Der Himmel über Berlin

Von Karin Birk

Der Himmel über Berlin

Ein Vulkan mit unaussprechlichem Namen hat der Politik und ihren obersten Vertretern die Grenzen aufgezeigt. Island statt Griechenland, Eyjafjallajökull statt Westerwelle. Obwohl die Regierung in Athen offenbar unaufhaltsam auf den Punkt zusteuert, an dem sie die europäischen Notkredite in Anspruch nehmen werden muss, waren die Prioritäten eindeutig. Daran änderte auch nichts, dass die FDP ihr großes Steuersenkungsversprechen ein ordentliches Stück kleiner macht. Ihr Vorsitzender Guido Westerwelle wird dies am kommenden Wochenende auf dem Bundesparteitag in Köln zu vertreten haben - wenn nicht wieder die Aschewolke vorgeht.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat es genauso getroffen wie tausende Deutsche, die aus dem Urlaub nach Hause wollten und sich in übervollen Zügen, mit Bussen und Mietwagen mühsam durchschlagen mussten. Dass sie einen Wahlkampfauftritt in Neuss absagen musste, ist angesichts der anderen Ereignisse, die durch die Sperrung von großen Teilen des europäischen Luftraums in Mitleidenschaft gezogen wurden, sicherlich das geringste Problem gewesen.

Die Bundeswehrmaschine Konrad Adenauer, die die Bundeskanzlerin aus Kalifornien in die Hauptstadt bringen sollte, musste nach Lissabon ausweichen. Dann ging die Odyssee so richtig los, nur in Etappen kam sie weiter: Erst mit dem Flugzeug nach Rom, dann mit dem Auto nach Bozen, von dort wollte sie mit einem Bus das letzte Stück nach Deutschland bewältigen. Ein Teil ihrer Delegation hatte noch mehr Geduld aufzubringen. Ihr Bus hatte eine Reifenpanne. Doppeltes Pech. So wurde die Gruppe nochmals aufgehalten.

Auch Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg zwang die Aschewolke, die sich von Island aus in große Höhe über Europa breitmachte, auf seinem Rückflug von Afghanistan mit zwei schwer verletzten Soldaten zu einem Zwischenstopp in der Türkei. Die Soldaten mussten in einem Krankenhaus in Istanbul versorgt werden. „Sie sind hier, so ist mir gesagt worden, in den besten Händen“, sagte der Verteidigungsminister. Auch der Rücktransport der in einem Hinterhalt im Norden Afghanistans getöteten Bundeswehrsoldaten verzögerte sich.

Die Bundeskanzlerin musste auch ihre Teilnahme an der Trauerfeier in Krakau für Lech Kaczy´nski und seine Frau absagen. Da der Luftraum über Polen gesperrt war, fehlten weitere Regierungschefs und Staatsoberhäupter, die wie Amerikas Präsident Barak Obama kommen wollten. Bundespräsident Horst Köhler und Außenminister Guido Westerwelle kamen mit dem Hubschrauber und vertraten Deutschland auf dem Staatsbegräbnis für den polnischen Präsidenten. Dieser war eine Woche vor dem Ausbreiten der Aschewolke beim Landeanflug in der Nähe von Katyn verunglückt.