Deutsche Soldaten sind stärker in die gewaltsamen Zusammenstöße vor dem Bundeswehrstützpunkt im nordafghanischen Talokan verwickelt gewesen als bisher bekannt. Zunächst war lediglich von Warnschüssen und Schüssen auf die Beine gewalttätiger Demonstranten die Rede gewesen. Doch möglicherweise wurde auch ein Einheimischer in den Hals oder Kopf getroffen.
Deutsche Soldaten feuern auf afghanische Angreifer
Berlin (dapd). Deutsche Soldaten sind stärker in die gewaltsamen Zusammenstöße vor dem Bundeswehrstützpunkt im nordafghanischen Talokan verwickelt gewesen als bisher bekannt. Zunächst war lediglich von Warnschüssen und Schüssen auf die Beine gewalttätiger Demonstranten die Rede gewesen. Doch möglicherweise wurde auch ein Einheimischer in den Hals oder Kopf getroffen. Von den Grünen kam Kritik an der Informationspolitik der Bundeswehr.
Das Verteidigungsministerium erklärte am Freitag in Berlin, dass Soldaten bei dem Vorfall am Mittwoch in drei oder vier Fällen "in den Rumpfbereich" oder auf Arme und Hände von Angreifern geschossen hätten. "In einem Fall ist nach derzeitiger Erkenntnis ein Treffer im Hals-Kopfbereich nicht auszuschließen", hieß es in der Mitteilung.
Ministeriumssprecher Stefan Paris erklärte, es gebe noch keine abschließende Bewertung des Vorfalls. Die Untersuchungen liefen noch. Es sei aber unstrittig, dass die Soldaten aus einer "Selbstverteidigungslage" heraus geschossen hätten. Die afghanischen Demonstranten hätten sich durch Warnzeichen und Warnschüsse nicht stoppen lassen. Ein Soldat sei durch eine Handgranate mittelschwer, zwei weitere seien leicht verwundet worden. Auch fünf afghanische Wachen seien verletzt worden.
Der Grünen-Abgeordnete Hans-Christian Ströbele kritisierte, die neuen Informationen zum Geschehen in Talokan kämen "verspätet". Jetzt müsse die Bundeswehr dem Parlament, der Öffentlichkeit und der Bundesanwaltschaft "unverzüglich rückhaltlos und ohne weitere Ausflüchte exakt schildern", ob und gegebenenfalls warum die deutschen Soldaten in Notwehr gehandelt hätten.
Am Mittwoch war es vor dem Bundeswehr-Camp zu schweren Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei gekommen, als etwa 1.500 Menschen gegen einen zuvor erfolgten NATO-Angriff protestiert hatten. Einige von ihnen griffen das Camp laut Verteidigungsministerium mit Handgranaten und Molotowcocktails an. Nach afghanischen Angaben wurden bei dem Gewaltausbruch zwölf Demonstranten getötet. Eine erneute Verschärfung der Lage nach den Freitagsgebeten sei möglich.
dapd
