Noch bevor Fiat den neuen Ducato in seiner Heimat anbietet, haben die Italiener ihren Transporter auf den deutschen Markt gebracht. Bei der sechsten Generation des Kastenwagens handelt es sich aber keineswegs um ein komplett neues Fahrzeug.
Ulrich Steudel

Dafür haben die Ingenieure an vielen Stellschrauben gedreht, um den Ducato leichter und wirtschaftlicher zu machen. So muss der neue Fiat-Transporter nur noch alle 40.000 km zum Service in die Werkstatt.
Karosserie
Augenfälligste Neuerung ist die veränderte Frontpartie, die vor allem im Windkanal eine gute Figur macht. Mit einem cW-Wert von 0,31 setzt der Ducato Maßstäbe in der Aerodynamik. Der vordere Stoßfänger wurde mit Blick auf die Reparaturkosten in vier einzeln austauschbare Elemente unterteilt, sagte Alessandro Silva, Chef-Designer von Fiat Professionell, bei der Vorstellung des neuen Ducato im Testzentrum von Balocco. Die etwas nach hinten verlegten Scheinwerfer seien jetzt bei kleinen Zusammenstößen besser geschützt. Die neue Fronthaube soll den Motorraum besser gegen Wasser abschirmen.
Gewicht
Viel Energie hat Fiat nach Auskunft von Ducato-Produktmanager Luca Marengo auf die Senkung des Leergewichts verwendet. Das wird den Handwerker freuen, denn die eingesparten 20 kg kommen der Nutzlast zugute, die bei der größten Variante jetzt 2,1 t beträgt.
Weitere 15 kg lassen sich einsparen, wenn man die optional erhältliche Verbundstoff-Blattfeder für die Hinterachse wählt, deren Materialmix aus Glasfaser und Epoxidharz so nur im Ducato zu finden sei.
Motoren/Verbrauch
Beim Antrieb vertraut Fiat seiner bewährten Multijet-Dieseltechnik. Mehr als die Hälfte der neuen Ducatos wird nach den bisherigen Erfahrungen mit dem 130 PS starken Motor bestellt werden. Neue Kolbenringe und spezielle Leichtlauföle sollen in Verbindung mit rollwiderstandsreduzierten Reifen sowie der optional erhältlichen Start-Stopp-Automatik den Verbrauch um rund zehn Prozent auf 6,2 l/100 km senken.
Noch weniger verbraucht der ab Juli lieferbare Eco-Motor, bei dem die Höchstgeschwindigkeit auf 90 km/h reduziert wird, was einen durchschnittlichen Verbrauch von 5,8 l/100 km ermöglicht.
Als erster Motor, der die Euro 6-Abgasnorm erfüllt, soll von 2015 an der 3,0-l-Vierzylinder das Angebot erweitern. Das Natural-Power-Triebwerk wird wahlweise mit Benzin oder Erdgas betrieben und generiert eine Leistung von 140 PS bei einem maximalen Drehmoment von 350 Nm.
Erste Probefahrt rund um Balocco (Italien)
Schon auf den ersten Kilometern wurde deutlich, dass der neue Ducato von ausgereiften Motoren angetrieben wird. Wie es den Italienern allerdings gelingt, die Anforderungen der Euro-6-Abgasnorm rechtzeitig zu erfüllen, konnte oder wollte bei der Präsentation niemand genau sagen.
Einige der neuen, gegen Aufpreis erhältlichen Assistenzsysteme konnten allerdings nicht überzeugen. Die Schaltpunkt-Anzeige versteckt sich in einem kleinen, nur schlecht lesbaren Display. Der Spurassistent erschreckt den Fahrer anfangs regelrecht mit seinem an Maschinengewehrfeuer erinnernden Warnsignal. Dafür erkennt er selbst ausgeblichene Straßenmarkierungen sehr exakt. Wer ohne zu blinken zum Überholen ansetzt, bekommt eine Salve um die Ohren.
Insgesamt aber haben die Entwickler an nahezu alles gedacht, was dem modernen Handwerker im Cockpit nützlich ist. Der Dokumentenhalter kann neben Papierseiten auch Smartphone oder Tablet-PC fixieren.
Dank seiner Modellvielfalt – allein 600 unterschiedliche Fahrgestelle sind im Angebot – bietet der Ducato für die meisten gewerblichen Einsatzgebiete eine fachgerechte Lösung. Der Einstiegspreis liegt bei 23.960 Euro. Laut Fiat bewegen sich die Preise ausstattungsbereinigt um 1,5 Prozent über denen des Vorgängermodells.