Studien Deutsche Arbeitnehmer zufriedener als oft dargestellt

Eine Untersuchung des Instituts der deutschen Wirtschaft zeichnet ein positives Bild der Arbeitsmoral in Deutschland. Die Ergebnisse stehen im Widerspruch zu einer bekannten Gallup-Umfrage, die vielen Beschäftigten Lustlosigkeit attestierte.

Deutsche Arbeitnehmer sind laut aktuellen Studien mehrheitlich zufrieden und engagiert, was im Widerspruch zu früheren, negativeren Darstellungen steht. - © Cagkan - stock.adobe.com

Die meisten Arbeitnehmer in Deutschland sind laut Studien des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) und des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) zufrieden mit ihrer Arbeit und zeigen ein hohes Engagement. Auch die Fluktuationsrate sei seit Jahren niedrig, was auf eine lange Betriebszugehörigkeit vieler Beschäftigter hindeute, so das IW. Diese Erkenntnisse widersprechen einer viel beachteten Gallup-Umfrage.

Jene Umfrage des Beratungsunternehmens Gallup hatte für Aufsehen gesorgt mit dem Ergebnis, 78 Prozent der Beschäftigten machten nur Dienst nach Vorschrift, 13 Prozent hätten bereits innerlich gekündigt. Das IW äußert jedoch Zweifel an diesen Befunden. Beispielsweise messe die Gallup-Studie das Engagement eines Mitarbeiters unter anderem daran, ob er im Kollegenkreis einen guten Freund habe. Eigene Analysen des IW zeichneten ein anderes Bild.

Hohe Arbeitszufriedenheit seit Jahren konstant

Die Arbeitszufriedenheit der Beschäftigten in Deutschland liegt laut Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) seit Anfang der 1990er Jahre auf einer Skala von null bis zehn konstant bei durchschnittlich rund sieben Punkten. Auch die jüngsten Daten für das Jahr 2022 bestätigen diesen Trend: Fast die Hälfte der Befragten gibt an, mit ihrer Arbeit sehr oder sogar ganz und gar zufrieden zu sein, was acht bis zehn Punkten auf der Skala entspricht. Lediglich etwas mehr als drei Prozent seien mit ihrem Job unzufrieden.

Starkes Engagement im Betrieb

Ein hohes Maß an Engagement zeigt laut IW eine aktuelle Beschäftigtenbefragung des Instituts aus dem Jahr 2024. Auf einem sogenannten Engagement-Index, der von 0 bis zu 24 Punkten reicht, erreichen die Beschäftigten im Mittel 16 Punkte. Von den insgesamt 5.060 Befragten kommen rund 2.000 auf mehr als 16 Punkte, 30 Beschäftigte erzielen sogar den Maximalwert. Diese geben laut IW unter anderem an, sich immer für die Arbeit zu begeistern und nie an deren Wichtigkeit zu zweifeln.

Die Selbsteinschätzung der Befragten unterstreicht dies: Fast 90 Prozent sind laut IW davon überzeugt, immer oder meistens gute Arbeit zu leisten. Knapp 57 Prozent geben zudem an, (fast) immer von ihrem Job begeistert zu sein. Gut 53 Prozent fühlen sich demnach in aller Regel bei der Arbeit voller Energie.

Geringe Fluktuation und lange Betriebszugehörigkeit

Überdurchschnittlich engagierte Mitarbeiter stufen laut IW-Analyse die Wahrscheinlichkeit als relativ gering ein, in den kommenden beiden Jahren die Stelle zu wechseln. Passend dazu schwanke der sogenannte Fluktuationskoeffizient in Deutschland seit Jahren nur leicht um den Wert von 30. Vereinfacht ausgedrückt bedeutet dies, dass jährlich auf knapp jedem dritten Arbeitsplatz ein Personalwechsel stattfindet.

Die Verbundenheit mit dem Unternehmen spiegle sich auch in der Dauer des Beschäftigungsverhältnisses wider, so das IW. Im Jahr 2022 waren die Beschäftigten in Deutschland im Schnitt bereits seit rund elf Jahren in ihrem aktuellen Betrieb tätig. Seit 2012 habe sich die mittlere Betriebszugehörigkeitsdauer nur um 0,4 Jahre verringert. Bei den über 50-Jährigen betrug die durchschnittliche Betriebszugehörigkeit 2022 laut IW sogar 17 Jahre.

Wirtschaftliche Unsicherheit als möglicher Faktor

Das IW weist allerdings darauf hin, dass die aktuelle Krise der deutschen Wirtschaft sich zunehmend auf den Arbeitsmarkt auswirke. Eine geringere Beschäftigungssicherheit könne die Arbeitszufriedenheit negativ beeinflussen. Umso wichtiger sei es, dass Unternehmen bei notwendigen Veränderungen ihre Mitarbeiter einbinden. Ein betriebliches Leistungsmanagement, das gute Arbeit und Motivation belohne, sei dabei ein wichtiger Baustein, so die Einschätzung des Instituts. fre