Energiewende Der Osten profitiert besonders

Die Unterschiede zwischen Ost und West werden kleiner. Trotzdem hinkt der Osten in der Wirtschaftsentwicklung noch etwas hinterher. Neue Chancen enstehen durch den Atomausstieg. Eine Umfrage zeigt, dass immer mehr Arbeitnehmer in den Osten ziehen.

Die Energiewende bietet der ostdeutschen Wirtschaft Entwicklungspotenzial, Foto: Doc RaBe/Fotolia

Der Osten profitiert besonders

Der Präsident des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH), Ulrich Blum, erkennt in der Energiewende eine Umverteilung zugunsten des Ostens. "Zum einen wird hier bereits jetzt viel erneuerbare Energie produziert. Zum anderen wird die Bundesregierung vermutlich nicht darum kommen, Braunkohle als Brückentechnologie einzusetzen, und in den meisten ostdeutschen Ländern gibt es ein hohes Braunkohleaufkommen" , prognostiziert er mit Blick auf die zukünftige Wirtschaftsentwicklung. Der Solarbranche sagt er jedoch keine großen Chancen zu. Hier hätte in der Vergangenheit mehr in die Forschung investiert werden müssen.

Keine gravierenden Unterschiede

Auch wenn hiermit neue Chancen entstehen und Blum auch die vergangene Entwicklung der ostdeutschen Bundesländer wie beispielsweise beim Anlagenbau und der chemischen Industrie positiv bewertet, sieht er keine Möglichkeit, dass der Osten wirtschaftlich gesehen zum Westen aufschließt. "Transferleistungen wird es immer geben", sagte er im Interview mit der Nachrichtenagentur dapd.

Ganz anders sieht dies der Ostbeauftragte der Bundesregierung, Christoph Bergner (CDU). Er hält die Unterschiede zwischen den Lebensverhältnissen in Ost und West für nicht mehr gravierend. "Die Angleichung ist in vielerlei Hinsicht schon geschafft", sagte Bergner vergangene Woche beim Treffen der Ministerpräsidenten der ostdeutschen Länder in Leipzig. Er ist sich sicher, dass die ostdeutschen Länder bis zum Ende des Solidarpaktes II, also bis 2019, wirtschaftlich zu den westdeutschen Ländern aufschließen können. Es werden zwar nicht die großen DAX-Unternehmen sein, die sich plötzlich in Ostdeutschland ansiedeln. Stattdessen sollten die ostdeutschen Bundesländer auf ein kleinteiliges Wirtschaftskonzept setzen.

Berufstätige ziehen in den Osten

Dass der Osten aktuell einen Aufschwung erlebt, zeigt auch eine Umfrage des sozialen Netzwerks Xing. Es zeigte sich, dass seit dem Jahr 2009 mehr Menschen von einem westdeutschen Arbeitgeber zu einem ostdeutschen wechseln als umgekehrt.

Im laufenden Jahr zogen bisher rund 20.700 Arbeitnehmer von den alten in die neuen Bundesländer. Dem stehen 19.500 Menschen gegenüber, die den Osten verließen, um im Westen eine neue Arbeit aufzunehmen. Allgemein zeigte die Studie, dass die Arbeitnehmer wesentlich flexibler geworden sind, was den berufsbedingten Wechsel zwischen den neuen und alten Bundesländern betrifft. In den vergangenen fünf Jahren betrug der Zuwachs der Arbeitsmigration über die ehemaligen Landesgrenzen rund 700 Prozent. Bei einem Wechsel von West nach Ost sind das frühere Ost-Berlin, Leipzig und Dresden die Top-Adressen für Arbeitnehmer. Wen es zum Arbeiten in den Westen zieht, der bevorzugt Hamburg, München oder Frankfurt.

XING hatte den Tag der Deutschen Einheit als Anlass zu der Studie genommen. Für die Analyse wurden rund vier Millionen Mitgliederprofile untersucht, die Auskunft geben über die beruflichen Stationen der Mitglieder und die Adressen ihrer Arbeitgeber. Überraschend sind die Befunde vor allem deswegen, weil die Löhne im Osten des Deutschlands deutlich niedriger sind als im Westen. Gründe für die Entscheidung, für einen anderen Arbeitsplatz das Bundesland zu wechseln, hatte die Studie nicht erhoben.

Ein ausführliches Interview mit Ulrich Blum über die ostdeutsche Wirtschaftsentwicklung lesen Sie hier.

dhz/dapd