Die neuen Unisex-Tarife: Wann es sich lohnt, noch schnell einen Vertrag über eine Versicherung abzuschließen.
Michael Sudahl

"Frauen sollten jetzt abschließen und sparen", rät Stiftung Warentest in einer Ausgabe des Magazins "Finanztest" zum Abschluss einer Risikolebensversicherung. Hintergrund: Deutsche Versicherer sind ab dem 21. Dezember 2012 verpflichtet, ihre Produkte geschlechtsneutral auszugestalten und dürfen daher nur noch Unisex-Tarife anbieten. Bisher kalkulieren die Assekuranzen die Beiträge nach dem individuellen Risiko der Kunden. Da Männer und Frauen zumindest aus Sicht der Versicherungsmathematiker sehr unterschiedliche Wesen sind, führt das teils zu enormen Preisunterschieden zwischen Frauen- und Männerpolicen.
"Bei den Risikolebensversicherungen etwa können durch das Mitteln die Beiträge für Frauen um mehr als die Hälfte steigen", sagt Markus Sobau vom Mannheimer Finanzplaner Confina. Für Männer wird es dagegen preiswerter – wie viel, steht erst ab dem 21. Dezember fest.
Infografik Unisex-TarifeBei Kfz-Versicherungen werden die Tarife steigen
Egal ob Dachdeckerin oder Bäckerin, Handwerkerinnen sollten zuerst prüfen, ob sie überhaupt eine Unfallversicherung abgeschlossen haben. "Für körperlich tätige Frauen kann der Tarif um bis zu 70 Prozent steigen", verdeutlicht Tahssin Asfour vom Online-Verbraucherportal 1a.net. Und auch bei den Kfz-Versicherungen sei es absehbar, dass die Tarife nach oben schnellen. "Frauen bezahlen in Zukunft die schlechte Schadensstatistik vor allem junger Autofahrer mit", sagt Confina-Chef Sobau, der hier um bis zu 50 Prozent Beitragssteigerung erwartet.
Peter Grieble von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg ist sich zudem sicher: Für Männer lohnt vor der Einführung der Unisex-Tarife ein Blick auf die Berufsunfähigkeitsversicherungen. Erste Tarife, die Versicherer derzeit anbieten, liegen zwischen sieben und zehn Prozent über dem bisherigen Preis, wie Asfour meint. Gleiches gilt für die Altersvorsorge, die wohl um bis zu zehn Prozent teurer wird. "Oder für die der Einzahler künftig einfach weniger Rente erhält", wie Sobau die Mechanismen erklärt. Beispiel: Statt 450 sinke die Monatsrente auf 420 Euro, bei gleichbleibendem Einzahlungsbetrag.
Billiger wird es langfristig für niemanden
Noch nicht ganz klar ist, wie sich die Preise der privaten Kranken- und Pflegeversicherungen entwickeln. Bislang zahlen Frauen deutlich mehr als Männer. Die Verbraucherzentrale rechnet mit bis zu knapp 20 Prozent höheren Preisen für Männer. Billiger wird es langfristig allerdings für niemanden. Grund seien Wechselrechte der Kunden. Diese können dazu führen, dass besonders Frauen aus alten, teuren Verträgen in die Unisex-Tarife wechseln. Grieble hält das für den wichtigsten Hinweis. Statt in Panik zu verfallen und noch kurz vor Weihnachten Verträge abzuschließen, rät er zur Sichtung der Altverträge. "Denn oft lägen Policen vor", so der Referent für Versicherungen. Hier sollten die Handwerker prüfen, ob eine Erhöhung der Altverträge möglich ist.
Eine dynamische Anpassung der Beiträge an die Inflationsrate hält wiederum Sobau für sinnvoller als einen neuen Abschluss. Und grundsätzlich sollten Handwerker überlegen, welche Policen sie überhaupt benötigen. Und dann prüfen, ob sie die teils jahrelangen Zahlungen aufbringen können. Denn ein vorzeitiger Ausstieg sei meist teuer.
Eine Wechselgarantie kann hilfreich sein
Ein Tipp ist zudem der Blick in die Bedingungen der Berufsunfähigkeitsversicherung. "Denn sie konserviert die Gesundheit der Kunden", wie Sobau verdeutlicht. Wer jetzt abschließen will, solle darauf achten, dass etwa Allergien ebenfalls eine Berufsunfähigkeit auslösen können und von daher mitversichert sind. Hilfreich ist laut Grieble, bei einem Vertragsabschluss darauf zu achten, dass es eine Wechselgarantie gibt. So kann man im neuen Jahr in einen Unisex-Tarif wechseln, wenn dieser günstiger ist.
Tarifübersicht
- Berufsunfähigkeit: Unisextarife können bis zu 70 Prozent teurer werden.
- Risikolebensversicherung: Hier wird’s für Frauen teurer: Bis zu 50 Prozent höhere Beiträge sind zu erwarten.
- Altersvorsorge: Männer erhalten künftig bis zu sieben Prozent weniger Rente ausgezahlt. Ausnahme: Riester-Rente. Da gelten schon heute Unisextarife.
- Kfz- und Unfallpolice: Preise für Frauen steigen um bis zu 50 Prozent, weil vor allem junge Männer mehr Unfälle bauen.
- Private Krankenversicherung: Erst einmal profitieren Frauen, weil sie in jungen Jahren höhere Kosten verursachen. Altkundinnen könnten in Unisextarife wechseln, die so wieder teurer werden. Für Männer wird sie auf alle Fälle teurer – um bis zu 20 Prozent.
