Angesichts eingetrübter Konjunkturaussichten blicken die Deutschen offenbar pessimistisch in die Zukunft. Zu diesem Ergebnis kommen zwei Umfragen, die am Donnerstag in Berlin vorgestellt wurden.
Deutsche blicken pessimistisch in die Zukunft
So gaben bei einer Umfrage im Auftrag des Bundesverbandes deutscher Banken 58 Prozent der Befragten an, der Lebensstandard in Deutschland werde künftig eher sinken. In einer Studie der Wirtschaftsjunioren Deutschland glaubten nur noch 27 Prozent der Befragten daran, dass sich der wirtschaftliche Aufschwung in den kommenden Jahren fortsetzen werde.
Bevölkerung stark verunsichert
Die Angst vor Arbeitslosigkeit ist den Umfragen zufolge hingegen nicht mehr weit verbreitet. Laut Wirtschaftsjunioren halten 82 Prozent der Menschen ihren Arbeitsplatz für sicher. Und auch für die Zukunft rechnen laut Bankenverbandumfrage nur 19 Prozent mit einer Verschlechterung der Lage am Arbeitsmarkt. 28 Prozent glaubten hingegen an eine weitere Verbesserung. Mit Blick auf die Globalisierung fürchtete jedoch mehr als die Hälfte der Befragten um ihren Arbeitsplatz. An den widersprüchlichen Ergebnissen lasse sich die Verunsicherung in der Bevölkerung ablesen, sagte der Geschäftsführende Vorstand des Bankenverbandes, Manfred Weber.
Um die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft zu verbessern, sprachen sich mehr als drei Viertel aller Befragten für protektionistische Maßnahmen wie Schutzzölle undEinfuhrbeschränkungen aus, sagte Weber weiter. Dies sei jedoch der falsche Schritt, warnte der Vorstand. Deutschlands Wirtschaft sei wegen ihrer starken Exportorientierung von weltweit offenen Märkten abhängig und könne sich daher auch nicht selbst abschotten.
Wichtiger sei vielmehr ein umfassendes Reformpaket, betonte Weber. An die Adresse der Bundesregierung sagte er: "Hört auf mit dem Rumdoktern, hört mit dem Kurieren von Einzelproblemen auf." So sei statt der Debatte um Mindestlöhne eine umfassende Reform des Arbeitsmarktes notwendig. Außerdem müsse eine grundlegende Steuerreform auf den Weg gebracht werden.
Ähnlich äußerten sich die Wirtschaftsjunioren. Deren Bundesvorsitzende Anja Kapfer forderte die Regierung dazu auf, die Bürger "endlich" zu entlasten, damit für den einzelnen mehr übrig bleibe.
Mehr als ein Drittel der Befragten für weitere Reformen
Dass die Deutschen bereits reformmüde seien oder gar eine Reformaversion hätten, sei falsch, sagte Weber weiter. In der Umfrage des Bankenverbandes habe nur ein Drittel der Befragten angegeben, die bisherigen Reformen bei Gesundheit, Rente, Arbeitsmarkt und Steuern seien zu weit gegangen. 36 Prozent fanden die Neuerungen hingegen nicht ausreichend.
Für die Umfrage des Bankenverbandes hatte das Mannheimer Institut für praxisorientierte Sozialforschung (ipos) 1006 wahlberechtigte Deutsche befragt. Die Wirtschaftsjunioren fragten 11 000 Bundesbürger nach ihrer Meinung.
Quelle: ddp.djn/toh/mbr
