Leser sprechen Klartext DHZ-Rubrik "Tacheles": Wärmepumpe in Meisterkurs integrieren

In dieser Rubrik machen Leser ihrem Ärger Luft. Ob Chef oder Mitarbeiter, jeder Handwerker kann der Redaktion in einem kurzen Text sein Problem schildern. Heute: Warum im SHK-Handwerk die Wärmepumpe in der Ausbildung nicht intensiver behandelt wird.

Einbau einer Wärmepumpe: Eine Sache für Profis. - © ZVSHK

Michael Wild aus Schwaikheim (Baden-Württemberg) hat Fragen zur Wärmepumpe. Der gelernte Landmaschinenmechaniker und Maschinenbautechniker mit Ausbilderschein wollte von baden-württembergischen Politikern der Grünen, CDU, SPD und FDP wissen, was sie zu tun gedenken, um Handwerker besser an der Wärmepumpe auszubilden. Eine Stellungnahme erhielt er nur von der Union.

Seiner Meinung nach gibt es Defizite, wie er am Beispiel eines Bekannten schildert, der gerade seinen Meister macht. Wild schreibt: "Nun ist es wohl tatsächlich so, dass in der derzeitigen Ausbildung nach wie vor Öl- und Gasbrenner gelehrt werden, was zwar sinnvoll ist, da es diese noch in Hülle und Fülle gibt, aber es ist eine aussterbende Heizmethode, zumindest nach dem Willen unserer Politik und einem großen Teil der Bevölkerung." Was nicht gelehrt werde, seien die Voraussetzungen, um eine Wärmepumpe in Betrieb zu nehmen.

Mit Zusatzkurs zum Kälteschein

Dazu werde ein sogenannter "Großer Kältemittelschein" benötigt. Diesen müsse er laut Gesetz besitzen, um eine Wärmepumpe oder eine Klimaanlage, die auch als Heizung dienen kann, in Betrieb nehmen zu können. Den Großen Kältemittelschein könne er aber nur erlangen, wenn er nach seiner Meisterausbildung einen Zusatzkurs belege, den er in fünf Tagen zu 1.500 Euro extra besuchen müsse. Überdies müsse er noch mindestens zwei Jahre Berufspraxis nachweisen. "Nun steht man als Außenstehender da und fragt sich, warum ein Meister für Installateur und Heizungsbau, der sich derzeit in Ausbildung befindet, diesen nicht innerhalb seiner einjährigen Meisterausbildung erlangen kann bzw. dieser Bestandteil der Ausbildung ist."

Die DHZ hat nachgefragt beim Fachverband Sanitär-Heizung-Klima Baden-Württemberg. Dessen Hauptgeschäftsführer Wolfgang Becker betont, als Fachverband organisatorisch innerhalb der Handwerksorganisation zwar nicht zuständig zu sein. "Dennoch versuchen wir seit Jahren, auch in der Weiterbildung Themen voranzubringen – von der Ausstattung mit Wärmepumpen bis zur Lehrerfortbildung." Er verweist auf einen Pilotworkshop für Berufsschullehrer.

Zusammenarbeit mit Herstellern

Wolfgang Becker sagt: "In der Transformation unseres Handwerks sind wir nicht nur Anschieber, wir übernehmen auch selbst mit Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen überall dort Verantwortung, wo kurzfristig die bestehenden Bildungsstrukturen nicht so schnell in der Lage sind, die Veränderungen umzusetzen." So bietet sein Verband Wärmepumpenschulungen für verschiedene Zielgruppen, insbesondere Betriebsverantwortliche, an. Dazu gehören auch Schulungen wie der erwähnte Kälteschein. Auf Basis dieses Engagements und zuletzt auch der Schulungen der Hersteller sei es gelungen, dass inzwischen rund 75 bis 80 Prozent der SHK-Betriebe Wärmepumpen anbieten.

Den Ansatz und Wunsch des DHZ-Lesers Michael Wild hält Wolfgang Becker grundsätzlich für nachvollziehbar und durchaus zu begrüßen. Gleichzeitig sei es überzogen, von einem "Schildbürgerstreich" zu sprechen. "Das hat auch mit der Geschwindigkeit der Veränderung zu tun und der Fähigkeit, dieses in den Strukturen unseres Bildungssystems schnell nachzuziehen." Er ruft in Erinnerung, dass der Hype um die Wärmepumpe als neue Leittechnik vor rund zwei Jahren mit dem zweiten Wärmepumpengipfel am 29. Juni 2022 begann.

