500.000 Euro in 40 Jahren Der Zinseszinseffekt – die stärkste Kraft im Universum?

Wer Kapital ansparen will, sollte dies langfristig tun und darauf achten, die Erträge wieder anzulegen. Dann wächst das Vermögen exponentiell. Wie das geht, zeigen einige Rechenbeispiele.

"Man sollte in der Tat so früh wie möglich mit dem Sparen beginnen", sagt der Vermögensexperte Bernd Linke. - © Anastasiia - stock.adobe.com

Als achtes Weltwunder und stärkste Kraft im Universum soll Albert Einstein den Zinseszinseffekt einst bezeichnet haben. Ob das wirklich stimmt, ist bei Zitaten immer offen. "Klar ist aber, dass der Zinseszinseffekt für Sparer eine unglaubliche Kraft entwickelt, die das angesparte Vermögen ab irgendeinem Punkt exponentiell steigen lässt", sagt Bernd Linke, Geschäftsführer der Hoppe Vermögensbetreuung in Menden.

Konkret erläutert er die Magie des Zinseszinseffekts so: "Werden die bereits verdienten Erträge jedes Mal sofort wieder angelegt, dann helfen diese im Laufe der Zeit kräftig beim Vermögensaufbau mit – und das ohne weiteres Zutun des Vermögensinhabers." Das verdeutlicht ein Beispiel: Angenommen, jemand hat 10.000 Euro und bekommt darauf fünf Prozent Zinsen pro Jahr, also 500 Euro nach dem ersten Jahr. Legt man diese 500 Euro erneut an, dann bekommt man im zweiten Jahr die fünf Prozent auf die Summe von 10.500 Euro. Das sind dann bereits 525 Euro. Im dritten Jahr werden nun 11.025 Euro verzinst und so weiter.

"Und das funktioniert nicht nur bei einem einmal angelegten Betrag, sondern auch, wenn man über lange Zeiträume regelmäßig Geld anspart", erläutert Stefanie Dyballa von der KSW Vermögensverwaltung in Nürnberg. Die Expertin hat das beispielhaft durchgerechnet. "Um auf einen Betrag von 500.000 Euro zu kommen, müsste ein Sparer bei einer jährlichen Rendite von sechs Prozent und der konsequenten Wiederanlage der Erträge 40 Jahre lang 261 Euro jeden Monat einzahlen", sagt sie. Wer 50 Jahre lang spart, braucht sogar nur 139 Euro pro Monat.

So früh wie möglich mit dem Sparen beginnen

Das verdeutlicht auch, wie wichtig der Zeithorizont der Anlage ist. "Man sollte in der Tat so früh wie möglich mit dem Sparen beginnen", rät Linke. Wie sehr sich das auswirkt, zeigt ebenfalls ein Rechenbeispiel. Wer monatlich 100 Euro für 30 Jahre und bei einer Verzinsung von acht Prozent pro anlegt, kommt auf rund 141.000 Euro.

"Wer aber zehn Jahre später anfängt und damit nur 20 Jahre Zeit hat, der muss bei gleicher Rendite monatlich 250 Euro zurücklegen, um auf einen ähnlichen Betrag zu kommen", so Linke. In diesem Beispiel ergibt sich durch den späteren Beginn ein finanzieller Mehraufwand von 24.000 Euro, der dann womöglich zu Lasten der Lebensqualität geht. 

Um aber möglichst stark vom Zinseszinseffekt zu profitieren, ist neben dem Anlagehorizont der jährliche Ertrag die zweite wichtige Stellschraube. Zwar bieten Zinsanlagen derzeit wieder drei bis vier Prozent. "Nach Steuern aber bleibt bestenfalls eine laufende Rendite, die etwas über der derzeitigen Inflation liegt, und damit können Sie den Wert Ihres Kapitals nur real erhalten, haben aber keinen Wertzuwachs", erklärt Dyballa.

Aktien, Performace-Dax und Kurs-Dax

Dagegen seien Aktien für den erfolgreichen Vermögensaufbau unerlässlich. "Denn sie bieten langfristig mit durchschnittlich sechs bis acht Prozent im Jahr die höchste Rendite", sagt Linke. Wie die Magie des Zinseszinseffekts bei Aktien wirkt, lässt sich am Dax zeigen, wo der Kurs-Dax die reine Kursentwicklung abbildet, und die Performance-Variante alle ausgeschütteten Dividenden und deren Wiederanlage enthält.

