Finanzamt-Ranking Deutschlands schnellste Finanzämter sind in Berlin

Wie schnell die eigene Steuererklärung bearbeitet wird, hängt auch vom Wohnort ab. Das Online-Portal "Lohnsteuer kompakt" hat 482 Ämter ausgewertet. Die Bearbeitungszeiten von einzelnen Ämtern unterscheiden sich teilweise um Monate.

Wie lange warten Selbständige oder Angestellte auf ihren Einkommenssteuerbescheid? Die Unterschiede zwischen einzelnen Ämtern und Bundesländern sind groß, wie das Online-Portal Lohnsteuer-kompakt.de auswertete. - © fotohansel - stock.adobe.com

Die Fristen zur Abgabe der Steuererklärung sind bundesweit gleich. Wie schnell allerdings Unternehmer oder Arbeitnehmer ihren Bescheid aus dem Finanzamt erhalten, das hängt entscheidend vom Wohnort oder vielmehr vom zuständigen Finanzamt ab. Das zeigt eine Auswertung des Online-Portal "Lohnsteuer kompakt".

Und hier hat sich an der Spitze einiges getan: Die Hauptstadt hat Hamburg als schnellstes Bundesland bei der Bearbeitung der Einkommenssteuererklärung abgelöst. Laut Lohnsteuer-kompakt.de dauerte die Bearbeitung in Berlin durchschnittlich 46,3 Tage, während Hamburg als zweiter 46,9 Tage benötigt. Sachsen komplettiert mit 47,1 Tagen die Top drei. Das Schlusslicht bildet erneut Bremen mit 74,3 Tagen durchschnittlicher Bearbeitungszeit, gefolgt von Brandenburg (57,9 Tage) und dem Saarland (56,7 Tage). Im Vergleich zum Vorjahr hat sich der Bundesdurchschnitt dagegen nur wenig verändert. Die durchschnittliche Bearbeitungszeit verbesserte sich auf 50,2 Tage – 0,6 Tage schneller als noch 2024.

"Ein wesentlicher Grund für die schnelleren Bearbeitungszeiten sind Digitalisierung und Automatisierung in der Fallbearbeitung", erklärt Felix Bodeewes, Geschäftsführer von Lohnsteuer-kompakt.de. Diese Entwicklungen reduzierten den Routineaufwand und verschöben den Arbeitsschwerpunkt auf komplexere Fälle.

Die Analyse zeigt laut Lohnsteuer-kompakt.de, dass Bundesländer mit kurzen Bearbeitungszeiten ihre Spitzenpositionen häufig über mehrere Jahre halten. Berlin gehört bereits seit Jahren zu den Top fünf und führt die Rangliste nun zum ersten Mal seit drei Jahren wieder an.

Selbständige mit größerer Streuung

Mehr als eine Million anonymisierte Steuererklärungen, die über Lohnsteuer-kompakt.de erstellt wurden, flossen für 2025 in die Analyse ein. Insgesamt wurden die Bearbeitungszeiten von 482 deutschen Finanzämtern ausgewertet, die mindestens 50 Steuererklärungen bearbeitet haben. 10 Prozent des Datensatzes entfallen auf Nachweise von Gewerbetreibenden und Selbstständigen, der Rest auf die Daten von Angestellten. Eine eigene Auswertung für Unternehmer ist so laut dem Portal nicht möglich. Für die DHZ warf Bodeewes aber einen Blick in die Zahlen: "Für Gewerbetreibende und Selbstständige sehen wir grundsätzlich ähnliche Tendenzen wie im Gesamtdatensatz. Die Bearbeitungszeiten unterscheiden sich hier nicht systematisch nach Bundesländern", sagt der Geschäftsführer des Portals. Eine Feststellung bleibt aber: Die Streuung bei der Bearbeitungszeit sei im Vergleich zu den Angestellten noch größer.

Extreme Unterschiede zwischen einzelnen Finanzämtern

Während sich die Bundesländer angleichen, bleiben die Unterschiede zwischen einzelnen Finanzämtern erheblich. Denn zwischen Deutschlands schnellstem und dem langsamsten Finanzamt liegen rund zwei Monate mehr Bearbeitungszeit. Das schnellste Amt Deutschlands ist laut der Analyse das Finanzamt Zwiesel mit Außenstelle Viechtach in Bayern mit durchschnittlich 28,4 Tagen Bearbeitungszeit. Am anderen Ende der Skala steht das Finanzamt Berlin International mit 90,4 Tagen – mehr als drei Mal so lange.

Weitere Spitzenreiter sind das Finanzamt Lindau mit 31,1 Tagen und das Finanzamt Bottrop mit 33,1 Tagen. Zu den langsamsten gehören neben Berlin International auch die Finanzämter Calau (80,4 Tage) und Bremen (78,6 Tage). Diese extremen Unterschiede zeigen, dass der Wohnort weiterhin entscheidend dafür ist, wie schnell Steuerpflichtige ihren Bescheid erhalten.

Deutliche Auf- und Absteiger

Bemerkenswert sind die teils drastischen Veränderungen einzelner Ämter. Der größte Aufsteiger war das Finanzamt Michelstadt in Hessen, das seine Bearbeitungszeit um 30,6 Tage verbessert hat. Umgekehrt verschlechterte sich das Finanzamt Höxter in Nordrhein-Westfalen um 21,1. Ein Umstand, der auch schon in den vergangenen Auswertungen zu sehen war. Laut Bodeewes sei dies in der Regel auf strukturelle Veränderungen in der jeweiligen Amtsstube zurückzuführen. Umstellung auf ein neues System, neue Führungskraft oder Personalmangel oder auch einmal eine Sanierung des Gebäudes, das die Bearbeitungszeiten behindert. Auch die Anzahl komplexer Steuerfälle und unvollständiger Unterlagen spielen eine Rolle.

Die Bundesländer im Vergleich nach Anzahl der Bearbeitungstage 2025:

 1Berlin46,3
 2Hamburg46,9
 3Sachsen47,1
 4Hessen48,4
 5Bayern48,7
 6Niedersachsen49,4
 7Rheinland-Pfalz49,7
 8Sachsen-Anhalt50,4
 9Schleswig-Holstein50,6
 10Nordrhein-Westfalen51,5
 11Baden-Württemberg51,6
 12Thüringen52,6
 13Mecklenburg-Vorpommern53,4
 14Saarland56,7
 15Brandenburg57,9
 16Bremen74,3

Blick auf den aktuellen Stand des eigenen Finanzamtes möglich

Wer wissen will, wie schnell die zuständige Behörde ist, der kann tagesaktuell die Bearbeitungszeit der vergangenen 30 Tage seines Finanzamtes hier einsehen.