DHZ-Gespräch mit Rolf Stuppardt über Wettbewerb und Gründe für steigende Beiträge in der gesetzlichen Krankenversicherung
Interview: Karin Birk
„Der Fusionsdruck nimmt zu“
DHZ: Herr Stuppardt, die Bundesregierung will bald einen einheitlichen Beitragssatz für die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) festlegen. Mit welchem Beitragssatz rechnen Sie?
Stuppardt: Die im Raum stehenden Zahlen gehen immer mehr in Richtung 15,8 Beitragssatzpunkte inklusive Zusatzbeitrag. Es wird aber auch noch darauf ankommen, welche Belastungen die Bundesregierung für die Krankenkassen noch aus dem Ärmel zaubert.
DHZ: Bisher lag der Satz bei 14,9 Prozent. Was lässt die Beiträge so steigen?
Stuppardt: Die wesentlichen Steigerungen des Beitrages kommen durch die Arzthonorare, die zusätzlichen Mittel für die Krankenhäuser und die Steigerungen beispielsweise im Arzneimittelbereich. Direkte Auswirkungen auf den Beitragssatz hat der Fonds aber auch durch die Schwankungsreserve. Und die Verwaltungskosten werden steigen, weil die Krankenkassen Einzelkonten für ihre Versicherten anlegen müssen, die es heute noch nicht gibt.
DHZ: Was heißt das für die IKK-Mitglieder?
Stuppardt: Erst einmal heißt das, dass die Versicherten nicht mehr in den Genuss kommen, von den besonders wirtschaftlich arbeitenden Innungskrankenkassen in dem Maß zu profitieren, wie es sein könnte und bisher immer der Fall war. Trotzdem wird auch in Zukunft die Mischung aus gutem Service, günstigem Beitrag und guten Leistungen für die Innungskrankenkassen sprechen.
DHZ: Werden Innungskrankenkassen, die bis heute relativ gut gewirtschaftet haben, künftig einen Bonus zahlen können oder sich in ihrem Leistungskatalog von finanzschwächeren Kassen abheben?
Stuppardt: Über die Höhe von Prämien und möglichen Rückzahlungen kann niemand derzeit valide Aussagen machen. Damit kann man auch nicht halbwegs seriös spekulieren, denn wie sich etwa der neue Risikostrukturausgleich auf die einzelne Kasse auswirkt, weiß heute noch keiner. Mögliche Rückzahlungen an Versicherte werden aufgrund der Umverteilungslogik und ihrer Mechanismen keinen mittelfristigen Bestand haben. Das sind nach meiner Auffassung allenfalls Einstandseffekte. Die gute solide Lage der Innungskrankenkassen kann aber dazu führen, dass wir weiterhin den Versicherten bessere Angebote machen können als andere Krankenkassen. Damit meine ich aber vor allem Versorgungsangebote. Wir werden den Weg hin zu einem Wettbewerb um die Versorgung gehen müssen.
DHZ: Mit welchen Mehrkosten muss ein Handwerksbetrieb rechnen?
Stuppardt: Wenn die Mitarbeiter bis dato einen Beitrag von 13,9 hatten und nun bei 15,8 Beitragssatzpunkten stehen, ist dies ein Plus von 1,9. Davon muss der Arbeitgeber 0,95 Beitragssatzpunkte bezahlen und kann eben nicht an einer möglichen Bonuszahlung partizipieren. Bei einem Einkommen von 1.000 Euro sind das also 9,5 Euro, bei 1.500 Euro knapp 15 Euro. Aufs Jahr gerechnet kommen da schnell 2.000 Euro zusammen.
DHZ: Wie sieht künftig der Wettbewerb zwischen den Kassen aus?
Stuppardt: Wir werden sicher einen Konzentrationsprozess sehen. Es wird aber über kurz oder lang um einen Wettbewerb guter Versorgung gehen müssen. Da kommt es auf Qualität, Leistung und Wirtschaftlichkeit an. Die Kunden werden anspruchsvoller und die Versicherten wollen wissen, dass sie einen optimalen und individuellen Schutz haben. Dies muss die Zielsetzung der Innungskrankenkassen sein.
DHZ: Jetzt will die Techniker Krankenkasse die IKK-direkt übernehmen. Was heißt das für IKK-Versicherte?
Stuppardt: Die mögliche Fusion hat auf die übrigen IKK-Versicherten keine Auswirkungen. Sie hat Auswirkungen auf den Markt der GKV, der sich damit stärker konzentriert, was von den Berliner Zentralisten politisch gewollt war.