Braucht es nun tatsächlich den "Großen Kälteschein"? Hier wird es technisch. Wolfgang Becker sagt: "Wir reden beim 'Großen Kälteschein' in der Systematik der F-GaseVO heute besser von KAT-Kurs. Man muss zwischen Split-Anlagen und Monoblock-Anlagen unterscheiden. Für einen Monoblock ist kein Kälteschein mit Eingriff in den Kältekreis und damit ein Nachweis im Umgang mit Kältemittel (Kat. I-Kurs nach FGaseVO) notwendig. Bei Monoblöcken reicht ein Kat. IV-Nachweis aus (Dichtheitskontrolle mit Schnüffelgerät). Bei Split-Anlagen gibt es außerdem die Möglichkeit, eine Inbetriebnahme über Dritte (i.d.R. der Hersteller) durchzuführen." Die Kurspreise betragen für Kat I: ca. 1500 Euro, evtl. etwas mehr, für Kat IV fallen ca. 370 Euro an (Tageskurs).

Erweiterung der Lehrpläne

Seit dem Wärmepumpengipfel ist laut Wolfgang Becker viel passiert. Die Berufsorganisation habe kurzfristig mit einem Modul IH7 die Ausbildung für Wärmepumpe in den Lehrplan der überbetrieblichen Berufsausbildung (ÜBA) der Handwerkskammern genommen. "Meines Wissens haben dies inzwischen alle acht Handwerkskammern in Baden-Württemberg für ihre Lehrpläne beschlossen. Auf diese Weise sollten bereits alle Lehrlinge spätestens ab dem kommenden Lehrjahr grundlegende Kenntnisse zum Einbau von Wärmepumpe erlangen." Im Bereich der Berufsschulen sei dies allein schon aus Gründen der Ausstattung in der Breite noch lange nicht der Fall. Wolfgang Becker erwartet: "Eine entsprechende Umsetzung samt Schulung der Lehrkräfte, welche derzeit in vielen Bereichen den größten Mangel darstellen, wird voraussichtlich mit dem nächsten Lehrjahr erfolgen."

Im Bereich der Meisterausbildung sei eine entsprechende Anpassung noch nicht so weit. "Ich sehe hier auch zumindest in Baden-Württemberg noch keine größeren Bestrebungen. Eine interne Rückfrage bei Kollegen ergab, dass dies eher nicht der Fall ist, alleine schon wegen der Ausstattung, aber auch der Lehrplanfülle", so der Hauptgeschäftsführer.

Sein Fachverband selbst bietet den großen Kälteschein (KAT1) seit vielen Jahren in Kooperation mit dem etz Stuttgart (früher mit Stiebel Eltron) als Weiterbildung an. Auf diese Weise sei grundsätzlich sichergestellt, dass eine hochwertige Ausbildung durchgeführt werde. "Den KAT1-Kurs haben wir seit Herbst 2023 mit einem Aufbaukurs für natürliche Gase (brennbar, zum Beispiel Propan (R290) und giftig, zum Beispiel Ammoniak (R717) ergänzt. So haben wir alle derzeit zum Einsatz kommende Kältemittel für Wärmepumpen als auch für Lüftungs-/Klimaanlagen thematisch abgedeckt."

Eigeninteresse der Industrie

Wolfgang Becker räumt ein: "Wir haben sehr lange versucht, auch einen weiteren Kooperationspartner zu finden und hatten unter anderem Gespräche mit der Industrie hierzu. Diese hat uns gegenüber jedoch abgewiegelt und darauf verwiesen, dass der Handwerker in der Regel keinen großen Kälteschein benötigt, um eine Wärmepumpenanlage in Betrieb zu nehmen." Dies liege an zwei Punkten: Zum einen setzten Teile der Industrie auf Monoblockanlagen, bei denen der Handwerker selbst überhaupt keinen "Zugang" zum Kältemittel habe. Zum anderen scheine es, dass die Industrie selbst Interesse habe, die Geräte in Betrieb zu nehmen und zu warten. "Da dies nicht in unserem Interesse ist, haben wir als Fachverband immer weiter die Schulungen den großen Kältescheins forciert", so Wolfgang Becker.

