Das DFB-Pokal-Achtelfinale im Check von deutsche-handwerks-zeitung.de Der Prinz kehrt heim, ein Brasilianer ist auf Abwegen

Von der Heimkehr eines Monarchen und dem aufregenden Leben eines kleines Brasilianers berichtet Stefan Galler in der DHZ-Kolumne.

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Der Prinz kehrt heim, ein Brasilianer ist auf Abwegen

Meisterbetrieb: Übermütiger Filou, geknickter Torero

Die Franzosen haben genau die passende Bezeichnung für einen wie Franck Ribéry: Filou nennen sie solche Burschen, die für einen guten Gag sogar ihre Großmutter verscherbeln würden. Ein Hallodri, ein Schlitzohr ist er, der Großverdiener der Bundesliga – und irgendwie gönnt man ihm im Vergleich zu weniger charmanten Größen aus der Finanzbranche sogar seine rund 300 000 Euro Monatsgehalt. Was auch daran liegt, dass er manchmal Sachen macht, die an Absurdität kaum zu überbieten sind. Man denke an die Aktion im Trainingslager in Dubai, als er sich kurzerhand ans Steuer des Mannschaftsbusses setzte und das High-Tech-Vehikel gegen die Hotelmauer lenkte.

Oder jetzt im Pokalspiel beim VfB Stuttgart: Da lupfte er beim Stand von 2:0 für die Bayern vor lauter Witzigkeit den Ball beim Elfmeter in die Arme von VfB-Keeper Lehmann. Vermutlich weil ihm da schon klar war, dass sich die Bayern das Spiel sowieso nicht mehr aus den Händen nehmen lassen würden. Jens Lehmann, von dem in Sachen Humor bislang nichts überliefert ist, nahm’s ihm übel und fühlte sich veräppelt, anstatt sich zu freuen, dass er in diesem Spiel wenigstens einen Ball halten konnte.

Für die Schwaben war’s jedenfalls ein nicht wirklich erbaulicher Fußballabend: 1:5 abgefrühstückt, Markus Babbels Nimbus als unbesiegbarer Trainerersatzteamchef dahin und dann noch nicht einmal den Marktwert des angeblich immer noch von Bayern umworbenen Goalgetters Mario Gomez in die Höhe getrieben. Der durfte zwar kurz vor Schluss noch den Ehrentreffer erzielen, erhielt dafür aber zum Dank von Vorbereiter Lanig einen Klaps in die spanischen Familienjuwelen. Damit war’s um die aufrechte Haltung des "TOReros“ endgültig geschehen. Wenn’s nicht läuft, tut’s eben richtig weh.

Gesellenstück: Chaot im Leben – Genie auf dem Platz

Angsichts des tödliches Tribünensturzes eines 20-jährigen BVB-Fans während des Pokalspiels im Dortmunder Stadion am Mittwochabend fällt es schwer, einen augenzwinkernden Blick auf die Partie zu werfen. Dennoch lohnte es sich durchaus, das Wintertheater von Sieger Werder Bremen ein bisschen genauer unter die Lupe zu nehmen.

Hauptdarsteller war Diego, der Brasilianer mit der ganz besonderen Einstellung zum Leben: Zuerst die Meldungen um eine Affäre mit Popsternchen Sarah Connor, dann die Wechselgerüchte inklusive eines Phantomangebots von Manchester City in Höhe von 27 Millionen Euro, schließlich die Führerschein-Posse – Diego wurde bei einer Alkoholfahrt nach Verfolgungsjagd mit der Polizei gestellt, anschließend zeigte sich, dass der Fußballer gar keine gültige Fahrerlaubnis besitzt.

Die Ausrede für die 0,8 Promille hat Kultcharakter: Der Kellner habe andauernd nachgeschenkt, obwohl Diego noch Wein im Glas hatte. Kurz vor dem Pokalfight in Dortmund folgte auch noch Diegos Ausbootung aus der brasilianischen Nationalmannschaft. Ein bisschen viel für einen so kleinen Mann, könnte man meinen, zumal Werder-Manager Klaus Allofs klar zu verstehen gab, dass der 23-Jährige nun besonders unter Beobachten stehen würde.

