Gefährdungsbeurteilungen nötig DGB fordert mehr Hitze-Schutz für Beschäftigte

Örtlich bis zu 38 Grad erwartet der Wetterdienst in der kommenden Woche. Als "vollkommen inakzeptabel" bewertet der Deutsche Gewerkschaftsbund, dass viele Arbeitgeber ihre Beschäftigten noch immer nicht ausreichend schützen. Die BG Bau unterstützt mit einer bundesweiten Sonder-Beratungsaktion und einer erweiterten Förderung.

Die Temperaturen klettern vor allem im Südwesten weit über 30 Grad. - © juefraphoto - stock.adobe.com

Angesichts der immer häufiger auftretenden Hitzewellen hat der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) den Arbeitgebern Versäumnisse beim Schutz der Beschäftigten vorgeworfen. "Angemessene Gefährdungsbeurteilungen sind noch immer kein Standard – ein Versäumnis der Arbeitgeber, das vollkommen inakzeptabel ist", sagte DGB-Vorstandsmitglied Anja Piel der Deutschen Presse-Agentur. "Regelmäßige, extrem heiße Sommer ziehen natürlich besondere Belastungen für arbeitende Menschen nach sich."

Dafür brauche es eine geeignete Strategie und wirksame Maßnahmen, forderte Piel. Dazu zählte die Gewerkschafterin ausreichende Arbeitspausen und Erholungszeiten, nach Möglichkeit auch Home Office. Piel regte zudem mehr flexiblere Gleitzeiten in Fällen an, bei denen Arbeit auf kühlere Tageszeiten verlegt werden könne.

"Heller Hautkrebs ist viel zu oft die Folge"

"Für Arbeit, die unabwendbar bei Rekordtemperaturen im Freien stattfinden muss, braucht es entsprechende Regelungen", sagte Piel. "Es ist eine berechtigte Frage, ob bei 38 Grad im Schatten Arbeiten auf frischer Betondecke auf der Baustelle sein müssen oder ob sich das anders organisieren lässt." Auch Beschattung sei als technische Maßnahme denkbar.

"Denn die gesundheitlichen Risiken durch UV-Strahlung bei der Arbeit sind nicht zu unterschätzen, heller Hautkrebs ist viel zu oft die Folge", sagte Piel. Das bestätigt auch Bernhard Arenz, Leiter der Hauptabteilung Prävention der BG BAU: "Der weiße Hautkrebs war im Jahr 2021 mit rund 2.600 Verdachtsmeldungen eine der häufigsten angezeigten Berufskrankheiten in der Bauwirtschaft."

Ausfallgeld-Regelung im Dachdecker-Handwerk als Vorbild für andere Branchen

Bei regelmäßigen Hitzeperioden sollten Beschäftigte ihre Ansprüche auf Prävention und arbeitsmedizinische Beratung unbedingt wahrnehmen, so die Gewerkschaft IG Bau. Zudem könnten Gewerkschaften und Arbeitgeber Vereinbarungen treffen. So habe die IG Bau beispielsweise im Tarifvertrag für Dachdecker ein Ausfallgeld vereinbart, wenn aufgrund der Wetterverhältnisse die Arbeit eingestellt werden müsse. "Das kann Vorbild für andere Branchen sein", sagte Piel. "Basis für all diese Strategien muss aber eine bessere und häufigere Gefährdungsbeurteilung in den Unternehmen und Betrieben sowie eine regelmäßige Kontrolle sein."

Sonder-Beratungsaktion der BG Bau

Die BG Bau unterstützt Versicherte und Arbeitgeber in diesem Jahr mit einer Sonder-Beratungsaktion. Bundesweit will die Berufsgenossenschaft in den Betrieben Praxislösungen für den UV-Schutz von Helmtragenden präsentierten. Zudem wurden die Fördermöglichkeiten für Verschattungsschutz im Rahmen des technischen Arbeitsschutzes erweitertet. Bis zu 50 Prozent der Anschaffungskosten könnten Betriebe sparen, ebenso beim individuellen Sonnen- und Hitzeschutz. Komplett kostenfrei sind zudem die "UV-Schutz-Pakete" der Berufsgenossenschaft, die online bestellt werden können. dpa/fre