Mini-BHKW für fast jeden Einsatz Der Energieversorger

Günstiger Strom vor Ort: Firma Giese aus dem oberbayerischen Puchheim stellt umweltfreundliche Mini-Blockheizkraftwerke für Gewerbe und Privatkunden her.

Andrea Lexhaller

Wenn von der Energiewende die Rede ist, geht es vor allem um Sonne, Wind und Wasser. Bei der Giese GmbH redet man lieber von einer anderen Möglichkeit, Ressourcen zu schonen: Indem die für die Energie­gewinnung eingesetzten Rohstoffe möglichst vollständig genutzt werden. Denn genau das leisten die Energator-Blockheizkraftwerke des Unternehmens aus Puchheim bei München.

Diese Mini-Blockheizkraftwerke funktionieren alle nach dem selben Prinzip: Ein Mehrzylinder-Industriemotor treibt einen Generator an, der Strom erzeugt. Durch mehrere im BHKW integrierte Wärmetauscher werden Motor- und Abgaswärme zum Heizen und für die Warmwassergewinnung genutzt. Über diese Kraft-Wärme-Kopplung erreichen die BHKW einen Wirkungsgrad von bis zu 90 Prozent.

14 BHKW-Typen im Angebot

"Unser Energator-BHKW schafft durch zusätzliche Komponenten sogar einen Wirkungsgrad von 112 Prozent", sagt Geschäftsführerin Ute Giese-Scheidl nicht ohne Stolz. Der Betreiber eines BHKW hat durch den hohen Wirkungsgrad den Vorteil, dass er seinen Strom vor Ort günstig erzeugen kann. Was er nicht selbst verbraucht, speist er gewinnbringend ins öffentliche Netz ein. Zudem sind BHKWs von der Mineralöl- und Ökosteuer befreit und erhalten vielfältige Zulagen und Förderungen vom Staat (siehe Kasten). Zurzeit kostet 1 kWh Energator-BHKW-Strom ca. acht Cent.

Die Idee trieb Detlef Giese bereits Anfang der 80er Jahre um. Es fuchste den seit 1971 mit einem Betrieb für Steuerungs- und Regelungstechnik von Heizungsanlagen selbstständigen Elektro-Ingenieur, dass der Wirkungsgrad der üblichen Kondensationskraftwerke oft nur bei 30 Prozent liegt und der Rest irgendwo als Abwärme verpufft. "Das muss auch anders gehen, vielleicht ähnlich wie bei den großen Blockheizkraftwerken", überlegte Giese und begann mit der Konstruktion seines ersten Mini-Blockheizkraftwerks (BHKW). 1986 war es dann so weit: Der Prototyp war fertig. Anfang der 90er Jahre, nachdem Giese seine Entwicklung auf Messen und Ausstellungen bekannt gemacht hatte, wurden die ersten BHKWs über den Heizungs-Fachgroßhandel verkauft. Heute hat Giese 14 verschiedene BHKW-Typen im Angebot.

Die Werkstatt platzt aus allen Nähten

Während Gieses Hauptstandbein zunächst noch die Optimierung der Steuerungs- und Regelungstechnik von Heizungsanlagen war, so ist das heute anders. "Gerade in den vergangenen vier Jahren haben wir einen enormen Geschäftszuwachs bei den BHKWs erfahren", erzählt Ute Giese-Scheidl, die 2002 die Geschäftsführung von ihrem Vater übernahm und mittlerweile 30 Mitarbeiter managt. "Wir platzen aus allen Nähten."

Seite 2: Die Nachfrage ist hoch, doch mit dem Neubau wird gezögert. >>>

Dennoch zögert die Systemelektronikermeisterin, neu zu bauen. Das liegt vor allem an den Förderungen und Gesetzen, die sich ständig ändern und zu beträchtlichen Auftragsschwankungen führen. Jährlich stellt die Firma Giese durchschnittlich 200 Stück ihrer Energatoren her. Alle werden in der eigenen Werkhalle in Puchheim gefertigt. Dabei werden verschiedene Einzelteile wie Motor, Gehäuse und andere Bauteile zugekauft und für den Energator entsprechend umgerüstet, wobei die BHKWs soweit wie möglich aus immer denselben Modulen bestehen.

