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Eierskandal: Neue Kennzeichnungen in der Diskussion Wieder Fipronil in Eiern: So reagiert das Lebensmittelhandwerk

Erneut wurde das Insektengift Fipronil in Eiern gefunden. Dies darf nach Ansicht der Bäcker und Konditoren allerdings nicht dazu führen, dass nun Grenzwerte erhöht oder neue Kennzeichnungspflichten eingeführt werden. So bewertet das Lebensmittelhandwerk den neuen Eierskandal.

Der letzte Skandal um Eier, die mit dem Insektengift Fipronil belastet waren, ist noch nicht einmal ein Jahr her. Nun sind bei Kontrollen wieder Bio-Eier aus den Niederlanden aufgefallen, die Rückstände von Fipronil enthalten. Die Eier wurden im Kreis Vechta in Niedersachsen verpackt und sind von dort in den Handel gelangt. Das Landwirtschaftsministerium in Hannover nennt sechs Bundesländer, die zwischen dem 17. Mai und 4. Juni beliefert wurden: Baden-Württemberg , Bayern , Hessen , Niedersachsen , Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein . Zwar hat der Handel die rund 73.000 betroffenen Eier zurückgezogen, doch viele davon wurden bereits verkauft. Sowohl Verbraucher als auch Betriebe der Lebensmittelbranche können die betroffenen frischen Eier an der aufgedruckten Stempelkennzeichnung 0-NL-4031002 erkennen.

Wie das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) mitteilt, besteht zwar keine akute Gesundheitsgefahr durch den Verzehr der mit Fipronil belasteten Eier – genauso wenig durch Lebensmittel, die die Eier enthalten. Dennoch sind viele Verbraucher verunsichert und auch Politiker reagieren wieder mit Forderungen nach neuen Kennzeichnungspflichten.

Bereits im vergangenen Jahr mussten riesige Mengen an Eiern vernichtet werden, da sie Rückstände des Insektengifts Fipronil enthielten. Da das Mittel unerlaubterweise zur Reinigung von Hühnerställen eingesetzt wurde, konnte es in die Eier gelangen. Nun wird vermutet, dass sich noch immer Reste des Insektengifts im Boden der Hühnerausläufe des schon im vergangenen Jahr vom Fipronil-Skandal betroffenen Landwirts befunden haben. Die Hühner haben das Gift beim Picken im Boden erneut aufgenommen. Da seit dem Eierskandal im vergangenen Jahr gezielter auf die Rückstände getestet wird, sind diese aufgefallen.

Bald Nummerncodes für eierhaltige Lebensmittel?

Nun flammt auch die Diskussion über neue Warnsysteme, höhere Grenzwerte und neue Kennzeichnungspflichten wieder auf. So hat etwa die ernährungspolitische Sprecherin der Grünen, Renate Künast, gefordert, dass es künftig auch Nummerncodes für eierhaltige Lebensmittel geben sollte. So soll es einfacher möglich sein, nicht nur belastete Eier, sondern auch Produkte, die diese enthalten  schneller aus dem Handel zu entfernen.

Jetzt die grundsätzliche Lebensmittelsicherheit in Frage zu stellen, ist aus Sicht des deutschen Bäckerhandwerks jedoch übertrieben. So verweist auch der Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks auf die Stellungnahme des BfR, wonach keine Gefahren bestehen. Der Bäckerverband hat nach eigenen Angaben zudem keine Rückmeldungen aus den Betrieben, dass diese in irgendeiner Weise von dem Skandal über die belasteten Eier betroffen sind.

Lebensmittelskandale wecken Interesse an regionalen Lebensmitteln

Etwas anderes haben bereits im vergangenen Jahr Metzgereien erlebt, die auch Produkte aus der Region anbieten. So berichtete Gero Jentzsch, der Sprecher des Deutschen Fleischerverbands (DFV), dass Fleischereien, die auch Eier aus regionaler Produktion anbieten, eine stark gestiegene Nachfrage erleben. In Zeiten von derartigen Lebensmittelskandalen würden sie mehr auf derartige Produkte vertrauen als auf solche aus dem Großhandel bzw. Supermarkt. Leider zeigt die Erfahrung des DFV, dass ein großer Teil der Verbraucher wieder zu ihren üblichen Einkaufsgewohnheiten zurückkehrt, wenn der Skandal wieder aus der Öffentlichkeit verschwindet. Jentzsch hofft dennoch, dass das Interesse an regional erzeugten Lebensmitteln aus bäuerlicher Landwirtschaft diesmal anhält.  

Insgesamt seien die Auswirkungen auf die Betriebe des Fleischerhandwerks aber eher überschaubar, da außer im Partyservice oder bei einigen Gerichten in der "heißen Theke" kaum Eier im Fleischerhandwerk Verwendung finden.

