Der Preis ist nicht alles

Bestatter: Umfragen belegen hohe Kundenzufriedenheit. Billigkonkurrenz und Sozialfälle machen der Branche zu schaffen

Von Frank Muck

Der Preis ist nicht alles

Die Bestatterbranche ist ein Gewerbe voller Abzocker? Dies zumindest suggeriert ein Artikel auf der Nachrichtenwebseite „Spiegel Online“. Kerstin Gernig weiß um die Attraktivität solcher Aufregerthemen. „Just auf unserer Branche wird gerne rumgehackt“, sagt die Pressesprecherin des Bundesverbandes Deutscher Bestatter (BDB). Über den Bericht habe sich demzufolge auch niemand groß aufgeregt. Beschwerden von Verbandsmitgliedern seien nicht eingegangen. Der Artikel vom 16. September berichtet unter dem Titel „Gewinne so sicher wie der Tod“ über die schwarzen Schafe unter den Bestattern und will über die „fiesen Abzock-Tricks der Branche“ aufklären.

Verband setzt auf Werbung

„Die Journalisten lieben dieses Thema“, sagt Gernig. Es berühre ein gesellschaftliches Tabu, das immer Aufmerksamkeit garantiere. Doch solche Artikel gehen eher am Kern der Sache vorbei. Natürlich gebe es auch unter den Bestattern Betriebe, die durch unfaire Geschäftspraktiken auffielen, aber das sei nur ein ganz geringer Teil, betont Gernig. Denn die Kunden sind mit den Leistungen der Bestatter durchaus zufrieden. Eine Umfrage des BDB aus dem vergangenen Jahr bestätigt das. Das Meinungsforschungsinstitut TNS-Emnid hat 1001 Teilnehmer repräsentativ nach ihrer Meinung zu Bestattern befragt. Demnach waren 96 Prozent der Befragten, die bereits eine Bestattung in Auftrag gegeben hatten (40 Prozent), mit den Leistungen der Unternehmen zufrieden. Dennoch machen Billiganbieter den etablierten und seriösen Unternehmen Konkurrenz. Diese bieten Bestattungen zum Teil für 500 Euro an ein Kampfpreis, der am Ende oft genug durch vorher nicht offengelegte Posten weit übertroffen wird und rücken damit die Branche in ein schlechtes Licht. Diese Unternehmen, so Kerstin Gernig, reduzierten alles auf den Preis und bestimmten das Image.

Neben der verzerrten Wahrnehmung in der Öffentlichkeit macht die Zunahme an Sozial- und Ordnungsamtsbestattungen den Unternehmen zu schaffen. Viele Menschen könnten sich nach Abschaffung des Sterbegelds in der Krankenkasse und angesichts einer geringen Rente ein angemessenes Begräbnis nicht mehr leisten. Deshalb setzt der Verband auf Werbung, die frühzeitige Vorsorge propagiert und ein würdevolles Begräbnis ins Bewusstsein der Kunden rücken will. Der Verband bemüht sich gleichzeitig, das Image der Betriebe weiter zu verbessern. Um die Einhaltung bestimmter Standards zu garantieren, hat der Verband eine Zertifizierung eingeführt, die den Betrieben strenge Kriterien auferlegt. Das zugehörige Markenzeichen soll dem Kunden die Einhaltung der ethischen Regeln des Bundesverbandes sowie eine entsprechende Ausbildung zur Bestattungsfachkraft, zum geprüften Bestatter oder zum Bestattermeister garantieren. Die Einhaltung der Qualitätskriterien werde regelmäßig geprüft, so Gernig.

Bis jetzt führen allerdings erst 1.200 Unternehmen das 2003 eingeführte Markenzeichen. Kerstin Gernig erklärt den Rückstand mit dem Aufwand und den hohen Kosten, die die Zertifizierung mit sich bringt. In jedem Fall sei es wichtig, auf die guten Leistungen der Bestatter aufmerksam zu machen. Frei nach dem vom Verband gewählten Motto: „Wer nicht wirbt, stirbt.“