Wegen des Platzmangels in Puchheim hat Giese-Scheidl die Lagerhaltung auf ein Minimum reduziert. Alle Teile werden online "just in Time" bestellt. Auch die Abläufe in der Fertigung müssen reibungslos funktionieren. Deshalb hat sie den Mitarbeitern ihre eigenen Verantwortungsbereiche zugewiesen. Sämtliche Papiere wie Packlisten oder Abnahmeprotokolle werden eingescannt, so dass jeder alles jederzeit im Computer einsehen kann. Das Büro läuft nahezu papierlos.

Mehr als 2.000 Referenzobjekte

Manches geht vielleicht papierlos. Ohne Mitarbeiter kommt die Fa. Giese nicht aus. Im Gegenteil: Für das Aufstellen der Geräte und den Kundendienst braucht Ute Giese-Scheidl immer mehr Fachleute. Ebenso für den Bau der BHKW, denn der ist sehr speziell. Weil die 40-Jährige wie viele ihrer Kollegen mit dem Fachkräftemangel zu kämpfen hat, setzt sie stark auf eigene Ausbildung. Seit September hat sie sechs Lehrlinge (eine Bürokauffrau und fünf Systemelektroniker).

Viele von den 30 Mitarbeitern, darunter zwei Meister, zwei Diplomingenieure, der Rest Elektriker- und Schlossergesellen sowie Bürokaufleute, haben ebenfalls bei der Firma Giese gelernt. Ute Giese-Scheidl setzt ihre ­eigene Energie für den Nachwuchs aber auch ehrenamtlich ein. Sie ist Mitglied des Meisterprüfungsausschusses. Zusätzlich engagiert sie sich im Vorstand der Elektro-Innung München.

Ein Ende des Fachkräftebedarfs ist derzeit nicht in Sicht. Durch den Vertrieb der Energatoren über den Fachgroßhandel und zwölf Handelsvertreter kann die Firma mittlerweile auf mehr als 2.000 Referenzobjekte unter anderem in England, Malta, Slowenien und Spanien verweisen. Auch Interessenten aus anderen Ländern haben bereits angefragt.

Giese Energatoren

Einsatzbereich: Ein- und Mehrfamilienhäuser, Wohngebiete mit Nahwärmeversorgung; Handwerksbetriebe wie Bäckereien, Metzgereien sowie sämtliche Gewerbebetriebe; Hotels, Gaststätten, Campingplätze, Schwimmbäder, Gärtnereien, Schulen, Wohnheime, entlegene Gebäude wie Berghütten, Forsthäuser. Kosten + Nutzen: Die Kosten für einen Giese-Energator belaufen sich je nach Größe und Leistungsbereich zwischen ca. 16.500 Euro und 77.500 Euro netto zuzüglich Zubehör und rechnet sich z.B. in einem Hotel bereits nach 3 Jahren. Förderungen: Eine Übersicht ist auf der Homepage der Firma Giese zu finden unter www.giese-gmbh.de/energator/forderungen. Kontakt und Informationen: GIESE Energie- und Regeltechnik GmbH, ­Huchenstr. 3, 82178 Puchheim bei ­München, Tel. 089/800653-0, info@giese-gmbh.de, www.giese-gmbh.de

Energie sparen durch Kraft-Wärme-Kopplung

Die Bundesregierung setzt in ihrem Energiekonzept neben der Stromgewinnung aus Wind, Wasser und Solar etc. auf die Kraft-Wärme-Kopplung, wie sie in Blockheizkraftwerken stattfindet. Begründung: Der eingesetzte Brennstoff könne sehr viel effizienter genutzt werden als bei herkömmlichen Anlagen. Da geringere Brennstoffmengen verbraucht würden, fielen auch weniger klimaschädliche CO2-Emissionen an. Weiterhin könnten Anlagen zur Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) die schwankende Stromeinspeisung aus Energiequellen wie Wind und Sonne im Stromnetz ausgleichen. Aus diesem Grund soll bis zum Jahr 2020 der Anteil der Stromerzeugung aus KWK auf 25 Prozent angehoben werden (derzeit etwa 15 Prozent). Diese Anlagen werden entsprechend gefördert. Seit dem 1. April 2012 unterstützt die Bundesregierung finanziell wieder die Anschaffung von Mini-KWK-Anlagen. Hier können auch Eigentümer, Mieter oder Pächter von Bestandsbauten profitieren. Weitere Informationen gibt es im ­Internet unter bafa.de