Ende des Arbeitsverhältnisses Dezent codiert: Was das Arbeitszeugnis wirklich aussagt

Wahrheitsgemäß und wohlwollend soll das Arbeitszeugnis sein. So gibt es der Gesetzgeber vor. Eine Codierung ist nicht erlaubt. Trotzdem gibt es typische Formulierungen, die indirekte, meist negative Bewertungen kaschieren.

Maren Sudahl

Manche Formulierungen im Arbeitszeugnis sind nicht gerade positiv. Auch wenn dies zunächst den Anschein erwecken. - © Foto: eccolo/Fotolia

Nach drei Jahren Lehrzeit hat der Lehrling endlich seinen Gesellenbrief in der Hand. Leider konnte der Betrieb ihn nicht übernehmen – dies sei der schlechten wirtschaftlichen Lage geschuldet. Es wäre nur ein Arbeitsplatz machbar, meinte der Chef. Und den nimmt der andere Azubi ein. Auch nicht schlimm denkt sich der nun vorerst Arbeitslose. Die Jobsuche wird gut verlaufen. Ist sein Arbeitszeugnis doch positiv zu lesen.

"Er bemühte sich stets"

Er habe sich immerhin stets bemüht und die Arbeit mit großem Fleiß erledigt. Als jedoch nach und nach Absagen in den Briefkasten flattern, gibt ihm das Grund zur Sorge. Vielleicht ist das Zeugnis ja doch nicht so wohlwollend und es verstecken sich Hinweise zwischen den Zeilen.

Formulierungen codieren das Zeugnis

Wahrheitsgemäß und wohlwollend soll das Arbeitszeugnis sein. So gibt es der Gesetzgeber vor. Eine Codierung ist nicht erlaubt. Trotzdem gibt es einige typische Formulierungen, die vor allem bei größeren Firmen mit Personalabteilung indirekte, meist negative Bewertungen kaschieren.

"Jeder sollte die wichtigsten Formulierungen kennen, um beispielsweise als Angestellter sein Zeugnis deuten zu können. Aber auch als Arbeitgeber gilt es, peinliche Fehler zu vermeiden“, sagt Simone Stargardt aus Fellbach, Geschäftsführerin bei der privaten Akademie carriere & more. Das Deuten solcher Codierungen zu erlernen, ist Teil des Unterrichtsfachs Personalmanagement. Unter anderem gehört dies zu den Vorbereitungskursen an der Akademie für die Fachwirt- oder Betriebswirtprüfung.

Einfühlungsvermögen ist nicht unbedingt positiv zu verstehen

Wer also den Mitarbeiter im Arbeitszeugnis als gesellig beschreibt, muss wissen, dass dies für zu viel Alkohol am Arbeitsplatz steht. Auch das sonst so sehr erwünschte Einfühlungsvermögen ist in Bezug auf die Belange der Belegschaft nicht positiv zu verstehen. Vielmehr handelt es sich hierbei um einen Angestellten, der Affären mit Frauen am Arbeitsplatz hatte. Die Formulierung "Der Auszubildende handelte stets zu unserer vollsten Zufriedenheit" hingegen kann durch minimale Veränderung für klare Noten stehen.

Stets bemüht reicht nicht

So spricht letzteres für eine eins, die lediglich "volle Zufriedenheit“ für eine zwei – wer sich nur stets bemüht hat, wäre in der Schule wohl durchgefallen. Folgende Formulierung gibt in ähnlicher Weise wieder, wie zufrieden der Betrieb tatsächlich war: Sein Verhalten gegenüber Vorgesetzten, Kollegen und Kunden (evtl. Lieferanten) war stets einwandfrei. Stehen alle drei Personengruppen in genau dieser Reihenfolge, ist das sehr gut. "Sind sie jedoch vertauscht oder fehlt sogar eine, war indirekt gesagt irgendetwas nicht in Ordnung und das Verhalten dieser Gruppe gegenüber nicht gut", erklärt Stargardt.

Inhalt auf Vollständigkeit kontrollieren

Nachdem der Bewertete das Zeugnis auf typische Formulierungen geprüft hat, schaut er auf den Inhalt. Projekte und besondere Aufgaben sollten vollständig aufgeführt sein. Wichtiger ist jedoch, welche nicht vorhanden sind. Dies ist selten der Vergesslichkeit des Verfassers geschuldet. Der Arbeitnehmer kann davon ausgehen, dass der Betrieb seine Arbeit nicht als zufriedenstellend empfand.

"War die Codierung bis hierhin verboten und im schlimmsten Fall durch eine Zeugnisberichtigungsklage anfechtbar, so enthält der unveränderbare Abschlusssatz die Grundeinstellung des Betriebs gegenüber dem Bewerteten“, verdeutlicht Stargardt. Werde hier ein klares Bedauern für das Ende sowie Dank für die gute Zusammenarbeit und positive Zukunftswünsche deutlich, falle das gesamte Zeugnis positiv aus.

Checkliste: Das sollte man beim Arbeitszeugnis beachten

  • Zeugnis auf gängige Formulierungen prüfen.
  • Alle wichtigen Projekte vollständig aufgeführt, an denen man beteiligt war.
  • Schlusssatz sollte alle drei wichtigen Teile enthalten: Bedauern, Dank und Zukunftswünsche.
  • Wer sich nun immer noch unsicher bei der Bewertung ist: für wenig Geld online Arbeitsrechtler drüber schauen lassen.
  • Sollte das Zeugnis tatsächlich versteckt negativ formuliert sein, hilft meist ein Gespräch mit dem Arbeitgeber. Wenn das Zeugnis nicht angepasst wird, dann kann rechtlich dagegen vorgegangen werden. Schließlich steht und fällt der Erfolg bei der Jobsuche oft mit dem Arbeitszeugnis.