Konzernchef Appel setzt bei Hauptversammlung auf Wachstum - Lügendetektoren sollen bleiben Deutsche Post mit großen Ambitionen

Der Logistikkonzern Deutsche Post DHL will mit zweistelligem Wachstum seine führende Weltmarktposition ausbauen. "Unser Ergebnis wollen wir in den nächsten Jahren weiter kräftig steigern", sagte der Vorstandsvorsitzende Frank Appel am Mittwoch auf der Hauptversammlung in Frankfurt am Main. Die Aktionäre beschlossen am Abend die Ausschüttung einer Dividende in Höhe von 0,65 Euro pro Papier.

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Deutsche Post mit großen Ambitionen

Frankfurt/Main (dapd). Der Logistikkonzern Deutsche Post DHL will mit zweistelligem Wachstum seine führende Weltmarktposition ausbauen. "Unser Ergebnis wollen wir in den nächsten Jahren weiter kräftig steigern", sagte der Vorstandsvorsitzende Frank Appel am Mittwoch auf der Hauptversammlung in Frankfurt am Main. Die Aktionäre beschlossen am Abend die Ausschüttung einer Dividende in Höhe von 0,65 Euro pro Papier. Gegenüber dem Vorjahr entspricht das einem Zuschlag von 0,05 Euro je Aktie.

Appel erklärte, das Unternehmen plane besonders beim Paketdienst DHL bis 2015 einen jährlichen Gewinnzuwachs von 13 Prozent bis 15 Prozent. Den neuen E-Postbrief nannte Appel eine "bedeutende Strategieinnovation". Vertreter internationaler Gewerkschaften kritisierten erneut, dass der Konzern weltweit Arbeitnehmerrechte verletze.

Für das laufende Jahr rechnet die Post AG unverändert mit einem operativen Ergebnis von 2,2 Milliarden bis 2,4 Milliarden Euro. Appel sagte, der Konzerngewinnanteil des Paketdiensts habe im vergangenen Jahr erstmals den des Unternehmensbereichs Brief überholt. Das Ergebnis im einstigen Monopolgeschäft mit frankierten Postsendungen solle in Zukunft bei einer Milliarde Euro jährlich stabilisiert werden. Appel räumte ein, dass der Kurs der Aktie des Unternehmens 2010 und auch in den ersten Monaten dieses Jahres erneut hinter der DAX-Entwicklung zurückgeblieben sei.

500 Millionen Euro für den E-Postbrief

Den Aktionären schlug Appel vor, für das Geschäftsjahr 2010 eine Dividende von 65 Cent pro Aktie auszuschütten, fünf Cent mehr als für 2009. Vertreter von Kleinanlegern zeigten sich nach der Rede des Vorstandsvorsitzenden überwiegend zufrieden mit der Unternehmenspolitik, sorgten sich aber um den Erfolg des neu eingeführten E-Postbriefs.

Seit 2010 bietet der Konzern Kunden an, gegen die Gebühr eines Inlandsbriefs (55 Cent) Nachrichten elektronisch zu versenden, die wie beim Onlinebanking mit einer TAN-Nummer verschlüsselt sind und seitens des Empfängers Vertraulichkeit garantieren.

Das Unternehmen sieht in dieser Neuerung bislang ein Alleinstellungsmerkmal und will dafür 500 Millionen Euro bis 2015 investieren. "Der E-Postbrief garantiert auch in Zukunft das in einer demokratischen Gesellschaft garantierte Briefgeheimnis", sagte Appel. Er beantwortete aber keine Fragen zur aktuellen Zahl der teilnehmenden Privatkunden. Bereits dabei seien mehr als 100 Unternehmen, darunter Allianz und ADAC sowie Städte wie Bonn oder Köln.

DHL will weiter Lügendetektoren einsetzen

Wie schon 2010 warfen auf der Hauptversammlung Sprecher der internationalen Arbeitnehmerorganisation Global Union, der auch die Gewerkschaft ver.di angehört, der Post AG vor, im Ausland mit illegalen Methoden Druck auf Beschäftigte auszuüben. Besonders in Nord- und Südamerika würden DHL-Mitarbeiter gezwungen, sich bei Konflikten am Arbeitsplatz einem Lügendetektortest zu unterziehen. Der Konzern lasse davon beispielsweise auch in Costa Rica nicht ab, wo das Verfassungsgericht des Landes dieses Vorgehen für illegal erklärt habe.

Die Global-Union-Funktionärin Ivonne Jackelen sagte, Konzernchef Appel habe im vergangenen Jahr erklärt, die kritisierten Methoden im Unternehmen nicht zu dulden. Appel stellte auf der Hauptversammlung klar, dass DHL auch in Zukunft "in streng definierten Ausnahmefällen" Lügendetektoren einsetzen werde. "Maffiöse und hochkriminelle Strukturen in bestimmten Ländern" erforderten dies.

Jackelen, deren Organisation nach eigenen Angaben einen Großteil der weltweit 470.000 Beschäftigten der Post AG vertritt, begrüßte das Angebot Appels, regionale Gesprächsforen zwischen beiden Parteien einzurichten.

dapd