Die deutschen Sicherheitsbehörden sind alarmiert: "Wir beobachten die Situation in Oslo genau", sagte ein Sicherheitsexperte am Freitagabend der Nachrichtenagentur dapd in Berlin. Wenn sich die Explosion in Oslo als ein Terrorakt herausstellte, wäre es das erste gewaltsame Vorgehen gegen den Westen nach der Tötung vom Al-Kaida-Chef Osama Bin Laden durch die Amerikaner in Pakistan im Mai.
Deutsche Sicherheitsbehörden nach Oslo-Anschlag alarmiert
Berlin (dapd). Die deutschen Sicherheitsbehörden sind alarmiert: "Wir beobachten die Situation in Oslo genau", sagte ein Sicherheitsexperte am Freitagabend der Nachrichtenagentur dapd in Berlin. Wenn sich die Explosion in Oslo als ein Terrorakt herausstellte, wäre es das erste gewaltsame Vorgehen gegen den Westen nach der Tötung vom Al-Kaida-Chef Osama Bin Laden durch die Amerikaner in Pakistan im Mai.
Das Ausmaß der Beschädigungen in Oslo würden schon an den 11. September 2001 in New York erinnern, betonten vorsichtig die Experten, die das Geschehen in Oslo beobachten. Sie warnten allerdings vor zu frühen Urteilen. Zunächst müsse "alles in Erwägung gezogen werden". Die deutschen Behörden hatten sofort nach der Explosion im Zentrum der norwegischen Hauptstadt Verbindungen mit ihren Kollegen in Oslo aufgenommen. Zu Vermutungen über einen möglichen Terroranschlag wollten sich die Deutschen "auf keinen Fall äußern".
Islamisten haben schon mehrfach mit Anschlägen auf Gebäude und Orte in Deutschland gedroht. Darunter war auch der Reichstag in Berlin. "Solche Ankündigungen nehmen wir natürlich stets sehr ernst. Aber nach Ankündigungen tut sich eigentlich nichts. Die Terroristen wissen genau, dass wir sehr hohe Sicherheitsstandards haben", sagte ein Sicherheitsfachmann. Die wirkliche Gefahr drohe von Anschlägen "aus dem Nichts", sagte der Sicherheitsexperte. "Dagegen können wir so gut wie nichts machen. Wir sind dem einfach ausgeliefert."
Die deutschen Sicherheitsdienste fürchten besonders die "stillen Beobachter" unter den Islamisten in der Bundesrepublik. Sie könnten die deutschen Sicherheitslücken ausspähen und ausnutzen und dadurch "trotz all unserer Bemühungen zur Abwehr von Anschlägen zuschlagen". Die Islamisten haben nach den Erkenntnissen der Behörden unter den Hunderten von "Gefährdern" in Deutschland "versierte Beobachter", die bestens über die Schwachstellen in der Sicherheitsarchitektur in der Bundesrepublik informiert seien, berichten Sicherheitsfachleute.
Es gibt nach Angaben von Sicherheitskreisen gegenwärtig neben den üblichen Befürchtungen vor Anschlägen von Terrorgruppen, die sich schon aus den Trainingscamps aus dem afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet in der Bundesrepublik aufhalten, eine besondere Gefahr von "fanatisierten Einzeltätern" aus der islamistischen Szene.
Unter ihnen sollen sich nach jüngsten Erkenntnissen auch Selbstmordattentäter befinden. "Dagegen sind wir völlig machtlos", sagten die Experten. Diese Männer könnten sich unbemerkt unter die Passanten in Bahnhöfen, Flughäfen oder auch in Kaufhäusern mischen. "Das macht uns gewaltige Sorgen", erklärten die Sicherheitsbehörden.
dapd
