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Aus- und Weiterbildung Meisterbrief: Alle wichtigen Fakten

Der Meisterbrief ist das Qualitätsmerkmal des Handwerks. Wie läuft die Meisterprüfung ab und wie wird man dafür zugelassen? Wie steht es um den Meisterbrief in der Zukunft? Alle Antworten und Hintergründe.

Dieser Artikel ist Bestandteil des Themenpakets Meister im Handwerk

Was ist der Meisterbrief?

Im Meisterbrief ist die Meisterqualifikation dokumentiert. Sie ist das Qualitätsmerkmal für Führungskräfte im Handwerk und damit auch ein Marketinginstrument für jeden Betrieb. Die Meisterqualifikation umfasst die notwendigen unternehmerischen Kompetenzen, einen Betrieb als Selbständiger oder Führungskraft erfolgreich zu leiten. Meister können eigene Lehrlinge ausbilden und sich einen leistungsfähigen und motivierten Nachwuchs heranbilden.

Welchen Wert hat die Meisterqualifikation?

Wer die Meisterprüfung in allen vier Teilen bestanden hat, erhält den Meisterbrief und darf sich als Handwerksmeister bezeichnen. Die deutsche Meisterprüfung ist in vielen Staaten bekannt und deutsche Handwerksmeister sind weltweit gefragte Experten. Innerhalb der EU hat die Meisterqualifikation im Rahmen der EU-Berufsanerkennungsrichtlinie eine angemessene Berücksichtigung erfahren. Deutsche Handwerksmeister können damit in der Regel ohne Probleme in der gesamten EU tätig werden. Darüber hinaus hat Deutschland mit einigen Ländern (Frankreich und Österreich) spezielle Gleichstellungsabkommen abgeschlossen, wodurch die Meisterprüfungen in beiden Ländern wechselseitig anerkannt werden.

Im Rahmen des Deutschen Qualifikationsrahmens wird die Meisterqualifikation auf der Niveaustufe 6 des insgesamt achtstufigen Rahmens eingeordnet. Die Meisterqualifikation liegt damit auf dem gleichen Niveau wie ein Bachelorabschluss einer Hochschule.

Als Handwerksmeister kann man sich zum Geprüften Betriebswirt nach der Handwerksordnung fortbilden und damit zusätzlich betriebswirtschaftlicher Profi werden. In allen Bundesländern haben Handwerksmeister außerdem die Berechtigung, an einer Hochschule zu studieren.

Wie läuft die Meisterausbildung ab?

Die Meisterqualifikation baut auf der beruflichen Ausbildung auf. Die Aufstiegsfortbildung ist modular in vier Teilen aufgebaut.

Die Inhalte der Vorbereitungskurse für den ersten Teil (Fachpraxis) und zweiten Teil (Fachtheorie) orientieren sich an den Anforderungen der jeweiligen gewerbespezifischen Meisterprüfungsteile. Diese sind in den Meisterprüfungsverordnungen für die einzelnen Handwerke festgelegt. Der dritte Teil besteht aus Betriebswirtschaft und Recht, im vierten Teil wird Berufs- und Arbeitspädagogik gelehrt.

Im fachpraktischen Teil einer Meisterprüfung ist in der Regel ein Meisterprüfungsprojekt durchzuführen. Das Meisterprüfungsprojekt besteht in der Planung, Durchführung und Kontrolle eines typischen beruflichen Produkts, Dienstleistung oder Geschäftsprozesses und wird durch ein Fachgespräch ergänzt.

In den drei anderen Prüfungsteilen werden in erster Linie schriftliche Prüfungsleistungen, im vierten Teil auch eine Präsentation oder die praktische Durchführung einer Ausbildungssituation und ein Fachgespräch, gefordert.

Wie werde ich zur Meisterprüfung zugelassen?

Zu einer Meisterprüfung in einem zulassungspflichtigen Handwerk ist zuzulassen, wer:

  • eine Gesellenprüfung in dem zulassungspflichtigen Handwerk, in dem er die Meisterprüfung ablegen will, oder in einem damit verwandten zulassungspflichtigen Handwerk oder
  • eine entsprechende Abschlussprüfung in einem anerkannten Ausbildungsberuf oder
  • eine Gleichwertigkeitsbescheinigung für eine Gesellenprüfung im zulassungspflichtigen oder damit verwandten Handwerk
  • eine andere handwerkliche Meisterprüfung bestanden hat.

Wer eine andere Gesellen- und Abschlussprüfung bestanden hat, muss das Handwerk, in dem er die Prüfung ablegen will, über mehrere Jahre ausgeübt haben.

Zur Meisterprüfung in einem zulassungsfreien Handwerk ist zuzulassen, wer eine Gesellenprüfung oder eine Abschlussprüfung in einem anerkannten Ausbildungsberuf bestanden hat (Für die Zulassung zum Teil 3 ist kein Berufsabschluss erforderlich).

Die Handwerkskammer kann auf Antrag in Ausnahmefällen von den Zulassungsvoraussetzungen befreien.

Wo kann ich Meister werden?

Die Weiterbildung zum Meister findet in der Regel in Bildungseinrichtungen der Handwerksorganisation statt, in einigen Ländern gibt es auch staatliche Meisterschulen.

Wer fördert mich?

Wer einen Vollzeitlehrgang besucht, kann grundsätzlich Meister-Bafög zur Förderung des Lebensunterhalts und der Lehrgangs- und Prüfungskosten beantragen. Auch Teilzeitkurse sind möglich und im Hinblick auf die Lehrgangs- und Prüfungskosten ebenfalls förderfähig.

Welche Rechtsgrundlagen gelten?

Die grundlegenden Bestimmungen zur Meisterprüfung sind in der Handwerksordnung zu finden. Die Paragraphen 45 – 51 e legen sowohl für die zulassungspflichtigen als auch für die zulassungsfreien Handwerke den Gegenstand der Prüfung, Befreiungsregelungen, die Zusammensetzung der Prüfungsausschüsse, das Zulassungsverfahren sowie Verfahren zur Gleichwertigkeitsfeststellung fest.

Die Prüfungsanforderungen für die handwerksspezifischen Teile 1 und 2 werden durch Rechtsverordnungen des Bundeswirtschaftsministeriums bundesweit einheitlich festgelegt. Die Anforderungen der gewerbeübergreifenden Teile 3 und 4 sind ebenfalls in einer staatlichen Rechtsverordnung, der Allgemeinen Meisterprüfungsverordnung (AMVO) festgelegt.

Das Prüfungsverfahren für die Meisterprüfung sind in der Verordnung über das Zulassungs- und allgemeine Prüfungsverfahren (MPrüfVerfVO) niedergelegt. Ein Meisterprüfungsausschuss besteht aus mindestens fünf Personen.

Aktuelle Diskussion

Die EU-Kommission drängt seit längerem auf eine Erleichterung des Berufszugangs, um Wettbewerbsverzerrungen zu verhindern. Das Handwerk erkannte diesen Vorstoß aus dem Jahr 2014 als Attacke gegen zulassungspflichtige Berufe. Doch erst kürzlich hat die Europäische Kommission anlässlich der Veröffentlichung einer neuen Strategie für einen "vertieften und gerechteren Binnenmarkt" erklärt, dass keine Absicht bestehe, den Meisterbrief abzuschaffen. RReformdruckfür die Erleichterung des Berufszugangs soll dennoch weiterhin bestehen bleiben.>>>

ZDH/meh

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