Aktuelles und Ausblick DHZ-Analyse: So geht es dem Handwerk

Die Konjunkturaussichten im Handwerk hellen sich leicht auf. Doch viele Betriebe spüren weiter Auftragsflaute. Die aktuelle DHZ-Analyse zeigt, wo die Gewerke stehen und was sie aktuell bewegt.

Bulldozer Baustelle
Besonders das Baugewerbe verzeichnet positive Entwicklungen. Das sei nicht zuletzt eine Folge der Zinssenkungen durch die EZB. - © Dusan Petkovic - stock.adobe.com

Die Bedingungen für eine Konjunkturerholung in Deutschland haben sich verbessert. Die schnelle Regierungsbildung sowie die Reform der Schuldenbremse haben die politische Unsicherheit verringert. Es zeichnet sich ab, dass die öffentlichen Investitionen in die Verteidigung und die Infrastruktur deutlich zulegen werden.

Die positiven Effekte für das Wirtschaftswachstum werden allerdings noch geraume Zeit auf sich warten lassen. Die einzelnen Gesetze für die kreditfinanzierten Vorhaben müssen ebenso wie der Bundeshaushalt erst noch beschlossen werden. Neben diesen internen Hindernissen droht Ungemach aus Washington; deutsche Exporteure müssen mit hohen Zöllen auf ihre US-Lieferungen rechnen.

Geschäftslage hellt sich etwas auf

Vor diesem Hintergrund ist die Lageeinschätzung der Handwerksfirmen von vorsichtigem Optimismus geprägt. In den von der DHZ untersuchten Umfragen zum 2. Quartal 2025 gaben 16 Prozent der Betriebe an, ihre aktuelle Geschäftslage sei schlecht. 40 Prozent beurteilten sie mit gut, 44 Prozent mit befriedigend. Daraus resultiert ein Indexwert von 124 Punkten. Vor drei Monaten lag das Stimmungsbarometer um elf Punkte tiefer, vor einem Jahr jedoch nur um einen Punkt. Die meisten Sorgen um die Geschäftsentwicklung machten sich die Handwerke für gewerblichen Bedarf. Hier sank der Index binnen Jahresfrist um acht Punkte auf 108.

Das Investitionsklima ist belastet

Wie immer zur Frühlingszeit stieg die Kapazitätsauslastung. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum konnten die Handwerksbetriebe ihre Anlagen jedoch nicht wirkungsvoller einsetzen.

Viele Betriebe melden erneut eine zu niedrige Auftragslage für diese Jahreszeit. - © DHZ

Der Nutzungsgrad erreichte 79 Prozent (+/–0). Zulieferer und Unternehmensdienstleister mussten sogar deutliche Abschläge hinnehmen. Ursächlich ist die schleppende Nachfrage nach deutschen Industrieprodukten aus dem In- und Ausland, die das Investitionsklima in Deutschland belastet. Mit den Auftragsbeständen sind viele Teilnehmer nach wie vor unzufrieden. 28 Prozent halten sie gemessen an der Jahreszeit für zu niedrig. Ihre Reichweite betrug zur Jahresmitte 2,3 Monate – genauso wie im Juni 2024.

Die Beschäftigung stand im 2. Quartal 2025 weiter leicht unter Druck. Vergleicht man die Berichte mit dem Vorjahresquartal, erkennt man jedoch eine Besserung. Zwölf Prozent der Befragten meldeten eine Personalaufstockung (Vorjahr: zehn Prozent), während 14 Prozent den Bestand verkleinerten (17 Prozent).

Umsätze tendieren eher seitwärts

Die Umsatzentwicklung im Frühling verlief in ruhigen Bahnen. Immerhin lag der Saldo aus positiven und negativen Bewertungen nicht mehr unter der Nulllinie. Laut amtlicher Statistik waren die nominalen Umsätze der zulassungspflichtigen Handwerke von Januar bis März 2025 um 0,4 Prozent höher als im Vorjahr.