"Seit 1987 hat der Performance-Dax im Schnitt eine jährliche Rendite von 8,6 Prozent gebracht, beim Kurs-Dax waren es 5,27 Prozent", informiert Dyballa. "Insgesamt macht die Wiederanlage der Dividenden und der daraus resultierende Zinseszinseffekt beim DAX seit 1987 bis heute gut die Hälfte der Gesamtrendite von rund 1.600 Prozent aus."

Um bei Aktien vom Zinseszinseffekt zu profitieren, sollte man deshalb bei der Produktwahl genau hinsehen. "Am einfachsten geht das mit einem thesaurierenden Fonds", sagt Linke. "Dort werden alle Erträge automatisch wieder angelegt, ohne dass zusätzliche Kosten für den Anleger entstehen." Wer dann noch auf eine breite Streuung seiner Anlage achtet, kann langfristig von der stärksten Kraft des Universums profitieren und sich erfolgreich ein Vermögen aufbauen.

Interview: "Beim Vermörgensaufbau sind Aktien alternativlos"

Wer langfristig ein Vermögen ansparen möchte, muss auch auf Aktien setzen. Warum das so ist und wie viel man dort investieren sollte, erläutert Stefanie Dyballa von der KSW Vermögensverwaltung.

Frau Dyballa, warum empfehlen Sie Aktien für den Vermögensaufbau?

Stefanie Dyballa: Damit beteiligen sich Anleger am Produktivkapital, das Werte schafft, man hat einen Sachwert im Portfolio und eine der renditestärksten Anlageklassen. Letzteres ergibt sich daraus, dass Aktien einen eingebauten Inflationsschutz haben. Inflation beschert Unternehmen über höhere Preise, steigende Einnahmen und letztlich Wachstum.

Und daraus ergibt sich der Wertzuwachs für den Anleger?

Anders als bei reinen Zinsanlagen gibt es hier zwei Komponenten: Zum einen die Kursgewinne, die allerdings variabel sind. Zum anderen die Dividenden, die der Anleger, um vom Zinseszinseffekt zu profitieren, am besten reinvestieren sollte. Allerdings darf man Dividenden nicht mit Zinsen gleichsetzen, weil Ausschüttungen auch sinken oder ausfallen können – je nachdem, wie sich das Unternehmen entwickelt. Insgesamt aber ergibt sich bei Aktien langfristig ein Wertzuwachs von sechs bis acht Prozent im Schnitt pro Jahr.

Aber bestehen bei Aktien nicht auch deutlich höhere Risiken?

Kurzfristig auf jeden Fall. Hier kann es zu erheblichen Risiken in Form von mitunter sehr heftigen Kursschwankungen. Da kann das eingesetzte Kapital auch 50 Prozent und mehr an Wert verlieren. Das Gute aber ist: Langfristig, wenn man länger als 15 Jahre sein Geld breit gestreut investiert, geht die Verlustwahrscheinlichkeit gegen null.

Wie hoch kann folglich der Aktienanteil sein?

Das hängt von der Risikoneigung des einzelnen ab. Das heißt, wer nachts nicht schlafen kann, wenn sein angelegtes Geld an Wert verliert, sollte eine geringere Aktienquote haben. Grundsätzlich aber kann man bei einem Anlagehorizont von 20 Jahren und mehr, den jüngere Menschen und Berufseinsteiger haben, vollständig in Aktien gehen.

Aber das ändert sich dann im Zeitablauf?

Früher gab es die Formel: Aktienquote entspricht 100 minus Lebensalter. Die gilt so nicht mehr, weil die Lebenserwartung stark gestiegen ist. Wer mit 65 Geld anlegt, hat einen Anlagehorizont von über 15 Jahre im Schnitt. Damit kann die Aktienquote auch höher sein als 35 Prozent. Wir empfehlen bei Eintritt ins Rentenalter eher zwischen 40 und 70 Prozent – abhängig von der Risikoneigung.

