Berufkleidung in Damengrößen Warum gibt es kaum Berufkleidung für Frauen in Handwerksberufen?

Immer mehr Frauen arbeiten in technischen oder handwerklichen Berufen. Trotzdem gibt es kaum Berufkleidung oder gar Schutzkleidung für Frauen. Warum dies so ist und mit welchem Trick sie trotzdem eine passende Größe finden können.

Sabine Anton-Katzenbach

Eher die Ausnahme: eine passgenaue, auf die anatomischen Bedürfnisse von Frauen zugeschnittene Arbeitsgarderobe. - © Foto: FHB Höhne und Mischke

Gibt es eigentlich einen Bedarf an Sicherheitsschuhen und Arbeitshosen für Damen? Ja. Denn bald sollen Frauen in der Metallverarbeitung und der Mechatronik, im Elektrohandwerk und dem Karosseriebau die Hosen anhaben. Und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Denn die potenziellen Fachkräfte der Zukunft sollen wie ihre männlichen Kollegen in angemessener Arbeitskleidung ans Werk gehen. Bisher ist das jedoch kaum möglich. In vielen Handwerksberufen sind Frauen auf die für ihre männlichen Kollegen entwickelte Berufskleidung angewiesen. Statt Arbeitshosen im Damenschnitt stehen oft nur Latzhosen in Kurz-, Bauch- oder Normalgröße zur Wahl.

Vergleichbar ist die Situation bei Oberteilen. Viele Shirts bestechen weniger durch eine weibliche Passform als durch einen kastenförmigen Schnitt und Unisex-Größen. Ähnlich verhält es sich mit Arbeitsjacken, Arbeitshemden und Westen: Schnitte für Damen sucht man oft vergeblich.

Warum gibt es kaum Arbeitskleidung für Frauen?

Das Fehlen von weiblicher Berufskleidung für technisch orientierte Handwerksberufe hat Gründe. Die Zahl der potenziellen Abnehmerinnen war bisher zu gering. Die relativ kleine Gruppe steht in keinem Verhältnis zum Aufwand, den eine Kollektionsentwicklung mit sich bringt. Daher ist Fachberufskleidung für Elektrikerinnen, Klempnerinnen oder Fahrzeugmechanikerinnen Mangelware. Noch schlechter ist es um Schutzkleidung bestellt. In der Regel arbeiten nur sehr wenige Frauen in gefährdeten Bereichen, in denen sie Hitze, flüssigem Metall oder einem Störlichtbogen ausgesetzt sind.

Wenn es keine Damenschnitte gibt: Männergröße in Damengröße umrechnen

Statt einer passenden Schutzkleidung für ihre weiblichen Fachkräfte bleibt Unternehmen daher nur der Griff zur Männergarderobe. Frauen erleichtern ihnen diesen Schritt. Da sie im Beruf ihren Mann stehen wollen, legen sie mehr Wert auf Funktion als auf ein feminines Erscheinungsbild, so die Erfahrungen vieler Designer. Damen- und Herrenkleidung basieren auf einem unterschiedlichen Schnitt- und Größensystem. Welche Größe ist für "sie" nun die richtige? Mit den Bezeichnungen 50, 27 oder 104 kann eine Frau meistens wenig an­fangen.

Fürs Erste hilft ein Trick. Eine Daumenregel besagt, dass von der Männergröße die Anzahl sechs abgezogen werden muss, um etwa auf die Damengröße umzurechnen. Letztlich muss aber eine Anprobe zeigen, ob die Arbeitshose oder die Arbeitsjacke wirklich passt und bequem sitzt. Denn eine Schutzkleidung, die entweder zu groß oder zu klein ist, kann ihre Wirkung nicht hundertprozentig entfalten. Bei der Einkleidung wird daher eine Anprobe durchgeführt.

Lehrlingsbestand in Deutschland nach Berufsgruppen im Jahr 2012

BerufsgruppeLehrlinge Männer FrauenFrauenquote
Elektro- und Metallgewerbe182.662178.4614.2012,3 %
Bau- und Ausbaugewerbe64.58460.4504.1346,4 %
Holzgewerbe20.69518.7451.9509,4 %
Lebensmittelgewerbe17.84712.5765.27129,5 %
Glas-, Papier-, keramische und sonstige Gewerbe5.5623.3642.19839,5 %
Bekleidungs-, Textil- und Ledergewerbe3.8321.4342.39865,6 %
Gesundheits- und Körperpflege, chemische und Reinigungsgewerbe48.85812.29236.56674,8 %
kaufmännische Ausbildungsberufe38.1806.38131.79983,3 %

Quelle: Zentralverband des Deutschen Handwerks

Arbeitshosen für Damen: Passform problematisch

Ein weiteres Problem, vor dem die Konfektionäre stehen, ist die Schnittgestaltung der Berufskleidung. Denn bei Arbeitshosen für Damen scheint es keine optimale Passform zu geben. Das macht die Dessinierung einer Arbeitskleidung, die den anatomischen Bedürfnissen der Handwerkerinnen gerecht wird, kompliziert. Und weil sich Frauen mit der andersherum geknöpften Kleidung grundsätzlich arrangieren können, führen viele Hersteller und Mietservice-Unternehmen bislang nur Herrenkollektionen im Programm.

Immer mehr Berufkleidung für Frauen

Aber die Zeiten ändern sich. Die Zahl der Anbieter, die Berufskleidung für Frauen anbieten, nimmt langsam zu. Derzeit beschränken sie sich auf Standardmodelle in üblichen Farben (Marine, Kobaltblau, Graphit, Rot und Weiß), um eine Anwendung in möglichst vielen Berufsgruppen abzudecken. Eine auf die besonderen Bedingungen bestimmter Berufe zugeschnittene Fachkleidung ist hingegen Männern vorbehalten. Da macht die jüngste Entwicklung in der Zunftkleidung Mut. Seit einige freie Schächte sich gegenüber Frauen auf der Walz offen zeigen, gibt es die "zünftige" Garderobe mit Kniebundhosen, Schlaghosen und der typischen, zweireihig geknöpften Weste für die reisende Gesellin. Anscheinend kommt der Berufskleidungsmarkt doch in Bewegung.