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Fipronil in Eiern: So reagiert das Lebensmittelhandwerk Eierskandal: Bäckerverband sieht keine Gefahren

Der Skandal um die mit Fipronil belasteten Eier weitet sich aus. Auch verarbeitete Produkte sollen betroffen sein. Dies darf nach Ansicht der Bäcker und Konditoren allerdings nicht dazu führen, dass nun Grenzwerte erhöht, neue Kennzeichnungspflichten eingeführt oder gar die Umsatzsteuer für Eier angehoben werden. Im Metzgerhandwerk sieht man nun eine erhöhte Nachfrage nach regionalen Produkten.

Riesige Mengen an Eiern wurden weltweit bereits vernichtet, da sie Rückstände des Insektengifts Fipronil enthalten. Da das Mittel unerlaubterweise zur Reinigung von Hühnerställen eingesetzt wurde, konnte es in die Eier gelangen. Erst kürzlich wurde zudem bekannt, dass es auch in verarbeiteten Produkten gefunden wurde.

Nachdem der Eierskandal auch in Deutschland dafür gesorgt hat, dass Supermärkte und Discounter zeitweise keine Eier mehr verkauft haben und dass in Lebensmittelgeschäften Hinweise zu lesen waren, dass die dort verkauften Eier nicht zu den beanstandeten Chargen gehören, weitet sich die Problemlage weiter aus und beschäftigt die EU-Kommission. Sie berät über neue Warnsysteme für die Verbraucher.

In der Diskussion wird die Lebensmittelsicherheit öffentlich in Frage gestellt. Doch genau das ist aus Sicht des deutschen Bäckerhandwerks übertrieben. So würden Experten angesichts der meist sehr geringen Fipronil-Rückstände, die bisher nachgewiesen wurden, nicht von einer akuten gesundheitlichen Gefährdung der Verbraucher ausgehen – weder beim Verzehr belasteter Eier als auch bei dem der daraus hergestellten Produkte.

Der Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks verweist auf die Stellungnahme des Bundesamts für Risikobewertung (BfR) wonach sich auch durch den Verzehr von Fipronil-haltigen Hühnereier und Hühnerfleisch, inklusive aller daraus zubereiteten Lebensmittel keine Gefahren ergeben würden. Der Bäckerverband hat nach eigenen Angaben zudem keine Rückmeldungen aus den Betrieben, dass diese in irgendeiner Weise von dem Skandal über die belasteten Eier betroffen sein.

Insektengift Fipronil: Regionale Produkte sind gefragt

"Der Verzehr von Backwaren im üblichen Umfang ist daher unbedenklich", sagt dazu Daniel Schneider, der Hauptgeschäftsführer des Verbands. Er erwähnt dies, obwohl der Verband bisher nicht feststellen konnte, dass die Fipronilfunde in Eiern Auswirkungen auf den Absatz von Backwaren hätten. "Die mediale Berichterstattung über dieses Thema hat das Einkaufsverhalten in Bäckereien bisher nicht beeinflusst", sagt Schneider.

Etwas anderes erleben die Metzgereien, die auch Produkte aus der Region anbieten. "Wir haben in der Tat einige Rückmeldungen von Fleischereien, die auch Eier aus regionaler Produktion anbieten. Sie berichten von einer stark gestiegenen Nachfrage seitens ihrer Kunden", sagt Gero Jetzsch, Sprecher des Deutschen Fleischerverbands. Er hofft jedoch, dass dieses Interesse an regional erzeugten Lebensmitteln aus bäuerlicher Landwirtschaft auch dann anhält, wenn das Thema Eier wieder aus den Schlagzeilen verschwindet. "Die Erfahrung der vergangenen ‚Skandale‘ zeigt allerdings, dass ein großer Teil der Verbraucher dann wieder zu ihren üblichen Einkaufsgewohnheiten zurückkehrt", so Jetzsch.

Insgesamt seien die Auswirkungen auf die Betriebe des Fleischerhandwerks aber eher überschaubar, da außer im Partyservice oder bei einigen Gerichten in der "heißen Theke" kaum Eier im Fleischerhandwerk Verwendung finden.

Gerhard Schenk, der Präsident des Deutschen Konditorenbunds, bekommt in seinem eigenen Betrieb mit, dass die Kunden dann skeptisch werden, wenn es um den direkten Verzehr von Eier geht – etwa beim Frühstück, das er in seinem Café anbietet. Bei den Backwaren würde niemand nachfragen. Da er selbst nur Eier verwendet, dessen Herkunft er genau kennt, muss er sich keine Gedanken machen, ob diese mit Fipronil belastet seien. Er rät deshalb auch allen anderen Betrieben auf regionale Lebensmittel mit entsprechendem Zertifikat zu setzen und bei derart wichtigen Zutaten wie den Eiern nicht den Preis alleine bestimmen zu lassen – sowohl bei den frischen Eiern als auch bei den schon aufgeschlagenen Eiern, die im Konditorenhandwerk aus Eimern zum Einsatz kommen.

"Der Eierskandal hat mit Lebensmittelbetrug nichts zu tun"

Daniel Schneider bewertet den sogenannten Eierskandal aus politischer Sicht. So werde die aktuelle Lage von verschiedenen Organisationen genutzt, um im Wahlkampf zwar politische, "aber unsachliche Forderungen nach einer härteren Bestrafung von Lebensmittelbetrug, verschärften Kennzeichnungspflichten oder gar der Erhöhung der Umsatzsteuer für Eier zu stellen". Doch nichts davon hätte seiner Ansicht nach den Eintrag von Fipronil in die Eier verhindert. "Der Vorfall hat mit Lebensmittelbetrug nichts zu tun, sondern ist gemäß unseres Kenntnisstandes die Folge kriminellen Verhaltens von Reinigungsunternehmen", stellt der Hauptgeschäftsführer klar.

Aus Sicht des Bäckerverbands existieren bereits strenge Grenzwerte für Lebensmittel, die nun nicht verschärft werden müssten. Zur Behandlung von lebensmittelliefernden Tieren dürfe Fipronil gar nicht erst verwendet werden. Das Problem ist aus Sicht von Daniel Schneider eher in der Kommunikation zwischen den Überwachungsbehörden in den Mitgliedstaaten zu suchen. Damit schließt er sich der Kritik an, die auch von Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) geäußert wurde.

Neue Gesetze sind auch nach Meinung von Gerhard Schenk nicht nötig, "denn diese ziehen auch immer steigende Kosten nach sich", sagt der Konditorenpräsident und verweist darauf, dass intensivere Kontrollen oder neue Kontrollstellen auch immer finanziert werden müssten. Das könne auch deshalb neue Probleme schaffen, da diese neuen Vorgaben dann europaweit gelten müssten – also auch für Deutschland, das dann höhere Kosten sicherlich an die Betriebe weitergeben würde. Die Konkurrenz zu den Produkten aus dem Ausland könnte sich dann weiter verschärfen.

Als Folge aus dem aktuellen Eierskandal zeigt sich nun: In Deutschland kommen Medienberichten zufolge derzeit weniger Eier auf den Markt und so könnte der Preis für sie steigen.

Der Beitrag wurde am 15. Oktober 2017 aktualisiert.

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