Zinseszinseffekt: Beispielrechnungen

Es gibt verschiedene Berechnungsmethoden, die zeigen, wie der Zinseszinseffekt über lange Zeiträume wirkt. Bekommt man zum Beispiel eine Rendite von sechs Prozent pro Jahr, was am Aktienmarkt langfristig realistisch ist, und legt diese konsequent wieder an, dann muss man bei einem Ansparzeitraum von 30 Jahren 511 Euro pro Monat zurücklegen, um am Ende auf 500.000 Euro zu kommen (siehe Tabelle unten). Wer zehn Jahre früher mit dem Sparen anfängt, muss nur 261 Euro monatlich auf die Seite legen, um zum gleichen Ergebnis zu kommen. Und wer einen Zeitraum von 50 Jahren zur Verfügung hat, braucht lediglich 139 Euro jeden Monat

 Performance 8 Prozent p.a.Performance 6 Prozent p.a.Performance 4Prozent p.a.
10 Jahre2.759 Euro3.063 Euro3.398 Euro
20 Jahre874 Euro1.098 Euro1.370 Euro
30 Jahre353 Euro511 Euro728 Euro
40 Jahre155 Euro261 Euro430 Euro
50 Jahre70 Euro139 Euro268 Euro
Quelle: KSW Vermögensverwaltung AG; nicht berücksichtigt sind anfallende Kosten und Steuern.

Interessant ist ein weiterer Vergleich: Wer 50 Jahre lang spart, muss bei einem jährlichen Ertrag von acht Prozent nur 70 Euro jeden Monat auf die Seite legen, um auf 500.000 Euro zu kommen. Würde der jährliche Ertrag von acht Prozent aber jährlich entnommen, wäre eine monatliche Sparrate 834 Euro notwendig, um am Ende die gleiche Summe zu haben.

Diese Wirkung des Zinseszinseffekts macht auch die folgende Übersicht deutlich. Nimmt man einen einmaligen Anlagebetrag von 100.000 Euro bei einem jährlichen Ertrag von acht Prozent, dann hat man nach zehn Jahren bei der Wiederanlage, also der thesaurierenden Variante, fast 36.000 Euro mehr zur Verfügung. Nach 50 Jahren ist das Ergebnis bei der Wiederanlage fast zehn Mal so hoch, wie bei der Entnahme des laufenden Ertrags.  

 thesaurierendausschüttend*
10 Jahre215.892 EUR180.000 EUR
20 Jahre466.095 EUR260.000 EUR
30 Jahre1.006.265 EUR340.000 EUR
40 Jahre2.172.452 EUR420.000 EUR
50 Jahre4.690.161 EUR500.000 EUR
Quelle: KSW Vermögensverwaltung AG; nicht berücksichtigt sind anfallende Kosten und Steuern; *Endwert + ausgeschütteter Gewinn

Die Magie des Zinseszinseffekts verdeutlichen schließlich auch die folgenden beiden Übersichten. Wer 20 Jahre lang 100 Euro monatlich zu acht Prozent spart, zahlt 24.000 Euro insgesamt ein und hat am Ende etwas über 57.000 Euro. Damit hat sich der eingezahlte Betrag etwas mehr als verdoppelt. Wer nur zehn Jahre länger einzahlt, hat die Gesamtsumme von 36.000 Euro investiert, kommt aber auf ein Endkapital von rund 141.000 Euro. Damit hat sich die eingezahlte Summe sogar vervierfacht. In den letzten zehn Jahren des Ansparzeitraums ist das Kapital damit exponentiell gewachsen.

Zinseszinseffekt: Monatlicher Sparbetrag 100 Euro

Laufzeit/Zinssatz3 Prozent p.a.4 Prozent p.a.6 Prozent p.a.8 Prozent p.a.
5 Jahre6.474,49 Euro6.640,41 Euro6.984,36 Euro7.344,98 Euro
10 Jahre13.980,20 Euro14.719,49 Euro16.331,00 Euro18.137,18 Euro
20 Jahre32.768,42 Euro36.507,92 Euro45.577,35 Euro57.293,98 Euro
30 Jahre58.018,22 Euro68.760,13 Euro97.953,09 Euro141.830,58 Euro
Quelle: Hoppe Vermögensbetreuung GmbH & Co. KG

Zinseszinseffekt: Monatlicher Sparbetrag 250 Euro:

Laufzeit/Zinssatz3 Prozent p.a.4 Prozent p.a.6 Prozent p.a.8 Prozent p.a.
5 Jahre16.186,23 Euro16.601,03 Euro17.460,90 Euro18.362,46 Euro
10 Jahre34.950,50 Euro36.798,72 Euro40.827,51 Euro45.342,94 Euro
20 Jahre81.921,5 Euro91.269,81 Euro113.943,37 Euro143.234,95 Euro
30 Jahre145.045,55 Euro171.900,33 Euro244.882,73 Euro354.576,45 Euro
Quelle: Hoppe Vermögensbetreuung GmbH & Co. KG