Der kräftige Aufschwung verlängert sich in das laufende Jahr. Die führenden Wirtschaftsinstitute korrigierten ihre Wachstumsprognose für 2011 kräftig nach oben. Sie erwarten nun 2,8 Prozent Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts, nach 2,0 Prozent, wie noch im Herbst geschätzt.
Deutschland brummt
Die Zahl der Arbeitslosen soll im Jahresschnitt unter drei Millionen sinken und 2,888 Millionen betragen. Die Arbeitslosenquote wird von 7,7 auf 6,9 Prozent sinken. Das Defizit des Staats soll von 3,3 auf 1,7 Prozent absacken. Die Verbraucherpreise sollen um 2,4 Prozent steigen.
Auch mit 2,8 Prozent Wachstum läge Deutschland 2011 in der Spitzengruppe der Industriestaaten. Die Auswirkungen der Dreifach-Katastrophe in Japan auf die Weltwirtschaft würden "voraussichtlich nur kurzzeitig spürbar sein", schrieben die Forscher in ihrem in Berlin vorgestellten Frühjahrsgutachten weiter. Würde sich aber das Öl verknappen wegen der Aufstände in Arabien oder die Schuldenkrise in einigen europäische Staaten zuspitzen, könnte dies die deutsche Wirtschaft belasten. Die Forscher empfahlen für Deutschland weiter einen Konsolidierungskurs und verlangten Nachbesserungen beim Europäischen Stabilisierungsmechanismus.
Die Institute überschrieben ihr Gutachten mit dem Titel "Aufschwung setzt sich fort". Im vergangenen Jahr hatte das Wachstum 3,6 Prozent betragen. Die Institute erwarten, dass sich die Auftriebskräfte vom Export allmählich zur Binnennachfrage verschieben. Gleichwohl soll der Überschuss der Leistungsbilanz weiter steigen von 141,4 Milliarden auf 153,4 Milliarden Euro.
"Das sind alles sehr gute Nachrichten", kommentierte Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle. Der Aufschwung setze sich somit kräftig fort, sagte der FDP-Politiker. Die Wachstumslücke, die die Krise gerissen habe, werde nach der Prognose der Institute bereits in diesem Jahr geschlossen. "Deutschland hat die Sieben-Meilen-Stiefel angezogen", fügte Brüderle hinzu.
Die Eckpunkte des Frühjahrsgutachtens der führenden Wirtschaftsinstitute:
- Wachstum: Die Forscher rechnen mit einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 2,8 Prozent in diesem und 2,0 Prozent im nächsten Jahr. Im Herbstgutachten waren sie für 2011 noch von einem Anstieg von 2,0 Prozent in diesem Jahr ausgegangen. Im vergangenen Jahr war die deutsche Wirtschaft um 3,6 Prozent gewachsen.
- Verbraucherpreise: Die Ökonomen erwarten einen stärkeren Anstieg der Verbraucherpreise. Nach einer Inflationsrate von 1,1 Prozent im vergangenen Jahr rechnen sie für 2011 mit einer Zunahme von 2,4 Prozent, für 2012 von 2,0 Prozent.
- Arbeitsmarkt: Die Experten rechnen mit einem Rückgang der Arbeitslosigkeit. Die Zahl der Arbeitslosen soll von durchschnittlich 3,238 Millionen im vergangenen Jahr auf 2,888 Millionen in diesem und 2,709 Millionen im Jahr 2012 sinken. Die Arbeitslosenquote würde damit in diesem Jahr bei 6,9 Prozent liegen und sich 2012 weiter auf 6,5 Prozent verringern.
- Staatsdefizit: Die Lage der öffentlichen Haushalte wird sich nach Ansicht der Wissenschaftler stark verbessern. Die Defizitquote dürfte in diesem Jahr bei 1,7 Prozent liegen, nach 3,3 Prozent im vergangenen Jahr. Im kommenden Jahr sei dann mit einer Defizitquote von 0,9 Prozent zu rechnen.
dapd