand oder Boden verankern oder mit Zurrgurten befestigen, Fachmann fragen. Mit Wasser zu füllen ist auch möglich, danach aber entsprechend den Inhalt fachgerecht entsorgen. Gasthermen oder Brenner vom Fachmann abbauen lassen und auslagern.
Wenn die Flut kommt
Haus abdichten: Fenster und Türen verschließen. Dabei helfen Schalbretter, Sand – fein bis zu einer Körnung von acht Millimeter – Schaufeln, PU-Schaum oder Silikon und ausreichend Sandsäcke. Diese sollten aus Polypropylen und UV-stabil sein, versehen mit Kopfsaum und Bindeband. Die Sandsäcke sollten bis maximal zwei Drittel mit Sand gefüllt werden (20 kg). Pro Quadratmeter werden rund acht bis zehn Säcke benötigt. Ein Band für den Hausgebrauch ist nicht zwingend erforderlich, da der obere Saum (letztes Drittel) umgeschlagen werden kann.
Eingänge und Fenster abdichten beziehungsweise verstärken. Eventuell Schienensysteme zum Einstecken von Schalbrettern ans Mauerwerk anbringen oder integrieren. Schalbretter vor Fenstern und Türen anbringen, eventuell mit PU-Schaum oder Silikon abdichten. Sandsäcke befüllen und vor Türen und Kellerfenstern aufstapeln. Tipp: Möglichst zwei bis drei Lagen nebeneinander und maximal sieben bis zehn Lagen übereinander. Sack mit umgeschlagener Kante immer zur Wasserseite verbauen.
Informiert bleiben: Hochwasserpegelstände im Internet (www.hochwasserzentralen.de) oder im Radio verfolgen. Beim Verlassen des Hauses Smartphone mit Ladekabel nicht vergessen, um aktuell informiert zu sein.
Nach unten schützen: Für Hochwasser aus dem Kanal ist es wichtig, an ein Absperrventil im Abflussrohr zu denken oder nachrüsten zu lassen. Für Kanaldeckel sind mit Sand oder Wasser gefüllte Big Bags (1 Kubikmeter = ca. 1.000 bis 1.500 Kilogramm) sinnvoll. Diese können darauf abgestellt und somit kann ein Austritt von Grund- oder Flutwasser aus dem Kanalsystem vermieden werden. Achtung: Der Transport der Big Bags erfolgt mit Staplern, Baggern oder Radladern.
Vorbeugung am Bau
Diplom-Ingenieur Hubertus Kühn, Sachverständiger im Holz- und Bautenschutzgewerbe aus Dresden, empfiehlt im Interview mit der Handwerkskammer Dresden auch bauliche Maßnahmen zur Vorbeugung.- keine organischen Baustoffe im Keller und gefährdeten Erdgeschossen,
- für Fußböden: Verbund-Zement-Estrich oder Fliesen,
- Putz: Kalk-Zement-Putz, kein Gips-Putz,
- Dämmung: keine Mineralwolle, besser Foamglas in Bitumen verklebt,
- Elektroverteileranlagen: Verlegung aus dem Keller nach oben.