Heimvorteil des Deutschen Weins Wein-Trend: Moderater Alkoholgehalt

Verbraucher, die besonderen Wert auf ihre Ernährung legen, trinken immer öfter Weine, die weniger alkoholhaltig sind. Weinküfer sehen das aber vor allem als Trend für den Sommer.

Weine mit reduziertem Alkohol liegen im Trend - © Foto: knape/iStock

Es tut sich was in der Welt des Weins. Zwar gibt es in jedem Sommer einen hohen Absatz von Weißwein und Rosé, neu ist jedoch, dass Verbraucher häufiger Weine mit moderatem Alkoholgehalt bevorzugen. Experten vermuten, dass das mit dem Trend zu bewusster Ernährung zusammenhängen könnte. Schwere Exemplare sind bei ernährungsbewussten Kunden auf dem Rückzug. Diese Entwicklung lässt sich nicht nur in Deutschland beobachten.

"Deutsche Weine genießen dabei einen gewissen Heimvorteil. Durch die kühle klimatische Lage und die lange Reifeperiode können die Weine mit vollen Aromen bei vergleichsweise geringem Alkoholgehalt punkten", erläutert Frank Schulz, Sprecher des Deutschen Weininstituts in Mainz (DWI). Michael Koehler, Fachreferent im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft merkte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur an, dass eine 20-Prozentige Reduzierung des Alkoholgehalts von 15 auf 12 Volumenprozent möglich sei, manche Hersteller den Promillegehalt ihrer Weine in Zukunft aber sogar noch weiter reduzieren wollten .

Alkohol ist auch Geschmacksträger

Wird der Gärungsprozess allerdings zu früh gestoppt, um etwa niedrige Alkoholwerte von 12 Volumenprozent oder weniger zu sichern, kann das zu Problemen führen, denn Alkohol ist auch Geschmacksträger . Je mehr Zucker in den Weintrauben vorhanden ist, desto höher fällt der Alkoholgehalt im Wein später aus. Laut EU-Regeln müssen mindestens 8,5 Prozent Alkohol erreicht werden, damit das Getränk als "Wein" gekennzeichnet werden darf, so Koehler. In anderen Ländern, etwa in Australien, gebe es solche Vorgaben nicht.

Manche europäische Winzer außerhalb Deutschlands liebäugeln mit dem Gedanken, den Wein in Zukunft mit Zusatz-Aromen zu versehen. Dabei sind auch Zusatzstoffe, die in der EU bislang verboten sind. "Das ist in Deutschland illegal", kommentiert Schulz. "Die deutschen Winzer sind Profis, haben Weinbau studiert und in einer fundierten Ausbildung gelernt, wie man einen Wein mit moderatem Alkoholgehalt herstellen kann."

Traditionen nicht in Gefahr

Dass es einen gewissen Trend zur Anpassung an südeuropäische Weine gibt, merkt auch Daniel Kümmerle, Weinküfermeister aus Schwaigern in Baden-Württemberg an. Allerdings sei es keine Entwicklung, die in ihren Dimensionen etwa die traditionellen Rotweine verdrängen würde. "Ich habe selbst auch Weine mit nur zehn bis 13 Prozent Alkoholanteil. Dass aber jemand in meinen Laden kommt und gezielt nach einem Wein mit moderatem Alkoholgehalt fragt, kommt selten vor". Ein anderer Weinküfermeister merkt an, dass alkoholreduzierte Weine zwar gut als Sommer-Weine taugen, für den traditionellen Weingenießer aber eher von zweitrangiger Bedeutung sind .

Frank Schulz sieht für Deutschland in diesem Bereich allerdings gute Zukunftschancen: "Schon heute sind wir weltweit führend im Bereich von schmackhaften Weinen mit vergleichsweise niedrigem Alkohol". jr/dpa