"Taugt das nun zur Skandalisierung im Sinne eines Schildbürgerstreichs?", fragt Wolfgang Becker rhetorisch und gibt die Antwort: "Mit Sicherheit nicht." Den grundsätzlichen Wunsch, dass jemand nach der Meisterausbildung zu allem befähigt sei, teile er. "Es ist aber auch in vielen anderen Bereichen nach der Meisterausbildung notwendig, spezielle Weiterbildungen mit entsprechenden Prüfungen abzulegen." Im Rahmen der einjährigen Meisterausbildung könnten schlichtweg nicht alle Themen in der notwendigen Tiefe oder grundsätzlich abgedeckt werden. "Und eine wie auch immer geartete Ausbildung kann die Notwendigkeit, sich kontinuierlich weiter- und fortzubilden, nicht ersetzen."

Er führt Beispiele aus anderen Berufsfeldern an. Auch nach einem Medizinstudium absolviere ein Arzt zunächst einmal eine weitere "Ausbildung" als Arzt im Praktikum und benötige dann weitere Weiterbildungen zum Beispiel als Facharzt. Das Gleiche gelte für Juristen, die selbst nach dem zweiten Staatsexamen noch Fachanwaltsausbildungen benötigten.

Reform braucht Zeit

Wie schnell geht die Veränderung hin zur Wärmepumpe nun voran? Wolfgang Becker verweist darauf, dass es gerade im Bildungssystem einen Dreiklang gebe: zwischen Regelungen des Lehrplans, der Ausstattung der Bildungsstätten und den Kenntnissen der Lehrkräfte und deren eigener Veränderungsbereitschaft.

Der Lehrplan müsse dabei inhaltlich konzeptionell angepasst und von Gremien beschlossen werden. Oft gelte das dann auch erst für die Folgejahre, insofern wäre der früheste Zeitpunkt der dann kommende Meisterkurs.

Die Ausstattung der Bildungsstätten sei noch einmal ein besonderes Thema, "für welches wir uns ebenso seit Jahren einsetzen". Es dauere allerdings noch, bis es im Land selbstverständlich sei, alle Bildungsstätten angemessen mit Wärmepumpen auszustatten. Der Kälteschein könne nur mit entsprechender Ausstattung gelehrt werden, da es praktische Übungen gebe. "Dies ist auch der Grund, warum wir als Fachverband auf andere Anbieter wie das etz Stuttgart angewiesen sind."

Lehrkräfte rar

Die Lehrkräfte gerade in diesem Bereich sind bislang sehr rar, sagt Wolfgang Becker. So habe man bereits bei der Messe ifh/intherm 2022 mit allen deutschen Herstellern gesprochen, "inwieweit sie uns mit entsprechenden Schulungen und Lehrkräften unterstützen können". Neben dem genannten Eigeninteresse sei die Kernbotschaft gewesen, "dass sie selbst nicht genug Lehrpersonal haben und dieses zunächst intern benötigt wird zur Schulung der eigenen Mitarbeiter". Auch benötige das Lehrpersonal im Umgang mit Kältemittel die gesetzlich vorgeschriebenen Zertifizierungsnachweise.

Wolfgang Becker sagt abschließend: "Ich kann verstehen, dass es dem einen oder anderen nicht schnell genug geht, sehe aber auch die bemerkenswerte Entwicklung der letzten beiden Jahre."

Denn es gibt auch nennenswerte Erfolge: Umfragen unter den Mitgliedern des Fachverbands zufolge bauen inzwischen rund 75 Prozent der Betriebe Wärmepumpen ein. 2020 waren dies noch rund 30 Prozent weniger. "Die Entwicklung wurde vor allem über die Weiterbildung nicht zuletzt des Fachverbandes erreicht." Sofern sich herausstelle, dass es sinnvoller sei, die Schulung an der Wärmepumpe bereits in der Ausbildung durchzuführen bzw. das Thema in der Meisterausbildung besser aufgehoben sei, werde über die kommenden Jahre angepasst. Wolfgang Becker sagt: "Im besten Fall lernt jemand bereits als Geselle alles Wichtige zum Einbau einer Wärmepumpe." Dann könne er dies in den ersten Gesellenjahren vertiefen, sodass er schon mit einem ordentlichen Vorwissen zum Meisterkurs komme.

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