Bürokratie Deutschland ist auf dem absteigenden Ast

Ausufernde Bürokratie verleidet Selbstständigen zunehmend die Freude an der Arbeit. Das zeigt eine Sonderumfrage unter Handwerkern. Deutschland hat nach Ansicht von Entscheidern aus der Wirtschaft längst den Zenit überschritten.

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Zwei aktuelle Umfragen zeichnen ein verheerendes Bild von der wirtschaftlichen Lage des Landes. Eine Sonderumfrage des Zentralverbands des deutschen Handwerks (ZDH) kommt zum Ergebnis, dass die bürokratische Belastung alarmierende Ausmaße angenommen hat. Und das "Elite-Panel", für das das Meinungsforschungsinstitut Allensbach im Auftrag von "FAZ" und "Capital" die ranghöchsten Entscheider befragt hat, bescheinigt Deutschland, seinen Zenit überschritten zu haben.

ZDH-Generalsekretär Holger Schwannecke wertete die Umfrage als "deutlichen Notruf" an den Gesetzgeber. Die erreichte Menge an Dokumentations-, Nachweis- und Informationspflichten würge die wirtschaftliche Entwicklung von Handwerksbetrieben regelrecht ab. "Angesichts dieser sich zuspitzenden Situation kann es nicht verwundern, dass viele junge Menschen gerade wegen der immensen Bürokratie den Schritt in die Selbstständigkeit scheuen."

Kein "Weiter so" möglich

Die Politik müsse erkennen, dass es ein "Weiter so" nicht geben könne. Das angekündigte Bürokratieentlastungsgesetz sei wichtig, könne aber nur ein Baustein von vielen sein, um Erleichterungen für Handwerksbetriebe in der Praxis zu erreichen.

Das "Elite-Panel" zeigt, dass die Arbeit der Ampel-Koalition unter Führungskräften im Land dramatisch an Zuspruch verloren hat. Das Zutrauen ist gering, dass mit der Ampel eine ökonomische Aufholjagd gelingen könnte. Nicht einmal jeder Vierte glaubt, es werde im kommenden Halbjahr eher aufwärtsgehen. Hinter diesem Befund verbirgt sich Sorge um die Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts. Dabei zeigen sich die Politiker zuversichtlicher als die Vertreter der Wirtschaft. Zur wachsenden Enttäuschung über SPD, Grüne und FDP trägt in erster Linie die Energiepolitik bei, über die sich drei von vier Befragten unzufrieden äußern. Besonders störend empfinden die Entscheider auch ständige Eingriffe des Staates. str

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