Branchentrends

Im Bauhauptgewerbe schaut es nicht mehr so düster aus. Großaufträge der Bahn und im Kabelleitungsbau stützen die Entwicklung im gewerblichen Tiefbau. Beim Blick auf die amtliche Statistik erkennt man aber auch eine Stabilisierung im Wohnungsbau: Mehr Bestellungen, aufwärtsgerichtete Genehmigungszahlen. Außerdem wächst das Volumen der Immobilienkredite. All dies dürfte vor allem eine Folge der Zinssenkungen durch die EZB sein. Das Warten auf niedrigere Zinsen lohnt nun nicht mehr. Um den Trend zu befeuern, plant die neue Bundesregierung eine Beschleunigung der Verwaltungsprozesse, vereinfachte Abweichungen vom Planungsrecht sowie eine Förderung des seriellen Bauens.

Das Ausbauhandwerk ist in weiten Teilen "Klimahandwerk" und profitiert zum Beispiel vom Photovoltaik-Boom in Deutschland. Die Heizungsgesetze der jüngeren Vergangenheit haben vor allem eines gezeigt: Für das Handwerk ist eine verlässliche Förderpolitik enorm wichtig. Im Bundeshaushalt für 2025 sind immerhin 16,5 Milliarden Euro für die energetische Gebäudesanierung vorgesehen.

Das Kfz-Gewerbe profitiert vom Ausbau der Ladeinfrastruktur in Deutschland. Nachdem die meisten Hersteller auch ihre Modellvielfalt erweitert haben, sind die Bedingungen für Käufer von Elektro- und Hybrid-PKW günstiger geworden. Deren Absatz hat sich – bei insgesamt schrumpfenden Neuzulassungen – im Jahresverlauf belebt. Hauptabnehmer sind Selbstständige, Leasinganbieter und Unternehmen mit Fahrzeugflotten. Sie profitieren von attraktiven Herstellerrabatten.

Geschäftslage-Erwartungen für die kommenden Monate
© DHZ

Die Handwerke für den privaten Bedarf erholen sich nur langsam, weil die Sparneigung der Verbraucher zuletzt ausgeprägt blieb, unter anderem weil der Arbeitsmarkt Signale der Schwäche sendet. In den nächsten Monaten sollten jedoch die gebremste Inflation und bessere Konjunkturaussichten die Konsumlaune weiter anheizen.

Ausblick

Die Erwartungen der Handwerksunternehmer zur Geschäftsentwicklung deuten nicht auf einen Durchbruch hin. Elf von 100 Betrieben waren Ende Juni optimistisch, 75 Prozent rechneten mit einer Seitwärtsbewegung, 14 Prozent antworteten mit Skepsis. Der aus diesen Daten gewonnene Indexwert von knapp 97 Punkten, der die Erwartungen zusammenfasst, ist etwas höher als die entsprechende Bewertung vor einem Jahr (92).

Ein wunder Punkt ist die nach wie vor schleppende Ordertätigkeit. Ende Juni 2025 gingen elf Prozent der Befragten für die Sommermonate von steigenden Auftragseingängen aus (Vorjahr: zehn Prozent), während 17 Prozent weitere Einbußen befürchteten (20 Prozent). Die Beschlüsse der Bundesregierung bleiben in manchen Dingen hinter dem zurück, was sich das Handwerk erhofft hat. Im Unklaren bleibt etwa, wie die Sozialversicherungsbeiträge auf 40 Prozent gedeckelt werden können. Auch die unterbliebene Senkung der Stromsteuer stößt auf. Immerhin dürften die Investitionsprogramme Aufträge generieren.

Mit großen Erwartungen blickt man auf die degressive Sonderabschreibung in Höhe von 30 Prozent. Neben privaten Investitionen sollen öffentliche Bauvorhaben angeschoben werden. Der Nachholbedarf ist gewaltig, vor allem bei kommunalen Schulen und Straßen. Für einen schnellen Absatzimpuls dürfte die neue Abschreibungsregel für gewerblich genutzte E-Fahrzeuge sorgen.