Gerhard Schenk, der Präsident des Deutschen Konditorenbunds, bekommt in seinem eigenen Betrieb mit, dass sowohl Lieferanten als auch Kunden sensibler geworden sind. Zwar zeigen sich noch keine direkten Reaktionen auf die neuen Funde. Schenk geht jedoch davon aus, dass sich sein Eierlieferant schon bald bei ihm meldet, um ihm zu garantieren, dass seine Waren nicht betroffen sind – und das, obwohl es sich um einen Händler mit regionalen Produkten handelt. "Die aktuellen Fipronil-Funde sind in viel geringerem Ausmaß als im vergangenen Jahr und trotzdem spürt man, dass schnell darauf reagiert wird", sagt er. Um der gesamten Problematik aus dem Weg zu gehen, rät er auch allen anderen Betrieben auf regionale Lebensmittel mit entsprechendem Zertifikat zu setzen und bei derart wichtigen Zutaten wie den Eiern nicht den Preis alleine bestimmen zu lassen – sowohl bei den frischen Eiern als auch bei den schon aufgeschlagenen Eiern, die im Konditorenhandwerk aus Eimern zum Einsatz kommen.

Dass die Eierpreise seit den ersten Funden des Insektengifts stark angestiegen und bislang nur minimal wieder gefallen sind, bewertet der Konditorenpräsident deshalb auch nicht als wirkliche Belastung. Es zeige, dass sich viele bemühen, statt nur auf eine billige Produktion auf mehr Sorgsamkeit gesetzt wird. "Lieber bezahle ich ein bisschen mehr, aber dafür bekomme ich auch Qualität", sagt Gerhard Schenk. Die höheren Preise haben sich in seiner Branche vor allem im Weihnachtsgeschäft gezeigt. Preisanpassungen bei Gebäck und Pralinen waren allerdings auch aufgrund steigender Kosten für einige andere Zutaten nötig. Schenk geht nicht davon aus, dass sich aktuell bei den Preisen etwas stark verändert – weder nach oben noch nach unten.

Der Vorschlag zu einer neuen Kennzeichnung von verarbeiteten Lebensmitteln, die Eier enthalten, wertet Schenk als überflüssig bzw. als ein zusätzlicher Aufwand in der Praxis, der für kleine Betriebe kaum zu leisten sei. Insgesamt seien keine neuen Gesetze nötig, "denn diese ziehen auch immer steigende Kosten nach sich", sagt der Konditorenpräsident und verweist darauf, dass intensivere Kontrollen oder neue Kontrollstellen auch immer finanziert werden müssten. Das könne auch deshalb neue Probleme schaffen, da diese neuen Vorgaben dann europaweit gelten müssten – also auch für Deutschland, das dann höhere Kosten sicherlich an die Betriebe weitergeben würde. Die Konkurrenz zu den Produkten aus dem Ausland könnte sich dann weiter verschärfen.

Eierskandal: Bäcker halten nichts von verschärften Gesetzen

Nach Bekanntwerden der ersten Fipronil-Funde hatte der Konditorenbund auf seiner Internetseite einen Hinweis darauf veröffentlicht, wie die Betriebe das verwendete Flüssigei auf eine Fipronil-Unbedenklichkeit kontrollieren können. Denn das ist etwas komplizierter als bei unverpackten Eiern, die einen Erzeugercode enthalten, über den sich die Herkunft ermitteln lässt. Die Flüssigei-Verpackungen enthalten stattdessen lediglich eine Packstellennummer vermerkt, die das Land kennzeichnet, in dem die Eier verpackt wurden. Doch auch diese etwas versteckten Hinweise auf die Herkunft rechtfertigen aus Verbandssicht keine neuen Regelungen.

Auch aus Sicht des Bäckerverbands existieren jedoch bereits strenge Grenzwerte für Lebensmittel, die nun nicht verschärft werden müssten. Zur Behandlung von lebensmittelliefernden Tieren dürfe Fipronil gar nicht erst verwendet werden. Das Problem ist aus Sicht von Daniel Schneider eher in der Kommunikation zwischen den Überwachungsbehörden in den Mitgliedstaaten zu suchen. Der Hauptgeschäftsführer sieht deshalb auch Forderungen nach einer härteren Bestrafung von Lebensmittelbetrug, verschärften Kennzeichnungspflichten oder gar der Erhöhung der Umsatzsteuer für Eier als "unsachlich", an. Nichts davon hätte seiner Ansicht nach den Eintrag von Fipronil in die Eier verhindert.

Auch Forderungen nach neuen Nummerncodes für eierhaltige Lebensmittel unterstützt der Zentralverband nicht. Denn eine Einführung dieser Codes gelte dann unter Umständen auch für Backwaren, was neue bürokratische Hürden durch das Erfordernis einer betriebsinternen Rückverfolgbarkeit des Eiereinsatzes und entsprechende Dokumentationspflichten bedeutet. Dies könnten insbesondere kleinere Handwerksbetriebe nicht leisten.

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