DHZ-Verleger Alexander Holzmann erinnert sich Der Rausch der Einheit

Der Rausch der Einheit

Ich war am 9. November 1989 gerade 26 Jahre alt geworden und studierte in München. Ich kam an diesem Abend, nach einem rauschenden Streifzug durch das Münchener Nachtleben, etwas später in meine Studentenbude zurück und machte es mir noch kurz vor dem Fernseher bequem. Da sah ich die Ereignisse des Abends vorbeiziehen. Die Pressekonferenz mit Schabowski zur Reisefreiheit und die Bilder von der Mauer mit feiernden Leuten, die fahneschwenkend und von Tränen gerührt die Grenze passierten. Ehrlich gesagt hielt ich das eher für eine Art von Science-Fiction oder Satiresendung.

Als ich am nächsten Morgen erwachte, musste ich erst mal drüber lachen, was ich wieder für einen Quatsch geträumt hatte: Die Mauer ist weg und die Leute können einfach so hin und her – na klar! Dies alles erzählte ich dann so auch meiner damaligen Freundin am Telefon. Recht bald merkte ich allerdings, dass ich mich nicht mehr in der Traumwelt, sondern in der Realität befand. Der Untergang der DDR war ohne einen vergossenen Blutstropfen eingeleitet und das deutsche Volk stand kurz davor, den Traum der Wiedervereinigung wahr werden zu lassen. Und bis heute ist diese Nacht für mich ein Wunder geblieben, denn es war wirklich unglaublich, was da passiert war. Und bis heute bin ich glücklich, dass alles so gekommen ist. Einige Monate später konnten wir in der Deutschen Handwerks Zeitung dann melden: Deutsches Handwerk jetzt wieder vereint.

Ich habe seither viele, viele Male den Weg in die neuen Bundesländer angetreten (schon während meines Studiums), um mehr über die Menschen zu erfahren. Diese Neugierde hat mir viele neue Freunde beschert und ich habe viel über die Mentalitäten unserer "Brüder und Schwestern" gelernt. Gleichzeitig bemängele ich dies allerdings bei meinen Altersgenossen. Da wird häufig über die "Ossis" gemotzt, ohne einmal seinen Hintern bewegt zu haben, um die neuen Länder zu erkunden. Ich zitiere in diesem Zusammenhang gerne unseren Bundespräsidenten Horst Köhler, der in diesen Tagen des 20. Jahrestags des Mauerfalls angemahnt hat: "Wir Deutschen in Ost und West und Nord und Süd sollten endlich aufhören, in Telefonumfragen übereinander zu nörgeln, und stattdesssen viel mehr zusammenkommen und miteinander reden." Dies ist aus meiner Sicht umso nötiger, da doch einiges aus der Geschichte schnell in Vergessenheit gerät. Und ich meine, alle Deutschen sollten aus der Geschichte lernen: Einmal DDR reicht!

Alexander Holzmann, Verleger der Deutschen Handwerks Zeitung