Bei den Baubetrieben gehen immer weniger neue Aufträge ein. Verbände und Gewerkschaften warnen vor Arbeitsplatzabbau und fordern Gegenmaßnahmen.

Der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes und die IG BAU haben angesichts rückläufiger Bauaufträge vor einem Beschäftigungsabbau gewarnt. "Noch bauen die Unternehmen die Auftragsbestände ab. Aber die Zeichen stehen auf Sturm", sagte Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands des Deutschen Baugewerbes (ZDB). Und IG-BAU-Vorstand Carsten Burckhardt warnte mit Blick auf die Erfahrungen der Gastronomie während der Corona-Krise: "Wer einmal geht, der ist weg."
Wohnungsbau am stärksten vom Rückgang betroffen
Wie das Statische Bundesamt zuvor berichtet hatte, ist der Auftragswert im Bauhauptgewerbe angesichts gestiegener Baupreise im vergangenen Jahr zwar nominal um 4,8 Prozent gewachsen. Rechnet man die erhöhten Preise jedoch heraus, sind die Aufträge 2022 im Vergleich zum Vorjahr um 9,8 Prozent gesunken. Dabei verzeichnete der Wohnungsbau mit einem realen Minus von 16,5 Prozent die größten Einbußen. Der Tiefbau sank im Vergleich zum Vorjahr real um drei Prozent. Auch die Umsätze gingen preisbereinigt um 5,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zurück. Auch hier war der Wohnungsbau am stärksten betroffen.
Baugewerbe: Auftragseingang im Wohnungsbau im freien Fall
Wie Pakleppa weiter sagte, hat sich im Wohnungsbau das Tempo des Rückgangs der Auftragserteilung zuletzt noch weiter beschleunigt. "Wie befürchtet, sehen wir die Auftragserteilung im Wohnungsbau weiter im freien Fall", erklärte er. Nach den Zahlen des Statistischen Bundesamtes seien die Aufträge im Dezember 2022 real um rund 32 Prozent zurückgegangen. Hohe Finanzierungskosten und Baustoffkosten bremsten die Investitionsbereitschaft weiter aus.
Damit diese wieder steige, müssen nach den Worten Pakleppas weitere Baukostensteigerungen vermieden und die Zinslast begrenzt werden. Auch konterkariere die bestehende Koppelung der Sonder-Afa im Mietwohnungsbau und der KfW-Förderprogrammen an das EH-40-Niveau die Nutzung der Programme. Man sehe dies auch daran, dass mittlerweile Baugenehmigungen kaum noch zu Bauaufträgen führten.
Branche: Fachkräfte müssen gehalten werden
Angesichts des enormen Baubedarfs hat die Branche nach den Worten Pakleppas in den vergangenen zwölf Jahren rund 200.000 Beschäftigte neu eingestellt. "Das geschah im Vertrauen darauf, dass die Rahmenbedingungen für eine verlässliche Auslastung sorgen", sagte er. Der Bedarf bliebe weiter bestehen, gerade deshalb müsse der entsprechende Fachkräftebedarf gehalten werden.
IG-BAU-Vorstand Burckhardt forderte Bund und Länder auf, alles zu tun, damit es auf dem Bau weiterlaufe. Sie müssten "intensiver fördern" und "das Bauen deutlich erleichtern". Der Staat müsse insbesondere sozial orientierte Wohnungsunternehmen in die Lage versetzen, Wohnungen zu bauen. "Wenn der Staat den Wohnungsbau jetzt im Stich lässt, wird es lange dauern, bis er wieder auf die Beine kommt", warnte er.