Brauerei in Hof Die 13. Generation: Wenn die Mutter an die Töchter übergibt

Gisela Meinel-Hansen (sen.) war die erste Frau an der Spitze der Meinel-Brauerei. Heute führen ihre beiden Töchter Gisela und Monika den Betrieb. Die beiden Braumeisterinnen wollen die Tradition bewahren und mit modernen Inhalten bereichern. Diesen Biertrends wollen sie folgen.

Senior-Chefin Gisela Meinel-Hansen weiß ihre Familienbrauerei bei ihren beiden Töchtern Monika (links) und Gisela in guten Händen. - © Meinel-Bräu

Die Meinel-Bräu existiert bereits seit 1731. Heute ist sie die letzte verbliebene Familienbrauerei in Hof. In der langen Brauereigeschichte war Gisela Meinel-Hansen 1985 die erste Frau, die zusammen mit ihrem Ehemann und Braumeister Hans-Joachim Hansen die Geschicke des Traditionsbetriebes übernahm, nachdem sie bereits seit 1972 im elterlichen Betrieb mitgearbeitet hatte. "Das Eindringen in diese Männerdomäne war für mich damals schon ein Riesenschritt. Es war anfangs nicht leicht, sich hier durchzusetzen", sagt die heutige Seniorchefin.

Gemeinsam mit ihrem Ehemann modernisiert sie Brauerei und Gasthof, bringt den Betrieb durch die, wie sie sagt, "wilden" Wendejahre. Sie kreieren besondere Biersorten und wehren auch so manches Übernahmeangebot von größeren Brauereien ab. "Mein Ziel war es immer, die Familientradition zu erhalten und den Handwerksbetrieb in eigener Regie zu führen", blickt die heute 69-jährige zurück. "Dank vieler treuer Kunden in der Region ist uns das auch gelungen."

Herzenspreis

Für diese jahrzehntelange unternehmerische Leistung, für das Festhalten am Handwerk und für die Verantwortung für Familie, Mitarbeitende und Kunden wurde Gisela Meinel-Hansen im vergangenen Jahr mit dem Unternehmerinnen Award Oberfranken, Kategorie "Herzenspreis – die Frau im Unternehmen" geehrt. Der Preis des Bundesverbands der mittelständischen Wirtschaft (BVMV) steht ein Stück weit für ihr Lebenswerk. "Über die Anerkennung habe ich mich natürlich gefreut, vor allem, weil ich mich so langsam in die Rente verabschieden möchte", sagt die Senior-Chefin.

Bei Meinel-Bräu ist dieser Schritt kein Problem: Mit den beiden Töchtern Gisela und Monika Meinel-Hansen steht nun bereits die 13. Generation in den Startlöchern, die zudem die weibliche Führung der Brauerei fortsetzt.

Tradition mit modernen Inhalten

Am Namen wird sich in der Chefetage also nichts ändern, in der Ausrichtung der Familienbrauerei gibt es aber sehr wohl Veränderungen. "Früher war die erste Aufgabe am Morgen, die einzelnen Baustellen mit dem Lkw zu beliefern", sagt die Seniorchefin mit einem Augenzwinkern. "Im Laufe der Jahre haben wir dann versucht, uns möglichst breit aufzustellen, haben den Heimdienst für unsere Kunden ausgebaut und uns an Festen und Messen beteiligt, um immer nah an unseren Kunden zu sein."

An der Kundenorientierung und dem Ausbau der Stärken als Familienbrauerei soll sich auch unter der neuen Unternehmensführung nichts ändern. "Wir werden weiterhin die Nähe zum Verbraucher suchen", blickt Tochter Gisela Meinel-Hansen nach vorne. Zusammen mit ihrer Schwester Monika will sie die Direktvermarktung in der Brauerei inklusive Online-Shop ausbauen. Zudem wollen sie die Marke und deren Bekanntheit in der Region stärken. "Unser Ziel ist es, mehr Erlebniswelten für unsere Kunden zu schaffen – mit Betriebsführungen, Degustationen, speziell eingebrauten Saisonbieren oder auch dem Aufbau einer Bierschule, um den Menschen zu zeigen, was eigentlich alles zum Bierbrauen gehört", schildert sie ihre Vorhaben.

Dabei liegt den beiden Braumeisterinnen am Herzen, die Wertigkeit des Bieres in der Gesellschaft zu erhöhen – Bier als Lebens-, aber auch als Genussmittel, das man dann auch in der eigenen Schankanlage zu Hause konsumieren kann. "Dazu gehört auch, dass wir den Trends unserer Zeit folgen", sagt Gisela Meinel-Hansen.

Nach ihrer Meinung sind dies insbesondere alkoholfreie Biergetränke, spezielle Spirituosen, aber auch das Thema "Frauen und Bier". "Mit unserer 'Holladiebierfee' haben wir ja da schon die ersten erfolgreichen Versuche unternommen", zeigt sie sich stolz. Um das Image des fränkischen Bieres zu stärken ist Gisela Meinel-Hansen auch Mitglied im Verein Bierland Franken. Als geschäftsführende Vorsitzende setzt sie sich dafür ein, die Bierkultur und Biervielfalt zu bewahren und diesen Bonus auch touristisch zu nutzen.