Bin Ladens Tötung beherrscht die Presselandschaft - Von Fragen der Moral bis zum Aktienmarkt Der Tod des Terrorchefs als Medienereignis

Selten löste ein Einzelereignis ein solches Medienecho aus, wie die Tötung von Al-Kaida-Chef Osama bin Laden durch US-Soldaten in Pakistan. Kaum eine deutsche Zeitung, die am Dienstag über den verhassten Terroristen und seinen Tod nicht auf mehreren Seiten und ressortübergreifend berichtete. Die Titelseiten gehörten dem Mann ohnehin, der zur Symbolfigur des islamistischen Terrors wurde.

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Der Tod des Terrorchefs als Medienereignis

Berlin (dapd). Selten löste ein Einzelereignis ein solches Medienecho aus, wie die Tötung von Al-Kaida-Chef Osama bin Laden durch US-Soldaten in Pakistan. Kaum eine deutsche Zeitung, die am Dienstag über den verhassten Terroristen und seinen Tod nicht auf mehreren Seiten und ressortübergreifend berichtete. Die Titelseiten gehörten dem Mann ohnehin, der zur Symbolfigur des islamistischen Terrors wurde.

Gleich acht Seiten räumte die "Frankfurter Rundschau" für das Ereignis frei. Neben der Berichterstattung über die Jagd auf bin Laden sowie seine Tötung, präsentierte das Blatt eine Kurzbiografie des Terroristen, fragte nach der politischen Bedeutung und den möglichen Folgen, wie etwa drohende Vergeltungsschläge von Al Kaida, und beleuchtete die Auswirkungen der Todesnachricht auf die Aktienmärkte.

Der Berliner "Tagesspiegel" setzte sich in seinem Kulturteil mit den Freudenfeiern in den USA und dem menschlichen Rachebedürfnis auseinander. In einem ausführlichen Porträt zeichnete die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" den Lebensweg bin Ladens und dessen Entwicklung zum islamistischen Terroranführer nach.

Auf fünf ausschließlich bin Laden gewidmeten Seiten brachte es die "Bild"-Zeitung. Sie bebilderte die Texte über bin Laden, Al Kaida und den islamistischen Terror ausführlich mit Grafiken, Jugendfotos des Terroristen und einem Foto des blutverschmierten Zimmers, in dem der Terrorchef erschossen wurde.

"Laden-Schluss" titelte die linke "Tageszeitung" und gewann dem Ereignis satirische Aspekte ab, wie einen Wettbewerb "Wer wird der nächste Osama bin Laden?" samt Kandidatenvorschlägen von Karl Lagerfeld bis Jesus von Nazareth. Dass das Blatt auch anders kann, bewies es mit der Frage nach der Moral angesichts der Freude in den USA über den gewaltsamen Tod des Massenmörders.

Auch Franz Josef Wagner stellte in der "Bild"-Zeitung die Frage, ob es legitim sei, sich über den Tod "eines bösen Menschen" zu freuen. Seine Antwort lautete: "Ich glaube, dass es die Amerikaner dürfen."

dapd