Weihnachtszeit im Handwerk Deutsche Backkunst ist weltweit gefragt

Stollen für Ecuador und Lebkuchen für Hawaii – deutsche Spezialitäten aus der Backstube sind in der ganzen Welt gefragt. Der Versand der weihnachtlichen Leckereien hat eine lange Tradition. Was eine Blechkiste und Dresdner Christstollen damit zu tun haben, lesen Sie hier.

Jessica Baker

Bäcker und Konditoren haben zu Weihnachten alle Hände voll zu tun. - © Foto: Dresdner Backhaus

Zur Weihnachtszeit läuft die Produktion in den deutschen Backstuben auf Hochtouren.  Traditionelles Gebäck ist aber nicht nur in Deutschland, sondern auf der ganzen Welt beliebt. Eine kleine Reise durch den Südosten Deutschlands zeigt, wie die Bäckereien die Weihnachtszeit erleben.

Die Tour beginnt in Waldsassen, östlich von Bayreuth, an der tschechischen Grenze. Hier steht die Bäckerei Rosner. Bekannt ist sie vor allem für die leckeren Lebkuchen. 1725 wurde die Bäckerei erstmals urkundlich erwähnt. Konditormeisterin Karin Neumann übernahm 2003, gemeinsam mit ihrem Mann Wolfgang, den elterlichen Betrieb. Im Zuge der Erweiterung der Bäckerei entstand die Idee für eine gläserne Lebkuchenmanufaktur. Gäste können hier während einer Tasse Kaffee beobachten, wie das traditionelle Gebäck hergestellt wird. Für größere Gruppen bietet die Bäckerei auch Führungen an.

Lebkuchen auch in Ägypten und Hawaii beliebt

Die Lebkuchen der Bäckerei Rosner werden nicht im Sommer vorproduziert. Sie werden frisch gebacken und sofort verschickt. Die sei das Geheimnis des guten Geschmacks, erklärt Neumann. "Wir verwenden keine Konservierungsmittel, daher muss es recht schnell gehen", sagt sie. Montags werden die Lebkuchen gebacken und mittwochs verschickt. Donnerstags sind dann alle ausverkauft.

Bereits der Großvater verschickte Christstollen

Christstollen kennt sie schon seit ihrer Kindheit: Elisabeth Kreutzkamm-Aumüller ist in der Konditorei groß geworden. - © Foto: Dresdner Backhaus

Vom nördlichen Bayern geht die Tour weiter nach Dresden. Im Dresdner Backhaus backt Elisabeth Kreutzkamm-Aumüller den traditionellen Dresdner Christstollen. Diese offizielle Bezeichnung dürfen nur Bäckereien aus Dresden und der näheren Umgebung verwenden. Die Tradition des Dresdner Christstollens reicht über 500 Jahre zurück und der Name ist heute mit mehreren Wort- und Bildmarken sowie als geografische Herkunftsangabe als geschütztes Produkt beim Deutschen Patentamt eingetragen.

Kreutzkamm-Aumüller ist in der Konditorei groß geworden. Das Konditorhandwerk hat eine lange Tradition in ihrer Familie. Bereits ihr Ururgroßvater gründete im Jahr 1825 eine Konditorei in Dresden. Schon damals waren die Kunden im In- und Ausland begeistert von den Produkten. Ihr Großvater verschickte Mitte des 19. Jahrhunderts die ersten Blechkisten, prall gefüllt mit Christstollen und anderen weihnachtlichen Spezialitäten, in die ganze Welt. Diese Idee wurde im Laufe der Zeit weiter ausgebaut. Kreutzkamm-Aumüller erkannte früh das Potenzial des Internets. Bereits Mitte der 1990 Jahre sicherte sie sich eine Domain für ihren Online-Shop. Heute sind ihre Spezialitäten weltweit gefragt. Im vergangenen Jahr hat sie Pakete nach Ecuador, Singapur oder in die USA verschickt. 58 Länder stehen auf ihrer Liste.

Die Weihnachtszeit ist auch für sie eine stressige Zeit. "Langsam bin ich schon müde", sagt sie. Aber am 24. Dezember ist für sie noch nicht Schluss. "Wir haben viele Hotels als Kunden. Daher arbeiten wir auch an den Weihnachtsfeiertagen und an Sylvester."

In der Pfefferküchlerei: "Hier brennt die Hütte"

Lutz Tennes Sohn Sören ist mittlerweile der Chef in der Pfefferküchlerei in Pulsnitz. - © Foto: Pfefferküchlerei Karl Handrick

Nach dem kurzen Aufenthalt in Dresden geht es weiter nach Osten, zur letzten Station der weihnachtlichen Tour. Auch bei Lutz Tenne in Pulsnitz läuft die Produktion in der Vorweihnachtszeit auf Hochtouren. Seine Spezialität: Pfefferkuchen. Ein Lagerteig aus Weizen- und Roggenmehl, verfeinert mit Gewürzen. Das Weihnachtsgeschäft beginnt für ihn bereits im August.

"Hier brennt die Hütte", sagt er. Zwar produziert Tenne das traditionelle Gebäck das ganze Jahr hindurch, aber an Weihnachten geht es besonders häufig über die Ladentheke – oder es wird verschickt. Kunden können das Gebäck seit über 15 Jahren im Internet bestellen. Der Online-Shop läuft gut. Jedes Jahr steigen die Kundezahlen zweistellig. Die meisten Anfragen kommen aus Deutschland und Europa. Einmal hat Tenne sogar nach Japan verschickt.

Anders, als Elisabeth Kreutzkamm-Aumüller vom Dresdner Backhaus, muss Tenne an den Feiertagen nicht arbeiten. Genug zu tun hat er trotzdem. Zwischen den Jahren ist sein Laden wieder offen. Danach ist dann aber erstmal Pause: "Nach dem Weihnachtsgeschäft machen wir von Januar bis Mitte Februar zu." Zum Entspannen, mag man meinen. Aber nein. "Urlaub mache ich dann noch nicht", sagt Tenne und lacht, "dann ist erstmal der Papierkram dran."