Doch Diego zeigte einmal mehr, dass er auf dem Platz alles ausblenden kann, war maßgeblich an der Wende im Spiel beteiligt und kann nun optimistisch sein, dass die Katastrophen-Vorrunde der Bremer im Frühjahr keine Fortsetzung erhält. Gut, dass jetzt wieder gekickt wird, da kann er sich ja auf das Wesentliche konzentrieren.

Erstes Lehrjahr: Prinz der Provinz

Nur, dass wir uns nicht falsch verstehen: Köln ist eine wunderbare Millionenstadt, alles andere als ein Kuhdorf und als viertgrößte Metropole der Republik für Deutschland gleichermaßen repräsentativ in Sachen Innovation, Wohlstand und Historie. Nur auf dem Themenfeld Fußball, da laufen die Jecken schon seit 30 Jahren dem Zug hinterher. Und das stinkt nicht nur FC-Legende Wolfgang Overath, sondern auch den unglaublich begeisterungsfähigen Geißbock-Anhängern.

Nun aber sehen sie alle einen Hoffnungsschimmer am Horizont: Der Prinz kommt heim! Dank der größten kollektiven Initiative der Stadt seit dem Bau des Domes – und der Kleinigkeit von zehn Millionen Euro Ablöse – kehrt Lukas Podolski aus dem ungeliebten Bayernland ins RheinEnergieStadion zurück. Dass die Finanzierung auf wackeligen Beinen steht, scheint im Verein niemanden zu interessieren; die noch fehlenden drei Millionen Euro sollen im Rahmen eines Freundschaftspiels mit Volksfestcharakter gegen die Bayern erwirtschaftet werden. Und dann wird es schon laufen, Poldi streift seine nun schon seit eineinhalb Jahren währende Dauerkrise ab wie einen unbequemen Rucksack, schießt Kölle in die Champions League und findet fortan in jedem Reiseführer Erwähnung („Besuchen Sie das Geburtshaus des Prinzen“).

Dass Poldis internationale Karriere mit diesem eigenwilligen Schritt eventuell schon bald beendet sein könnte und dass der Verein mit dem Transfer an den Rand des Ruins getrieben wird, will natürlich keiner hören. Auch nicht Manager Michael Meier, der ja schon in Dortmund eindrucksvoll gezeigt hat, wie man einen prosperierenden Klub schnurstracks in die Insolvenz führen kann. In München reiben sie sich die Hände, dass sie Poldi ohne finanziellen Verlust in die fußballerische Provinz schicken konnten. Nur ein paar kleine Buben, denen der ganz große Sachverstand noch fehlt, weinen seit Tagen bittere Tränen in ihre heißgeliebten Trikots mit der Nummer elf.

Zwei linke Hände: Trübsinn bei den Überfliegern

Der Hoffenheimer Himmel hing voller Geigen: Platz eins in der Wintertabelle, ganz Deutschland begeistert von Offensivfußball und Unbekümmertheit des Aufsteigers. Und als Sahnehäubchen zauberte Trainer Ralf Rangnick einen schier unaufhaltsamen Torjäger aus dem Hut: Vedad Ibisevic ballerte 18 Mal ins Schwarze und schien schon auf den Spuren von Gerd Müllers ewigem Saisonrekord von 40 Treffern zu sein.

Doch im Winter schlug das Schicksal gnadenlos zu: Ibisevic fällt wegen eines im Test gegen den HSV erlittenen Kreuzbandrisses mindestens bis Saisonende aus, Carlos Eduardo holte sich im gleichen Spiel für eine wüste Keilerei mit Ivica Olic eine Rote Karte nebst Sperre ab, auch Obasi ist verletzt. Da hat ein bisschen Trübsinnigkeit in Hoffenheim Einzug gehalten, auch wenn fortan mit Timo Hildebrand ein kurzfristig ausgebooteter Nationaltorwart zwischen den Pfosten stehen wird und man sich noch schnell ein neues 30.000-Mann-Stadion hingezaubert hat.

Die große Frage war: Wie kann Ibisevic ersetzt werden? Die Antwort hatte Jan Schindelmeiser, der findige Manager sofort parat: Er lieh sich Boubacar Sanogo aus Bremen, von dem bekannt ist, dass er bei jedem neuen Klub stark anfängt und irgendwann mindestens ebenso stark nachlässt. Deshalb hat die TSG ihn auch nur bis zum Sommer verpflichtet. Ganz schön schlau.