Immer mehr Staaten in Europa befinden sich auf wirtschaftlicher Talfahrt. Die hohen Ölpreise bedrohen sogar die ganze Weltwirtschaft. Deutschland schafft es bisher jedoch, sich von der Krise nicht anstecken zu lassen. Im ersten Quartal des Jahres konnte das Bruttoinlandsprodukt erneut zulegen.
Von Krise keine Spur. Zumindest Deutschland kann das als eines von wenigen Ländern im Euro-Raum noch behaupten. Rückenwind gibt es heute von den Zahlen des Statistischen Bundesamtes. Demnach stieg das Bruttoinlandsprodukt (BIP) von Januar bis März um 0,5 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Im Vergleich zum Wert des ersten Quartals 2011 gab es sogar einen Anstieg um 1,7 Prozent. Der Wert liegt damit deutlich über den Erwartungen von Wirtschaftsexperten, von denen einige sogar einen Rückgang des BIP prophezeit hatten.
Die erfreuliche Entwicklung führen Analysten vor allem auf das gut laufende Exportgeschäft und die gute Stimmung unter den Verbrauchern zurück, die durch ihre Kauflaune für Wachstum sorgen.
Damit scheinen die Ziele der Bundesregierung für das Gesamtjahr weiter realistisch. Die Regierung geht für 2012 von einem Wachstum des BIP um 0,7 Prozent aus. 2013 soll es sogar eine Steigerung um 1,6 Prozent geben.
Krisenfaktor Öl
Deutschland ist mit seinen guten Ergebnissen allein auf weiter Flur. Nachbarländer wie Frankreich kämpfen mit einer stagnierenden Wirtschaft. Viele Experten gehen aber davon aus, dass auch Deutschland noch in den Sog Europas Krise gezogen werden könnte und sich das Wachstumstempo zumindest verlangsamt.
Auch über die Grenzen Europas hinaus ist die Konjunktur bedroht. Besonders die anhaltend hohen Preise für Erdöl und Benzin sehen Fachleute wie der IEA-Chefökonom Fatih Birol als Risiko für eine Rezession.
Birol lehnt es aber entschieden ab, Vorräte anzuzapfen um die Preise zu drücken: "Die Ölreserven sollten genutzt werden, wenn es einen echten physischen Angebotsengpass gibt", sagte er Medien gegenüber, und der liege nicht vor. "Europas Politiker sollten sich lieber Gedanken machen, wie wir unsere Abhängigkeit vom Öl verringern", forderte der türkische Ökonom. Ohne wirtschaftliche Alternativen sei Europa "dazu verdammt, Öl zu jedem Preis zu kaufen". sg/dapd