Umfrage der Bauwirtschaft Deutsche immer unzufriedener mit Infrastruktur

Straßen, Internet, Wohnraum: Viele Bürger sehen die deutsche Infrastruktur in einem schlechten Zustand. Die Bauwirtschaft sieht dringenden Handlungsbedarf und appelliert an die Politik.

Schlechte Noten für die Verkehrsinfrastruktur: 68 Prozent der Bevölkerung beurteilen die Situation kritisch. - © Kara - stock.adobe.com

Immer mehr Deutsche sind mit der Infrastruktur in Deutschland unzufrieden und sehen großen Nachholbedarf. Das geht aus einer Allensbach-Umfrage im Auftrag des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie und des Zentralverbandes des Deutschen Baugewerbes hervor. "Die Umfrage zeigt anschaulich, dass die Bürger in Deutschland die Investitionsbedarfe beim Wohnungsbau und in der Infrastruktur sehr deutlich sehen", sagte ZDB-Präsident Wolfgang Schubert-Raab.

Verbände: Umfrageergebnisse macht Handlungsbedarf deutlich

Nach den Worten von Peter Hübner, Präsident des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie, macht die kritische Bewertung der sich verschlechternden Infrastruktur den "dringenden Handlungsbedarf" deutlich. "Die Politik sollte darauf reagieren", forderte er. Die Ergebnisse der Umfrage sollten sich in der Prioritätensetzung bei den anstehenden Haushaltsverhandlungen widerspiegeln. Die Umfrageergebnisse basieren auf Interviews mit etwas mehr als 1.000 Deutschen ab 16 Jahren im April 2024.

Besonders schlechtes Zeugnis für Verkehrsinfrastruktur

Wie die Gespräche zeigen, überwiegen in allen Infrastrukturbereichen die kritischen Stimmen. Dies gilt insbesondere für die Verkehrsinfrastruktur. 68 Prozent der Bevölkerung beurteilen die Situation hier kritisch und nur 25 Prozent sehen die Verkehrsinfrastruktur in Deutschland in einem "überwiegend guten" Zustand. Im Jahr 2011 zogen dagegen nur 36 Prozent eine kritische Bilanz, während noch 59 Prozent der Bevölkerung den Zustand als überwiegend gut bezeichneten. Vor fünf Jahren bewerteten immerhin noch 45 Prozent die Verkehrsinfrastruktur positiv.

Schlechtere Ergebnisse für Energieinfrastruktur und Digitales

Kritischer als in den Vorjahren fallen auch die Befragungsergebnisse zur Energieinfrastruktur aus. So sehen 40 Prozent der Bevölkerung die Energieinfrastruktur in einem schlechten Zustand, vor fünf Jahren waren es nur 20 Prozent. Und bei der Beurteilung der digitalen Infrastruktur sprechen 57 Prozent von einem eher schlechten oder sehr schlechten Zustand – ein ähnlich schlechter Wert wie vor fünf Jahren.

Befragte sehen großen Nachholbedarf im Wohnungsbau

Nachholbedarf zeigt die Umfrage auch beim Wohnungsbau: Während 2015 nur 36 Prozent der Bevölkerung den Bau neuer Wohnungen in der eigenen Region für notwendig hielten, sind es aktuell 56 Prozent. Dabei ist der Handlungsdruck in den Städten deutlich höher als auf dem Land. Insgesamt stellt das unzureichende Angebot an bezahlbarem Wohnraum für die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung ein großes Problem dar.

Bezahlbarer Wohnraum ist Mangelware

So bezeichnen es 43 Prozent der bundesdeutschen Bevölkerung als eher schwer, in der eigenen Region eine bezahlbare Wohnung oder ein Haus zu finden, weitere 29 Prozent sogar als sehr schwer. Nur 14 Prozent empfinden dies als leicht. Besonders knapp ist das Angebot in den größeren Städten. Wie die Umfrage weiter zeigt, setzt die Bevölkerung bei der Schaffung von bezahlbarem Wohnraum vor allem auf die Förderung des sozialen Wohnungsbaus, die Mietpreisbremse, den Mietendeckel sowie auf schnellere Baugenehmigungen und die Lockerung staatlicher Bauvorschriften.