Neue DSGV-Studie Diagnose Mittelstand: Warum weniger investiert wird

Die aktuelle Studie des DSGV fokussiert den Mittelstand. Dieser zeige immer weniger Investitionsbereitschaft. Die Studie nennt dafür auch die Gründe.

Die Kreditvergabe ist und bliebt das klassische Geschäft bei der Fremdfinanzierung von mittelständischen Unternehmen. - © Foto: Colourbox.de

Die Aussichten für die deutsche Wirtschaft sind derzeit nicht schlecht. Vor dem Jahreswechsel haben die Wirtschaftsforschungsinstitute ihre Wachstumsprognosen leicht angehoben. Auch die Verbraucherstimmung sei angeblich so gut wie seit acht Jahren nicht mehr.

Schwache Investitionsbereitschaft

Auch Sparkassenpräsident Georg Fahrenschon stellt fest: "Der Mittelstand hat Grund, optimistisch zu sein und erkennt das auch zunehmend." Der stark gefallene Ölpreis wirke für die Unternehmen wie ein Sonderkonjunkturprogramm. Darüber hinaus seien günstige Kredite schon seit Jahren zu haben.

Dennoch bleibe die Investitionsbereitschaft des deutschen Mittelstands weiterhin schwach. Fahrenschon warnt: "Wer heute nicht investiert, läuft morgen Gefahr, ins Hintertreffen zu geraten." Vor 14 Jahren, als der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) mit der jährlichen Studie "Diagnose Mittelstand" begann, war die Eigenkapitalquote dünn, sie lag im Mittel bei unter 7 Prozent. Inzwischen sind es rund 22 Prozent. Das ist der Wert, der für 2013 errechnet wurde. Sowohl bei kleinen und mittelständischen Unternehmen ist laut DSGV-Studie eine steigende Tendenz zu beobachten.

Finanzierungsinstrument Kredit bleibt erhalten

Als Vorsorge für schwierige Zeiten ist das gut, aber das Geld, mit dem Unternehmen ihr Polster anfüttern, fehlt bei den Investitionen. "Hier hat sich der Knoten noch nicht gelöst", sagt Fahrenschon und verweist auf eine Befragung der Firmenkundenberater der Sparkassen. Demnach ist die größte Gruppe (46 Prozent) der Unternehmen inzwischen diejenige, die weniger Geld für Investitionen in Anspruch genommen habe.

Die Sparkassen leben zu einem großen Teil von dem klassischen Geschäft der Kreditvergabe . Laut DSGV bleibe der Bankkredit das wichtigste Instrument zur Fremdfinanzierung von mittelständischen Unternehmen. 72,9 Prozent der befragten Sparkassen-Firmenkundenberater rechnen damit, dass die zentrale Rolle des Kredits für die Fremdfinanzierung mittelständischer Unternehmen erhalten bleiben wird.

Konkrete Zahlen zum Kreditgeschäft für 2014 wurden jedoch noch nicht genannt. Sparkassenexperten haben festgestellt, dass etwa die Hälfte der Mittelständler in Ersatzgüter investieren und nur jeder fünfte in Expansion und Erweiterung.

Ungelöste Probleme der Eurozone

Für Fahrenschon ist klar: Der Mittelstand ist stark verunsichert, trotz günstiger Erwartungen traut er der Wirtschaftslage nicht. Außer den Konflikten mit Russland um die Ukraine und den Nahen Osten hat er vor allem "die ungelösten wirtschaftlichen Probleme" in der Eurozone im Blick. Er sieht einen "erlahmenden Reform- und Konsolidierungseifer".

Genau das könnte den deutschen Mittelstand skeptisch stimmen. 37 Prozent der deutschen Exporte gehen in die Eurozone, 58 Prozent in die Europäische Union insgesamt. Bleibt die Nachfrage aus den Nachbarstaaten weiterhin so schwach wie zuletzt, könne das auch die derzeit starken USA nicht ausgleichen.

Die komplette Studie finden Sie auf der Webseite des DSGV.   dhz/dpa

Die "Diagnose Mittelstand" widmet sich jährlich der wirtschaftlichen Situation und Zukunft der 3,7 Millionen kleinen und mittleren Unternehmen in Deutschland. Für die jährliche Studie werden zum einen die Bilanzkennzahlen der Firmenkunden von Sparkassen ausgewertet. Zum anderen beruhen die Studienergebnisse auf einer Expertenbefragung, bei der die Firmenkundenberater der Sparkassen Auskunft über die aktuelle Geschäftslage ihrer mittelständischen Firmenkunden geben. Im Fokus der diesjährigen Studie steht in diesem Jahr das Thema Finanzierung im Mittelstand . dhz